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Full text of "Das Leben und die Lieder des Trobadors Peire Rogier"

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1/ 



LEBEN UND DIE LIEDER 



DES TROBADORS 



PEIRB ROGIER 



BEARBEITET 



VON 



' CARL APFEL. 



BERLIN 

DRUCK UND VERLAG VON G. REIMER 

1882. 



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843' Ö 

Rn54o 



V HERRN GEHEIMRATH PROF. C. R. LEPSIÜS 

IN VEREHRUNG UND DANKBARKEIT 

GEWIDMET. 



Die vorliegende Arbeit versucht was uns vom Leben Peire 
Rogier's, eines provenzalischen Trobadors aus dem zwölften Jahr- 
hundert, überliefert wird zu sammeln und seine Lieder auf Grund 
des gesammten handschriftlichen Materials wieder herzustellen. Ich 
darf sagen des gesammten Materials, denn die einzige Handschrift, 
welche mir unzugänglich blieb, — der auf Papier geschriebene Theil 
des modeneser Manuscripts — ist an Werth den anderen so unter- 
geordnet, dass man sie gefahrlos unberücksichtigt lassen darf. 

Dass es mir gelungen ist das Material meiner Arbeit so voll- 
ständig zu erhalten, habe ich der Freundlichkeit nicht weniger Ge- 
lehrter zu verdanken, die theils durch Anfertigung, theils durch Be- 
sorgung von Abschriften mir zu dem in Paris liegenden und dort 
von mir kopirten Stoff den sonst weithin verstreuten sammeln 
halfen. Ihnen allen sei mir gestattet hier den wärmsten Dank 
auszusprechen. Zuerst von ihnen habe ich die Herren in Italien, 
Prof. E. Monaci, Prof. Pio Rajna und Dr. Guido Biagi^zu nennen, 
die mich mit nicht geringen Opfern an Zeit so freundlich unter- 
stützten. Sodann gebührt den Herren Prof. Bartsch in Heidelberg, 
Dr. Jos. Haupt in Wien, Prof. Mahn in Steglitz, Dr. A. Napier 
in Berlin und Prof. E. Stengel in Marburg mein Dank. Mehr als 
allen anderen aber schulde ich ihn meinem hochverehrten Lehrer, 
Herrn Prof. Adolf Tobler, dessen freundlicher Rath mir, wo 
ich auch seiner bedurfte, zu Theil wurde, und dessen Bßlfe mir 
bei so mancher schwierigen Stelle erst das richtige Verständniss 
eröffnete. 

Appel, Peire Rogier. ] 



II 

Keines der überlieferten Gedichte meines Trobadors erscheint 
hier zum ersten Mal im Druck; dasjenige welches mir noch ge- 
blieben war: Dous' amiga non puesc mais wurde während der Vor- 
bereitungen zu dieser Ausgabe von Chabaneau in der Revue des 
langues romanes veröffentlicht, die anderen sind bis auf eins schon 
von Raynouard mitgetheilt, dies eine — No. 4 — nach zwei Hand- 
schriften von Mahn in den Gedichten. Die nicht zu weite Entfer- 
nung der Ueberlieferungen von einander und Raynouard's glückliche 
Auswahl derselben für seine Publikationen brachte mit sich, dass 
die Texte von mir in nicht wesentlich veränderter Gestalt gebracht 
werden, so dass das Ergebniss dieser Arbeit nur mehr in der Bei- 
bringung des nicht kleinen Materials und in der so ermöglichten 
Prüfung und Sicherung des Bekannten als in der Mittheilung von 
Neuem bestehen konnte. 

Nicht besser als mit den Liedern erging es mit der Biographie 
des Dichters. Zur Grundlage derselben, dem provenzalischen Text, 
hat noch Niemand, der sich mit ihr beschäftigte, wesentlich Neues 
hinzuzubringen vermocht, ausgenommen Nostradamus, welcher 
(p. 202 — 204) unter Berufung auf Sainct Cezari und auf den Mönch 
Des Isles d'Or freilich mancherlei, doch offenbar Unrichtiges oder 
wenigstens bunt Zusammengewürfeltes zu erzählen weiss. 

Die provenzalische Lebensbeschreibung ist schon lange bekannt. 
Die Italiener Mario Equicola, Vellutello, Gesualdo stützen sich 
darauf; Crescimbeni und Nostradajnus benutzten sie; auch Bastero 
kannte jedenfalls den Text. Ausführlicher als die Genannten, aber 
nicht sehr vorsichtig ist Millot, der seinerseits neben dem pro- 
venzalischen Bericht der histoire iitteraire zur Grundlage gedient 
hat. Das Beste bringt natürlich Diez und Neues im Vergleich zu 
ihm wird man auch in dieser Arbeit wenig finden; wohl hat es 
der Verfasser nicht an Mühe fehlen lassen aus weltlichen und geist- 
lichen Quellen mehr über das Leben seines Dichters zu erfahren, 
es lag in den Verhältnissen, dass sein Suchen vergeblich blieb. 

Dem Mahnen der Rezensenten früherer ähnlicher Arbeiten bin 
ich in Beziehung auf einen Punkt gefolgt; ich habe die alphabeti- 
sche Reihenfolge der Lieder aufgegeben, freilich nur um diese Me- 
thode durch eine noch angreifbarere zu ersetzen. Man findet was 
ihr zur Begründung dienen kann in der Anmerkung auf p. 8. 
Wäre es mir möglich erschienen bei der Numerirung der Lieder 



m 

von Bartsch zu bleiben^), so hätte ich nicht gezögert es zu thun, 
trotz des Einspruchs, den Bartsch selbst gegen die — ich gestehe 

es gern zu — unwissenschaftliche alphabetische Ordnung erhebt. 

* 

Die Unmöglichkeit einer unanfechtbaren historischen Anordnung 
und der praktische Vortheil eine in Citaten verbreitete Nume- 
rirung beizubehalten wäre mir ein genügendes Gegengewicht gegen 
die TJnwissenschaftlichkeit gewesen. Ich glaube aber Bartsch's 
No. 2 aus Peire's Gedichten ausscheiden zu müssen; jene Nume- 
rirung war durchbrochen und ich schloss mich nun den Hand- 
schriften an, welche unverkennbar eine systematische Anordnung 
versucht haben. IclT that es im Bewusstsein keine schwere Ver- 
antwortung dafür tragen zu müssen; die Reihenfolge der Lieder 
thut in Ausgaben dieser Art wenig zur Sache, jede nicht histori- 
sche ist unwissenschaftlich, eine nach poetischer Form nicht viel 
minder als eine nach dem Alphabet, die gewählte hat w'enigstens 
die Möglichkeit historischer Berechtigung für sich. 

In einem anderen Punkt bin ich den Rezensenten nicht gefolgt. 
Auch ich habe den Liedern meines Trobadors die angehängt, welche 
ihm nur von einigen Handschriften oder nur von einer zugeschrieben 
werden. Erscheinen diese Gedichte später in Publikationen von 
den Trobadors, denen sie zugehören, dann wird freilich die Ver- 
öffentlichung hier überflüssig sein; bis zu diesem — für manchen 
Sänger gewiss noch recht femliegenden — Zeitpunkt aber hoffe 
ich, wird die gegenwärtige Mittheilung nicht unwillkommen sein; 
und will man nicht nach dem von mir befolgten Prinzip verfahren, 
wo wird denn einmal ein Gedicht wie No. VII dieser Arbeit seinen 
Platz finden? 

Für die Orthographie habe ich zu bemerken, dass ich überall 
da wo C zur Verfügung stand dessen Schreibweise als die dem 
modernen Verlangen nach Stätigkeit am meisten entgegenkommende 
zu Grunde gelegt habe. In den wenigen Fällen, wo dies nicht war, 
findet man die betreffende Angabe in den Vorbemerkungen zu den 
einzelnen Liedern. 



^) Ich bemerke, dass ich 'in der Benennung der Handschriften, wie in der 
Zählung der Trobadors und«ihrer Lieder Bartsch's Grundriss folge; eine Aus- 
nahme macht nur Marcabrun, für den ich Suchier's Gorrecturen (Jahrb. XIV, 
p. 132 ff.), und Guilhem Figueira, fiir den ich die Reihenfolge in E. Leyy's 
Monographie über diesen Trobador angenommen habe. 

1* 



IV 

Von orthographischen Varianten sind nur die allerwesentlich- 
sten angeführt; dass ich in der Mittheilung von Varianten weiter- 
gegangen bin als nöthig gewesen wäre, denke ich, wird in einer 
Erstlingsarbeit keinen grossen Vorwurf verdienen. 

Die Anmerkungen wollen nicht mehr sein als einige Male Be- 
gründungen oder Erklärungen von Lesarten meines Textes, andere 
Male Mittheilungen gelegentlich bei der Lecture genommener No- 
tizen, die mithin Vollständigkeit keineswegs beanspruchen. 



Es entspricht 






Bartsch Grundriss 356, 1 


meiner 


No. 1 


2 


- 


- 9 


3 


- 


- 7 


4 


- 


- 6 


5 


- 


- 4 


6 


- 


- 3 


7 


- 


- 8 


8 


- 


- 2 


9 


- 


- 5 


9, 11 


- 


- I 


32, 1 


- 


- ir 


70, 11 


- 


- III 


225, 11 


■» 


- IV 


323, 1 


- 


- V 


375, 12 


- 


- VI 


389, 34 


- 


- 8A 


392, 8 


- 


- VII 



Als Peire d'Alvernhe „bei Spiel und Lachen*^ unternahm ein 
Schmählied auf seine Kunstgenossen zu verfassen, verschonte er 
auch die berühmtesten von ihnen nicht. Guiraut von Bornelh und 
Bernart von Ventadom sind gleich unter den ersten, die sein Tadel 
trifft. Diesen beiden voran aber stellt er noch einen, der ihnen 
weder an Zahl der überlieferten Gedichte noch auch an Ruhm bei 
weitem gleichkommt. Und doch müssen wir glauben, dass Peire 
nicht mit einem unbedeutenden Zeitgenossen die Reihe habe er- 
öffnen wollen. Peire Rogier's Stellung in diesem merkwürdigen Ge- 
dicht ist hinreichend unsere Aufmerksamkeit auf seine Lebensschick- 
sale und seine Werke zu lenken. 



I. 

Wer sein Interesse einmal der provenzalischen Literatur zu- 
gewandt hat, weiss, wie spärlich und wie unklar uns die Quellen 
fliessen, aus denen wir Kenntniss über die Lebensschicksale pro- 
venzalischer Dichter schöpfen; es sei denn, dass nicht literarisches 
Verdienst aUein, sondern ausgezeichnete Geburt und Eingreifen in 
die Geschichte ihrer Zeit sie aus der Zahl der Mitlebenden heraus- 
hebe. Nicht schlechter als den meisten, doch nicht so gut wie 
manchem der Kunstgenogsen stehen wir Peire Regier gegenüber. 
Zwar besitzen wir seine Biographie in ähnlicher Gestalt wie die 
vieler andrer Trobador^, aber ist sie vielleicht etwas länger als der 



Durchschnitt jener Lebeosberichte, sie erzählt uns wenig genug. 
Und man hat gelernt, diesen Biographien von vornherein mit eini- 
gem Misstrauen entgegenzutreten; in den einen hat man Novellen 
erkannt, deren Inhalt von fremden, vielleicht von nie gewesenen 
Helden auf diese allbekannten Namen übertragen wurde, von anderen 
hat man gesehen, wie sie erst aus den Liedern der Trobadors selbst 
gestaltet wurden, so dass sie geschichtlich ganz werthlos für uns 
sind. So ist eine jede erst auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. 

Der Verdacht, dass die Biographie unseres Dichters zu dieser 
zweiten Klasse gehört, liegt nicht ganz fern. Er gründet sich auf 
das, was der Biograph von der Entstehung des Gedichts Senkten 
Raymbaut per uezer erzählt. Er sagt, dass der Dichter und seine 
Dame in den Verdacht eines ernsthaften, die Grenzen des conven- 
tioneil erlaubten überschreitenden Liebesverhältnisses gekommen 
seien, dass sie ihn deshalb entlassen habe y^uind er ging davon, 
traurig und in Sorge und voller BetrubnisSy zu Herrn Raymbaut 
von Orange, so wie er im Sirventes, welches er mit Bezug auf ihn 
dichtete, aussprach, welches lautet:^, und nun folgt der erste Vers 
des Liedes. 

„Wenn, sagt Diez mit Recht/), dies uns erhaltene Gedicht hier 
die einzige Quelle des Biographen war, so ist die Angabe grundlos: 
das Sirventes erwähnt nur eines gelegentlichen Besuches, welchen 
Peire dem zu seiner Zeit berühmten Grafen abstattete ; der Dichter 
erklärt die Reise nur gemacht zu haben, um die Lebensart des 
Grafen kennen zu lernen, er fragt ihn nach seinem Treiben, um zu 
Hause davon erzählen zu können, und wiederholt am Schluss, er 
werde sogleich abreisen, sobald er nur Antwort habe.** 

Treten wir nun aber auch misstrauisch an die Biograpjue 
heran, wir erkennen in ihr doch so vieles, was ihr Verfasser keinem 
Lied entnehmen konnte, und was so wenig romanhaft erscheint, 
dass wir nicht anstehen werden, sie weder der einen noch der 
anderen der oben genannten Klassen zuzuzählen, das darin Mitge- 
theilte als wahr anzunehmen, wo nicht von andersher sich Zweifel 
an der Wahrheit erheben. 

Nicht ohne Widerspruch ist freilich gleich was sie von der 
Heimat unseres Dichters sagt: 



») L. 11. W. p. 95. 



Peire Regier war atis der Auvergne und er war Kanonikus 
von Clermont^), 

Dem steht der Name gegenüber, den eine der besten pariser 
Liederhandschriften*) dem Sänger giebt: En Peire Rogier de Mira- 
peys, Mirepoix (das hier gemeinte) liegt im Departement Ariege, 
also von der Auvergne weij; entfernt, ganz im Süden des Landes, 
und dort in der That begegnet uns geschichtlich mehr als einmal 
dieser Name'). 

Auch die Biographie eines Trobadors, Raimon's von Miraval, 
erwähnt eines Herrn Peire Regier de Mirapeys. Er und der Graf 
von Foix und Herr Olivier von Saissac und Herr Aimeric von Mon- 
rial liebten alle jene Loba de Puegnautier, die im Leben Peire Vi- 
dal's eine so grosse Rolle spielte und der auch Raimon von Miraval 
seine Huldigungen darbrachte. Dass dieser Peire Regier nicht unser 



^) Die neugefundene cheltenhamer Hds. fügt nach fo d'Alvergne noch ein : 
de la ciutat de clarmon; doch steht sie mit dieser Notiz allein. 

^) C, und ihm schliesst sich f das einzige Mal, dass Peire dort genannt 
wird, an. Nur einmal in C, im Register, welches vielfach Einwirkungen anderer 
mss. aufweist, wird allein Peire rogier geschrieben. Die Abkürzung mira findet 
sich in den üeberschriften von No. 1. 5. 6. 

') Schon die erste Erwähnung der Herren von Mirepoix — vom Jahre 
1062 — weist den Namen auf. Die Urkunde bezeugt die Abtretung des Castells 
von Mirepoix ' durch die Brüder Rogerius und Raimundus Batalha an Rengard, 
Gräfin von Carcassonne. Die beiden besitzen zwei Drittel des Schlosses und 
ermächtigen Rengard auch ihren Bruder Petrus Rogerius zur Abtretung seines 
Drittels zu zwingen (Vaiss. II preuves p. 241 *)). Das Schloss wurde aber der 
Familie belassen, die Namen Petrus und Rogerius kehren in den Urkunden 
immer wieder. Die Lehnsoberhoheit wechselte zwischen den Grafen von Car- 
cassonne und denen von Foix (Vaiss. II, III. passim). Auch der letzte Herr 
von Mirepoix scheint ein Peire Rogier gewesen zu sein. Er hielt im Albigenser- 
krieg zu seinem Herrn, dem Grafen von Foix, und seine antipäpstliche Ge- 
sinnung zeigte sich noch bei einem Vorfall des Jahres 1242 in schroffster Weise. 
Zwei päpstliche Inquisitoren kamen damals nach Avignonet. Der bailli des 
Ortes, Raymund* d' Alfaro , eilte zu Peire Rogier und unter dessen Anleitung 
wurden die Inquisitoren und ihre Begleiter überfallen und getötet; ja, Peire 
Rogier soll den Mördern einen Vorwurf daraus gemacht haben, dass sie ihm nicht 
den Schädel Guillaume-Arnaud's, des ersten der Getöteten, überbrachten, er hatte 
ihn sich zur Schale bestimmt. Bei dem Strafgericht, das Raimund von Toulouse 
über die Theilnehmer an dieser That verhängen lassen musste, scheint auch Peire 
Rogier den Tod durch den Strick gefunden zu haben (s. Vaiss. HI. 431, 439). 

*) Ich citire Vaissette in der Regel nach der ersten Auflage, da die Pagi- 
uirung derselben am Rande der zweiten angegeben ist. 



Dichter ist, geht aus der Chronologie hervor. Raimon's von Miraval 
dichterische Thätigkeit fällt in's Ende des Xil. und in den Anfang 
des XIII. Jahrhunderts, während wir unsem Dichter als Zeitge- 
nossen Bernart's von Ventadom kennen gelernt haben ^). 

Ob Peire überhaupt einem adeligen Geschlecht entstammte, 
erscheint sehr fraglich. Die Bezeichnung als gentih hom in der 
Biographie sagt nichts von seiner Herkunft; er war ein „edler Mann", 
deshalb noch nicht ein „Edelmann". Der adelige Titel En wird 
ihm fast niemals beigelegt^), und so vor allem nicht in den Ge- 
dichten der Zeitgenossen, bei Peire d'Alvemhe und Raimbaut von 
Orange (anders freilich beim späteren Raiinon Vidal. Dkm. p. 175,30). 
Jene beiden Handschriften aber stehen allen anderen zu vereinzelt 
gegenüber (selbst das sonst so getreue R verlässt hier C). Das 
Erscheinen eines Peire Regier von Mirapeis in der Geschichte der 
Trobadors konnte einem Schreiber Veranlassung genug sein unserm 
Dichter den Namen beizulegen. 

Damit freilich müssen wir verzichten, in der Geschichte Auf- 
schluss über die Person des Sängers zu finden. Auch die Annalen 
der Orte seiner geistlichen Thätigkeit — soweit solche mir zugäng- 
lich — scheinen seinen Namen nicht zu kennen. 

Dass Peire, ehe er wandernder Sänger wurde, Geistlicher war, 
erfahren wir ausser durch die Biographie auch durch die schon er- 
wähnten Verse Peire's von Alvernhe: 

Uaisso mer mal Peire Botgiers^ 

per que nW encolpatz premiers, 

quar chanta d!amor a prezen; 

e covengra'l melhs us savMers 

en la gleist o us candeliers 

portar ab gran candeV arden, 

Olivier von Saissac wird von Vaissette im Jahre 1202 erwähnt. Aimeric 
von Monrial spielt eine nicht unbedeutende Rolle im Albigenserkrieg. Schliess- 
lich 1211 bei der Einnahme von Lavaur durch Simon von Montfort gefangen 
genommen, wird er erhängt. Peire Rogier von Cabaret, der mit diesen zu- 
sammen weiterhin in der Biographie genannt wird, ist bei Vaissette 1209 und 
1210 erwähnt. So wird in Peire Rogier von Mirepoix der z. B. in einer Ur- 
kunde von 1207 erwähnte zu erkennen sein. 

Theilweis dieselben Namen begegnen .im Gedicht Raimon's von Miraval: 
A dieu me coman, Bayona. Der dort genannte Peire Rogier wird der Herr von 
Cabaret sein. Cabaret liegt dicht bei Carcassonne. 

*) Ausser in C und f nur in der üeberschrift in R. 



Der frohsinnliche Hauch, der damals in der Provence zuerst 
neue Sitte, neue Kunst 'ins Leben rief, liess auch die Geistlichkeit 
nicht unberührt. Aus ihrem Stande wurde den Trobadors eine 
Reihe ausgezeichneter Genossen zugeführt: Peire Cardenal, Aimeric 
de Belenoi, Gui d'Uisel, üc Brunet, Gausbert de Poicibot. .Auch 
Peire Regier gehört zu ihnen: — y^Eh^ war ein edler Mann und 
schön und artig und gelehrt und verständig y er sang und dichtete 
gut, und er verliess das Kanonikat und wurde Joglar, 

yf Und er durchwanderte die Höfey und seine Gesänge wurden mit 
Gunst aufgenommeny und er kam nach Narbonne an den Hof der Frau 
Esmengarda, die damals mächtig und hoch gepriesen war; und sie em- 
pfing ihn sehr gut und ehrte ihn und e^*wi£s ihrn grosse Wohlthaten,^ 

Das Lob, welches die Biographie hier der Herrscherin von 
Narbonne spendet, wird vom Historiker bestätigt: „Sie verwaltete 
in schwierigen Zeiten länger als 50 Jahr das Vicomtat von Nar- 
bonne mit Klugheit und Geschick. Sie zeichnete sich nicht weniger 
durch männliche Tugenden aus als durch diejenigen, welche ihrem 
Geschlecht zukommen, und durch die Weisheit ihrer Regierung, so 
dass sie sich grossen Ruf, und Schätzung und Achtung der be- 
deutendsten Fürsten ihrer Zeit erwarb, unter anderen Ludwig's des 
Jüngeren (VU.). An der Spitze ihrer Vasallen nahm sie an mehre- 
ren kriegerischen Expeditionen Theil, und oft war sie Schiedsrich- 
terin in den Streitigkeiten, die sich zwischen Fürsten und Herren 
erhoben. Sie selbst wollte ihren ünterthanen Recht sprechen, ein 
Vorrecht, auf welches sie sehr eifersüchtig war; sie präsidirte ver- 
schiedenen Rechtsverhandlungen unter dem Beistand ihrer Haupt- 
vasallen. Ihr seltener Charakter erhob sie derart weit über ihr 
Geschlecht. Als sie in grosser Jugend ihrem Vater, dem Vicomte 
Aymeric H. folgte, hatte sie zunächst den Ehrgeiz Alfonse-Jour- 
dain's, des Grafen von Toulouse, zu fürchten. Unter dem Vorwand 
in seiner Eigenschaft als Suzerän während ihrer Unmündigkeit 
Sorge für Narbonne zu tragen, wollte er das Vicomtat besetzen^), 
aber Ermengarde's Muth und Festigkeit bewahrten si^ vor den 
Unternehmungen dieses Fürsten und Raimond's V., seines Sohnes. 
Sie erhielt sich im Besitz aller Gebiete ihrer Vorfahren unter dem 
Schutz ihrer Verwandten, der Grafen von Barcelona und der Könige 



*) Und hielt es auch 9 Jahre lang 1134—1143 besetzt. 



6 

von Aragon, mit denen sie immer in enger Verbindung blieb, und 
deren Oberherrschaft sie auch, nicht gezwungen sondern aus Freund- 
schaft und Dankbarkeit, anerkannte.^ (Vaiss. HI, 89 — 90). 

Dass sie aber nicht Staatskunst allein, sondern auch die höfi- 
schen Künste pflegte, lernen wir von den Sängern selbst. Peire 
Rogier hat sie nicht als einziger gefeiert. Von Saill de Scola er- 
zählt die Biographie (Mahn * No. 84): „er weilte bei Frau Ermen- 
garde *) von Narbonne, und als sie starb, begab er sich nach Bra- 
gairac und liess das Dichten und Singen" '); und wenn Bemart von 
Ventadorn seinen Vers: La dotissa votz ai auzida an „midons de 
Narbona^ sendet, liegt der Gedanke an Ermengarde nicht fern (L. 
u. W. p. 34). Auch Peire d'Alvernhe scheint dem Geleit seines 
Liedes Ab fina ioia comensa zufolge an ihrem Hof geweilt zu haben 
(L. u. W. p. 71). 

Dass sie mit all den glänzenden Eigenschaften ihres Geistes 
noch einzige Schönheit des Körpers verband, müssen wir ihrem — 
freilich liebenden und Hof-Poeten glauben: 7,4o „Und ihre Schön- 
heit strahlt so hell. Wer ihr nur recht ins Auge sieht. Dem wird 
zu lichtem Tag die Nacht." 

So tritt uns Ermengarde als eine der interessantesten Erschei- 
nungen in der. i&eschichte Südfrankreichs im 12. Jahrhundert ent- 
gegen. Ihrem Preis widmete Peire Rogier nun seine Lieder: Er 
verliebte sich in sie und muchte von ihr seine Verse und Canzonen, 
und sie gefielen ihr und sie nahm sie an; und er nannte sie Tort- 
viavetz (Unrecht habt ihr daran). 

Die grösste Zahl der Liebeslieder Peire's haben wir hiemach 
mit Bestimmtheit auf Ermengarde zu beziehen, in ihnen nennt er 
den hier mitgetheiltien Verstecknamen. Welcher Gelegenheit dieser 
seinen Ursprung verdankte, ist uns nicht berichtet. Wir dürfen 
annehmen, dass das „Unrecht" Ermengarde's ihre Ungeneigtheit 
war des Dichters Liebesflehen zu erhören'). 

Die Hds. nennt die Fürstin n'Ainermada. 

^ Eine gewisse Bestätigung erhält diese Nachricht durch die 11. Strophe 
des Rügelieds des Mönchs von Montaudon. 

2) Millot sagt ^ber den Namen (p. 105): mot proven^al dont le sens est 
un eloge de sa conduite. Der Schreiber der Histoire litteraire ist unglücklich 
in der Auffassung dieses Satzes und umschreibt seltsam (XV, 460): il celebra 
la vicomtesse sous le nom peu harmonieux de Tort-n'avetz , pour exprimer la 
haute opinion qu'elle a^ait donn^e d'eUe par sa maniere de gouvemer. 



Nur drei Lieder (1. 2. 7.) dürften, da in ihnen der Name nicht 
begegnet, auf andere Verhältnisse bezogen werden; und im 7. Ge- 
dicht noch können wir, wenn nicht den Verstecknamen selbst, doch 
eine Anspielung auf ihn finden, z. 10, 11: 

oc, ben leu, mos setnpre rCa tort 

— tort n^af qu*ai cUg! boca tu mens, 

Die beiden anderen dagegen zeichnen sich auch durch weitere 
Eigenthümlichkeiten von den an Tort-n'avetz gerichteten aus. Sie 
allein von den Gedichten Peire's nennen seinen Namen in der Tor- 
nada (ein Gebrauch der von mehreren der älteren Trobadors geübt 
wurde, schon von Cercamon, von Marcabran, Peire d'Alvernhe, 
Raimbaut d'Aurenga; später ist Amaut Daniel bekannt dafür); in 
ihnen allein geht der Dichter von der Betrachtung der Jahreszeit 
aus, und femer fehlt ihnen die sonst von Peire so gern verwandte 
Eigenthümlichkeit der kurzen Wechselrede. Haben wir in diesen 
Besonderheiten auch keinen Beweis, dass die Lieder nicht an Er- 
mengarde gerichtet sind, so machen sie doch in gewissem Grade 
wahrscheinlich, dass dieselben einer Periode für sich in Peire's 
Dichten angehören. 

Die HoffiQung aus den anderen Liedern die Geschichte der 
Liebe des Sängers zu seinem Tort-n'avetz zu erschliessen muss ge- 
ring sein. Die Wechselfalle eines gewiss jahrelang währenden 
Frauendienstes sind als so mannigfach zu vermuthen, dass Leid 
nach Freud und Freud nach Leid sich im Liede aussprechen kann. 
Zudem entstammen Peire's Lieder fast alle gleichem Anlass, dem 
Femsein von der Geliebten ; der Zweifel ob er ihre Liebe erringen 
wird, der Kampf von Hoffen und Entsagen, die Gewissheit durch 
das Lieben selbst beseligt zu sein, die deniüthige Ergebung in den 
Willen der Dame sind die wiederkehrenden Themata. 

Im Gedicht Per far esbaudir ttios vezis ist seine Liebe noch 
ganz Demuth. Er verlangt nicht mehr als ihr Lächeln und ihren 
Scherz; hat er nicht genug, wenn er sie sieht? heimlich und still 
und verborgen will er sie lieben, nimmer ziemt sich's, dass sie 
davon erfahre. Freilich heisst er in der zweiten Tomada selbst das 
Lied seinem Tort-n'avetz überbringen, wir müssen also annehmen, 
dass damals auch Ermengarde noch nicht wusste, wer mit dem 
Verstecknamen gemeint sei, Dass aber das Incognito nicht zu 



8 

streng sein sollte, geht aus dessen enger Verbindung mit dem 
Namen Aymeric's hervor (s. p. 12). 

Unter den anderen Liedern darf man auf Grund der ähnlichen 
Form zeitlichen Zusammenhang der Lieder Non sai don chanty e 
chantars plagra'm fort und Tant ai mon cor en ioy assis ver- 
muthen. Die Reimfolge in beiden ist ganz entsprechend. Im Vers- 
mass dagegen drückt sich die Verschiedenheit der Stimmung aus. 
Jenes ist im zehnsylbigen Vers, dem der provenzalischen Klage- 
lieder, verfasst, und in der That ist seine Grundstimmung die des 
Verzagens. Nur allmälig ringt sich der Dichter aus ihr empor zum 
Bewusstsein der befreienden Kraft seiner Liebe. Das andere aber 
athmet Freude; wohl wechselt Liebe zwischen Lust und Schmerz, 
aber ihr Leid ist Lust, ihr Schaden Gewinn, alles wendet sich zum 
Frohen, das üebel schwindet, das Gute bleibt. Die letzte Strophe 
deutet auf etwas, was er vor der Welt verbergen muss. 

Im Liede Entr^ ir^e ioy rrCan si devis spricht er aus, dass auch 
die Geliebte ihm die Versicherung ihrer Liebe gegeben hat; von 
ihr kam deshalb Freude, Lust und Lachen, und wenn er auch jetzt 
in der Ferne um sie weinen muss, Herzen, die im Einverständniss 
sind, kann Niemand trennen; sein Lied soll der Dame ein Trost 
sein, bis sie einander wiedersehen *). 

Wenn der Biograph nun fortfährt: y, Lange Zeit weilte er bei ihr 
am JSofy und man glaubte, dass er Liebesgunst von ihr erführe, 
weshalb sie von den Leuten getadelt ward, und sie gab ihm den 
Abschied und sandte ihn fort von sich. Und er ging zum Herrn 

^) Ich habe die Lieder aufgezählt wie man sie sich der Zeit nach ent- 
standen d^iken könnte, wobei ich freilich verzichten musste, dem 6. eine 
Stellung zu geben. Sehr bemerkenswerth ist, dass in dieser Reihenfolge die 
Lieder in die zusammengehörigen Hdss. JK eingetragen sind. Der Versuch 
einer systematischen Anordnung ist dort ganz unverkennbar. Einen Platz für 
sich hat No. 8 mit der dazugehörigen Antwort Raimbaut's erhalten; von den 
Canzonen aber sind die nicht an Tort-n'avetz gerichteten vorangestellt, die 
anderen folgen in der auch von mir angenommenen Ordnung. Gleiche Folge 
scheint in Hds. D beabsichtigt gewesen, doch ist sie in sofern missglückt, als 
3, 4, 5 zuerst ausgelassen waren und dann an besonderer Stelle nachgetragen 
wurden, so dass hier 1, 2, 6, 7 dann 8, 8A und endlich 3, 4, 5 bei einander 
stehen. Alle anderen Hdss. weichen auch unter sich in der Anordnung ab. 
8 und 8A freilich stehen auch in ACE zusammen, in C auch 1, 2; 4, 3, 6, 5 
sind in C ebenfalls nebeneinander gesetzt, doch in dieser Reihenfolge; immer- 
hin darf man in C vielleicht noch Spuren gleicher Ordnung wie in JK sehen. 



iL 



Raimbaut von Orange^, so ist nach dem Inhalt von Peire's letzt- 
genanntem Liede nicht miwahrscheinlich, dass er den richtigen 
Grund für die Entfernung von Ermengarde's Hof angegeben habe, 
aber — wir haben die Stelle schon besprochen — das Lied an 
Raimbaut sagt uns nichts davon. 

Keine Veranlassung zu bezweifeln haben wir, was weiter von 
Peire's Schicksalen erzählt wird: y^Er blieb lange Zeit bei Herrn 
Raimbaut von Orange, und dann schied er und ging nach Spanien 
zum guten König Alfons von Aragon; und darauf weilte er beim guten 
Grafen Raim^n von Toulouse so lange er wollte und es ihm geßeL^ 

Eine Handschrift (R) lässt ihn sogar nicht nur nach Aragon 
gehen, sondern auch zum König Alfons von Castilien (1158 — 1214), 
eine Angabe die an sich nicht unwahrscheinlich ist, die aber zu 
ungenügend bezeugt wird. Dass Peire von Narbonne ijach Aragon 
ging ist nur natürlich, denn — abgesehen von der Anziehungskraft, 
die dieser spanische Hof auf die Trobadors der Zeit ausübte — 
waren die beiden Höfe durch Freundschafts- und Verwandtschafts- 
bande eng verknüpft. Der Hof Raimon's von Toulouse andrerseits 
war der reichste von Südfrankreich in jener Zeit und daher ein 
Sammelpunkt für die Trobadors. Dort weilte Bemart von Venta- 
dom, Peire Vidal, Folquet von Marselha, Raimon von Miraval, Peire 
Raimon von Toulouse u. a. 

Endlich •erzählt der Biograph: „Er ward sehr geehrt in der 
Welt, so lange er in ihr lebte; dann wurde er Mönch im Orden 
von Granmon und da starb er.^ 

So kehrte Peire Regier zum geistlichen Stand zurück, den er 
einst mit dem des Sängers vertauscht hatte, wie uns auch von 
manchem anderen Trobador erzählt wird, dass er in späteren Jahren 
ins Kloster trat, von Peire d'Alvemhe und Bernart von Ventadom; 
Cisterzienser wurden Bertran de Born, Perdigo und Folquet von 
Marseille, der spätere Bischof von Toulouse; üc Brunet wurde 
Carthäuser und Guillem Ademar folgte unserm Dichter in den Orden 
von Grandmont. Dieser Orden war jener Zeit einer der blühendsten 
in Südfrankreich, obwohl sein Stifter Stephanus von Tigernum erst 
1124 gestorben war. Er wurde auf die sehr strengen Vorschriften 
der calabresischen Mönche gegründet, und dass die Brüder in der 
That im Ruf grosser Demuth standen, geht aus einer Stelle Gaucelm 
Faidit's hervor: 



10 



Vas midons suy de franc mber, 
plus humils c*u8 frairs de Granmon, 
et ylh nCes d'orgulhos parer 
si que can la prec no'in respon, 

(S'om poguea partrr so voler.) 



n. 

Haben wir so das wenige zusammengestellt, was über Peire 
Rogier's Lebensschicksale berichtet wird, so ist noch unsere Auf- 
gabe die Zeit seines Wirkens festzustellen. Auch hierfür fliessen 
die Quellen spärlich. 

1) Peire's d'Alvemhe Schmählied stellt unseren Dichter zu den 
Trobadors der ersten Zeit. Aber welchem Jahr gehört dies Lied 
selbst an? Suchier (Jahrb. XIV, 121) bildet sich auf sehr un- 
sicherer Grundlage das Datum ca. 1180. Die Wirkungszeit der 
aufgezählten, uns bekannten Sänger ist meist nur in weiten Grenzen 
zu bestimmen. Ein Herr mit dem Namen Bertran de Cardalhac, 
der in der 9. Strophe genannt wird, ist aus der Geschichte vom 
Jahre 1176 bekannt (Vaiss. EI, p. 40). Von Wichtigkeit kann die 
Erwähnung des „Herrn" Raimbaut in der 10. Strophe sein. Wir 
kennen freilich mehrere Sänger Raimbaut, doch gerade dass Peire 
d'Alvernhe diesem einen weiteren Namen beizufügen unnöthig fand, 
scheint auf einen allbekannten Dichter hinzuweisen. Dann kommen 
nur zwei Namen in Betracht: Raimbaut von Vaqueiras und der 
von Orange. Der Ruhm des ersten gehört erst dem Schluss des 
Jahrhunderts an, so scheint Raimbaut von Aurenga gemeint zu 
sein, und das, was hier vom Dichterhochmuth des fraglichen gesagt 
ist, empfinge in der That sehr vielfache treffende Illustration aus 
Raimbaut's von Orange Liedern (am bezeichnendsten in seinem 
15. Gedicht Str. 5). Ist er aber hier gemeint, dann ist Peire's Ge- 
dicht vor 1173, Raimbaut's Todesjahre verfasst. Dass unser Dichter 
dieses Raimbaut Zeitgenosse war, ist schon bekannt^). 

Unerwähnt lassen will ich nicht, dass CR, also zwei Handschriften, 
welche eine %^t beachtenswerthe Gruppe zu bilden pflegen, im 3. Vers der auf 
Peire Regier bezüglichen Strophe ehantet gegen chanta der anderen Hdss. lesen. 
Sonst stehen überall Praesentia, Versuchung zur Einführung eines Praeteritums 
lag also nicht vor, eher umgekehrt. Ein Praeter! tum konnte zweierlei Veran- 
lassung haben, entweder hatte Peire Regier schon aufgehört von Minne zu 



k 



11 

2) Die Regierungszeiten der in der Biographie genannten 
Fürsten. 

Des Trobadors Gönnerin Ermengarde regierte Narbonne 1143 
bis 1192. Aus ihrem Alter wird, wer die Zeit kennt, nicht auf 
die Epoche ihres Verhältnisses mit Peire Regier schliessen wollen, 
üeberdies wäre dasselbe schwer zu bestimmen. Ermengarde war 
Tochter Aymeric's II., der als Alfons' I. von Aragon Verbündeter 
1134 in der Schlacht von Fraga gegen die Mauren fiel. Aymeric 
war zweimal verheirathet. Dem Namen nach zu schliessen war 
Ermengarde Tochter der gleichgenannten ersten Gattin, mit welcher 
er seit mindestens 1114 und noch 1126, nicht mehr aber 1130 
vermählt war, denn in diesem Jahre nennt eine Urkunde Ermessinde 
als seine Gattin. Mithin ist Ermengarde's Geburt zwischen 1114 
und 1129 zu setzen und da sie sich 1142 vermählte, vielleicht in 
den Anfang des dritten Jahrzehnts. 

Unter Alfons von Aragon haben wir den zweiten zu verstehen, 
der li62 — 1196 regierte, Raymond I. von Toulouse herrschte 1148 
bis 1194. 

3) Nur zwei von Peire's Liedern lassen nähere Datirung zu. 
Das eine ist das mehrerwähnte an Raimbaut d'Aurenga, welches 
vor 1173 entstanden sein muss (s. p. 10, Raimbaut 1150—1173). 
Das andere. No. 3 erwä-hnt in seiner Tornada eines Aimeric lo tos. 
Mit ihm wird Niemand als Ermengarde's Neflfe, ihrer Schwestör 
Ermessinde Sohn, gemeint sein. 

Wie Ermengarde empfing Ermessinde den Namen von der 
Mutter, Aymeric's zweiter Gemahlin; ihr Geburtsjahr liegt also 
zwischen 1126 und 1134. Sie heirathete Don Manrique de Lara, 
einen der mächtigsten Granden Castiliens, und zwar erscheint sie 
zum ersten Male in einer Urkunde des Jahres 1151 als dessen 
Gemahlin^). Der Ehe entstammten zuerst als Söhne Aimeric und 



singen, doch wäre dann der Tadel gegenstandslos gewesen, oder Peire d^Alvemhe 
bezog sich auf ein gewisses, kürzlich erst gehörtes Lied. Was die Tomada von 
der Entstehung des Schmähgedichtes berichtet, wäre dem nicht ungünstig, und 
der Umstand würde Peire Rogier's Stellung als erster in der Reihe der Ge- 
schmähten erklären. Doch ist der Grund zu schwankend, auch nur Wahrschein- 
lichkeiten darauf zu bauen. 

1) Sälazar: historia genealogica de la casa de Lara. Madrid 1694. I, prue- 
bas p. 9. Das Jahr wird nicht genannt, die Angabe aber, dass die 11. Calenden 
des Mai auf Mittwoch fielen, weist uns auf 1151. 



12 

Pedro *). Als Ermengarde sich ohne Erben sah, beschloss sie ihren 
Neflfen Aimeric zum Nachfolger zu machen; von 1167 an sehen 
wir ihn in den Urkunden neben ihr, doch vorläufig noch ohne 
anderen Titel als den eines Neflfen der Fürstin, und so wird er bis 
1176 bezeichnet; von Januar 1177 an begegnet er als Aimeric von 
Narbonne '). Aber in dasselbe Jahr fallt auch der Tod des jungen 
Prinzen. Mithin kann dieses Lied nicht später als 1177 gedichtet 
sein; in welchem Jahr frühestens ist schwer zu sagen, denn wir 
wissen nicht, ob Aimeric nicht schon vor 1167 in Narbonne ge- 
wesen ist. Die ausdrückliche Bezeichnung lo tos „der junge", wie 
die Ermahnung scheinen auf grosse Jugend des Prinzen zu deuten. 
Das Jahr seiner Geburt ist uns nicht überliefert, da aber die nur 
kurze Ehe der Eltern (Manrique starb 1164) reich an Kindern war, 
dürfen wir die Geburt Aimeric's als des ältesteu in den Anfang der 
fünfziger Jahre legen. 

Dies die einzigen Anhaltspunkte Peire Rogier's Zeit zu be- 
stimmen. Der Gewinn daraus ist nur die Gewissheit, dass der 
Dichter dem dritten Viertel des zwölften Jahrhunderts und so der 
glänzendsten Zeit provenzalischer Poesie angehört. 



m. 

Bei der Werthschätzung provenzalischer Gedichte ist eins vor 
allem nicht zu vergessen: dass wir in ihnen nur die Hälfte eines 
Kunstwerks haben. Dem Provenzalen wie heut noch allerwärts 
dem Volke erschien Dichtung und Gesang als ein zusammenge- 
höriges Ganzes. Erst ein näheres Kennenlernen ihrer Musik wird 
uns alle Verdienste der Trobadors zeigen; jedenfalls haben sie das, 
die Melodie aus dem Volke gehoben und sie zum ersten Mal im 
neuen Abendland zum Gegenstand künstlerischen Strebens gemacht 
zu haben. „In ihre Gesänge flüchtete sich der Wohlklang der 
Melodie in einer Zeit, wo die übrige Musik in den Händen der 
Scholastik ein abschreckendes Aussehen erhielt, und sie hegten und 
pflegten die Freude an Gesang und Wohlklang bis die Zeiten kamen. 



^) Salazar 1. c. p. 132 nimmt Pedro als den älteren, gewiss aber ist Vaissette 
im Recht Aimeric für den erstgeborenen zu halten (III, 544). 
^ Vaiss. III, 543, gegen Salazar I, pruebas 14. 



13 

wo auch die höhere Eunstmusik die Mönchskutte auszuziehen an- 
fing« 0- 

Noch bei Dante finden wir die stete Rücksichtnahme auf den 

Gesang'); damals aber war Dichtung von Wort und Ton schon 
verschiedenen Künstlern übergeben ; ihre engste Verbindung bei den 
Provenzalen ist das Zeichen jugendlicher Kunst. Freilich trat eine 
Trennung auch schon bei den Provenzalen ein; mit Rücksicht auf 
den Inhalt der Dichtung liehen sie der Musik bald grösseren, bald 
geringeren Werth. Die kunstreiche Form des Liebesliedes setzt 
reiche musikalische Gestaltung voraus. Das realistische Sirventes 
dagegen durfte ganz auf musikalische Erfindung verzichten. Auch 
lassen die meist einfachen, nicht immer originellen Formen der 
Tenzonen mindere Rücksicht auf Melodie vermuthen. 

Die enge Verbindung von Wort und Ton musste der proven- 
zalischen Dichtung eigene Züge aufprägen. Die Nothwendigkeit 
origineller Gedankenentfaltung trat zurück, ja diese hätte die Auf- 
merksamkeit zu sehr von der Musik abgezogen; an wenigen Ideen 
fand die Musik reichen Stoff; es sind dieselben die heut noch immer 
nicht erschöpft sind. So entschuldigt sich eine nicht zu leugnende 
Gedankenarmuth. Von der Musik in der Welt der Gefühle zurück- 
gehalten wurde die provenzalische Lyrik um so weniger versucht 
auf das Gebiet der erzählenden Dichtung überzugreifen; es ist auf- 
fallend wie selten wir in provenzalischen Gedichten einem Ereigniss 
begegnen. 

So ist der Massstab, den man an Trobadorpoesien zu legen 
hat, verschieden von dem für modernere Literaturen gültigen. 

Abgesehen von diesen allgemeinen Zügen berührt uns am be- 
fremdendsten in Peire's Gedichten das Spiel der Wechselrede in 
kurzen Sätzen, für das er eigene Vorliebe beweist. Den Proven- 
zalen war dies Spiel nicht in gleichem Masse auffällig wie uns, 
denn seine Verwendung ist bei den vorzüglichsten Trobadors nicht 
selten. Bemart von Ventadorn hat die Wechselrede im 17. Liede, 
Guiraut von Bomelh in 3, 43, 66; Peirol ist ihr in besonderem 
Masse zugethan. Die Gedichte 2, 3, 8, 19, 20, 21 enthalten alle 



^) Ambros Gesch. der Musik * II, p. 216. 

^ De vulg. eloq. II, 4: si poesim recte consideremus ; quae nihil aliud esj;, 
quam fictio rhetorica, in musicaque posita. 

Appel, Peire Uogier. 2 




14 

längere oder kürzere solche Stellen. Wir finden sie bei üc de St. 
Circ, Elias Cairel, Lamberti de Bonanel, Amaut Plagues u. s. w. *). 
Bemerkenswert!! ist, dass Peire Rogier nie wie der letztge- 
nannte Trobador und wie auch Guiraut von Bomelh in Ailas cum 
mtier und in S'ara no pqja mos chans die Wechselrede durch alle 
Strophen geführt hat, sondern wie Bemart von Ventadom sie nur 
gelegentlich, steigernd eintreten lässt'), und mit Recht; was- in ge- 
ringerer Ausdehnung lebhaft wirken konnte, musste in so breiter 
Ausführung ermüden. 

Im dritten Liede bei Peire ist die Manier nur in einzelnen 
eingestreuten Fragen angedeutet, am meisten tritt sie im 4. und 
6. Liede hervor. Dass sie in 1 und 2 ganz fehlt, ist oben schon 
erwähnt (p. 7). 

Die Wechselrede dient dem Dichter meist die widerstreitenden 
Empfindungen des eigenen Innern darzustellen. Dass sie als Selbst- 
gespräch gemeint ist, ist dort klar, wo hin und her die erste Per- 
son des Verb zur Anwendung kommt, wie im 7. Liede: 

Sehr lieb ich sie, die mich gewaim. — 
Und sie liebt mich? — Sie sagt jawohl. — 
Ob ich dem Worte trauen soll? — 
Gewiss, wenn nur die That entspricht. 
Und sie, was sie versprach, nicht bricht, 
So dass ich mehr als jetzt besitz'. 
Anders ist es z. B. im 6. Liede: 

weh! — was klagst? — ich furcht' den Tod^). — 
Was ist's? — ich lieb'. — zu sehr? — so dass 
Ich sterb'. — du stirbst? — ja. — findst kein Heil? — 
Nein. — wie das? — so gross ist mein Gram. — 

Dass die Manier auch in die höfische Epik Nordfrankreichs eingedrungen 
ist, ist bekannt. Man sehe den Chevalier au lyon v. 1430—1508, 5997—6097; 
Ygl. Holland in der Germania I, 241. 

^ Im vierten Liede beginnt die Wechselrede schon in der ersten Strophe, 
bewegt sich aber zunächst in langen Sätzen; erst allmälig, der grosseren Er- 
regung folgend, kürzt sich auf beiden Seiten die Rede. Es kommt hier ein 
recht lebendiges, nicht unglückliches Bild des Schwankens zwischen Furcht und 
Hoffnung zur Darstellung, und da der Dichter sich dann in einer schwungvollen, 
Strophe über die Zweifel zu froher Gewissheit emporhebt, findet eine gelungene 
Steigerung von der beklommenen Stimmung des Anfangs zur Freude hin statt. 

') Die Aehnlichkeit dieser Stelle mit der Verständigung der Liebenden in 
der Flamenca ist auffallend: Ailas I — gue plansf — mor mi. — de guef — 
d*amor etc. 



15 

Woher? — von ihr, um die ich sorg'. — 
Geduld! — was hilft's? — erbitte Gnad\ — 
Ich thu's. — umsonst? — ja. — klage nicht, 
Kommt Leid dir. — nicht? — kommt's doch von ihr! 

Rath hab ich. — wie? — ich lasse sie. — 

Thu's nicht. — doch, ja. — du suchst dir Pein. — 

Was thun? — Willst ihrer froh du sein? — 

Wie gern! — folg mir. — nun, also sprich. — 

Voll Demuth sei und Trefflichkeit. — 

Schafft Leid sie mir? — ertrag's. — ich muss?*) — 

Ja, wenn du liebst; doch folgst du mir. 

Fällt Liebesglück dir zu von ihr. 

Hier stehen sich, scheinbar wenigstens, zwei Redende gegen- 
über, denn dass wir auch hier noch nicht gezwungen sind von der 
Annahme eines Selbstgesprächs abzugehen, zeigen uns deutlicher 
als die in der Lyrik, die in der erzählenden Dichtung vorkommen- 
den Fälle. (Zur Erklärung der seltsamen Art muss man vielleicht 
auf die grössere Lebhaftigkeit des südlichen Geistes Rücksicht 
nehmen, dem der bewegte Kampf widerstrebender Elemente des 
eigenen Innern dialogischer Behandlung weniger unzugänglich 
scheinen mag.) Man sehe die Selbstgespräche in der Flamenca: 
V. 1277 flf. Archimbaut, in Eifersuchtsraserei, sinnt nach, wie er 
mit seinem Weib verfahren soll: Aurm sui et estrac; Anc mais 
Jiom tal moUier non hoc! E tu dizes que ges non saps Con la 
tenguas ni en cah capsf — Non sapsf — si fas, — e quo? — 
bat la! — E'l batres que m'enanzaraf — Deu! er en plus douza 
e meillers, — Ans nW plus amara e piegers. 

Oder V. 4014, wo Guill^m, zwischen Liebes-hoflfen und -bangen 
lange schwankend, endlich ausruft: Lasset, caitiu! que donc (f) 
faraif Ni quäl consseill arapenraif^) — Non sai, — qui doncf — 
amors, — qice't^) ual, Qy^Hl non s^entremet d^autrui malf — Tort 
/las. — per quef — s^ fai. — cossif — Deu! fez tiparlar hui ab 



^bin ich (denn) gefangen?^ s. Anmerkung zum Text. 

'0 Auffallender als die in obiger Anmerkung erwähnte Aehnlichkeit ist 
hier die mit einer Stelle Bemart's von Ventadom: Aüas caitiu! e que farai Ni 
cal conseil tenrai de tne (En consirier et en esmai). 

*) Für que't ist que'm zu vermuthen. Der Vers ist bei P. Meyer unzerlegt 
geblieben. 

2' 



16 

si, — Vers es, ab ma dona parlieiy Mas quäl pro i hat, ni qvüe- 
nancieif — Tu si fesist etc. 

In beiden Fällen ist die Gegenwart eines Zweiten ausge- 
schlossen; so also kann man auch die Strophen des 6. Liedes er- 
klären. Vielleicht aber haben wir auch hier anzunehmen, was im 
5. Liede sicher der Fall ist, dass der Dichter sich in der That eine 
andere Person als Widerpart gedacht hat, wie wir es auch z. B. 
bei Guiraut de Bomelh in Atlas com muer finden. 

Peire Regier war unter den frühesten Trobadors, welche die 
Manier der Wechselrede verwandten. Ob er der erste gewesen ist, 
wird sich schwer feststellen lassen, denn wir sahen, dass auch Ber- 
nart von Ventadom und Guiraut von Bornelh sich ihrer bedienten ; 
es gälte die Datirung der einzelnen Lieder zu treffen, und dazu 
scheint unser Material nicht hinreichend. Kaum aber findet sich 
neben Peire ein anderer mit gleicher Vorliebe für sie. 

Die leys d'amors sprechen auch von dieser Eigenthümlichkeit 
(I, 322), und zwar bezeichnen sie eine Strophe, in welcher sie sich 
findet, als cobla tensonada, en antra maniera dicha enterrogativa. 
Die sechs Beispiele, welche sie dazu geben, zeigen, dass sie besser ge- 
than hätten beide Arten getrennt aufzuführen. Die vier ersten Coblen 
kann man nur als enterrogativas bezeichnen, es treten gar nicht zwei 
Stimmen in ihnen hervor. Das fünfte Beispiel gehört nicht dorthin, 
erst das sechste entspricht dem bei Peire Regier vorkommenden: 

Halasl — ques hast — greu mal, — e quaU — 

Fervor, — damorf — o yeu, — cor alt — 

he, — de mef — de te, — perqtief — 

Quar pro8^ joyos tos cors e hos 

Es^ belSy ysnels^) e gracios, — . 

Peccat malvat has contra Dieu 

Pessatj que dat €a lo nom sieu, — 

Vers es, mos ges als non puesc far, 

Quar pres ses bes me fas estar^). 

• 

•*) Gatien- Amoult : ys uels, 

^ Von den Strophen, welche die leys noch mit grösserem Recht als tenzo- 
nadas hätten bezeichnen können, jenen fingirten Tenzonen mit vers weise ein- 
tretendem Wechsel der Rede, wie Domna^ . a vos me coman von Albert (aber im 
Gr. unter No. 15, nicht 16 aufzuzählen) oder Domna^ per vos estauc en gran 
türmen von Aimeric von Pegulhan, geben sie gar kein Beispiel; auch für die 
cohla enterrogativa wäre eine Strophe aus Uc's von St. Circ : Tres enemtcx e dos 
mals senhors ai ein glücklicheres Beispiel gewesen. 



17 

Dass in dem Streit, den Peire in solch dialogischer Form zu 
schildern liebte, Amors stets der Sieg zufiel, ist selbstverständlich. 
Er verlangt vom Liebenden Unterwerfung unter alles, was ihm von 
der Dame kommt. Am ausführlichsten giebt das 1. Lied seine 
Auffassung der Minne wieder: 

Glaube Kläffern nicht, wer liebt, 
Ja, sieht er auch ein Vergehn 
Seine Freundin sich erlauben. 
Trau er seinen Augen nicht: 
Was sie zu verstehen giebt 
Muss er ohne Schwur ihr glauben 
Und misstrau'n den eignen Blicken. 

Darin hab ich allezeit 
Selbst die Klügsten fehlen sehn, 
Dass sie auf dem Recht beharren, 
Bis dass die Geduld ihr bricht. 
Und die Freude wird zu Leid, 
Und ins Unglück so die Narren 
Unbedachtsam sich verstricken. 

Diese Weisheit ist mein Heil 

Und mein Wunsch muss stets geschehn: 

Denn schlägt sie auch ganz mich nieder. 

Schweig ich doch, wo jeder spricht; 

Wird ein Weh mir auch zu Theil, 

Duld' ichs stille, bis sie wieder 

Mich mit Freuden will erquicken. 

(Diez' Uebersetzung.) 

Hier zeigt sich zugleich die schon von Diez an unserem Dichter 
hervorgehobene Neigung zum didaktischen Ton, welche man 2,37-45, 
50—54,59—63; 4,4—7,10—14; 5,8,35; 7,32,33; 8,15—42 wiederfinden wird. 
Der poetische Werth gewinnt nicht durch solche Einschiebungen, aber 
es ist ein den Trobadors gemeinsamer Zug, das, was sie thun und 
sagen, bald durch allgemeine Betrachtungen, bald durch Bezugnahme 
auf Volksweisheit, auf Sagen, auf die Schrift rechtfertigen zu wollen. 
Die Weltanschauung, die wir an Peire kennen lernen, ist die 
seiner Zeit, frohlebig und „leichten Sinnes", denn: 8,29 

Seid nicht von zuviel Sinn ein Mann, 

So dass man sag', er ist zu klug, 

Denn dort, wo Klugheit nicht genug. 

Ist's Thorheit oft, die helfen kann. 




18 

Ist euer Haar noch nicht gebleicht, 
Sind noch die Glieder frisch und leicht, 
Bringt zuviel Sinn nicht Ehr noch Gut. 

Dem Uebel darf man nicht nachgeben: 4,4 „Dann zeigt sich, 

dass der Mensch verständig ist, weiss er sein Leid mit guter Art 

zu tragen." 

„Da alles das was ist zum Tod sich neigt. 
Was schätzest du, was immer man beginnt? — 
Für niedrig hält den Feigen man gesinnt, 
Und da man stets so gut sich halten soll, 
Dass Niemand spottet oder Uebles sagt. 
Mein ich, der Mensch thut Unrecht, der verzagt. 
Wenn er die Welt zu Dienste . haben will.'' 

In der Achtung seiner Zeitgenossen nahm Peire Regier sicher 
keinen unbedeutenden Platz ein. Wir haben gesehen, wie Peire 
d'Alvemhe ihn als ersten, und neben Guiraut von Bornelh und 
Bemart von Ventadorn, gewiss also nicht als untergeordneten 
Dichter nennt. Ein anderes Zeugniss ist uns die Art, wie Raim- 
baut d'Aurenga, der wegen seines Hochmuths bekannte Fürst, das 
Lied des Trobadors beantwortete. 

Matfre Ermengau und Raimon Vidal berufen sich auf unsem 
Dichter um ihre Meinung zu bekräftigen; dieser citirt ihn in der 
Novelle ah*il issi e mays intrava, jener dreimal im breviari d'amor '). 

Und über die Grenzen seines Landes und seiner Zeit wurde 
Peire Regier gekannt. Wenn wir den italienischen Commentatoren 
glauben sollen, will Petrarca selbst ihn im trionfo d'amore er- 
scheinen lassen. Da ihm die Reihen berühmter Liebesdichter vor- 
überziehen, kommen neben denen des Alterthums und Italiens auch 
berühmte Trobadors; an ihrer Spitze Arnaut Daniel, dann 

Eranvi qtiei cNAmor si leve afferra, 

Uun Pietro e VcUtro, e'l mm famoso Arncddo. 

Amaldo ist wohl Arnaut von Marueill ; unter einem Pietro ist, 
da der von Alvemhe noch später erscheint, gewiss Vidal zu ver- 
stehen. Den zweiten aber erklärt Vellutello für Pietro Ruggieri 
d'Arvemia (Gesualdo und Daniello mit seltsamer Entstellung Pietro 
Negieri). Die Bezeichnung bei Petrarca ist zu allgemein um sicher 
auf unseren Peire zu deuten; Vellutello's Ansicht ist aber nicht 



Ueber Peire Vidal s. Anmkg. zu 8,36. 



19 

unwahrscheinlich, denn Regier steht an Ruf unter den Peires obenan ; 
Peire Cardenal war als moralischer, nicht als Liebesdichter ausge- 
zeichnet. 

Auch Bembo erwähnt unsern Trobador; wo er in den Prose 
lib. I von Entlehnungen der Florentiner aus der provenzalischen 
Literatur redet, wie man als von einer solchen von der Sestine 
sprechen kann oder delle altre canzoni, che hanno le rime tutte 
delle medesime voci, si come ha quella di Dante: 

Amor tu vedi ben che questa Donna 
La tiia virtu non cura in alcun tempo, 

II quäl uso insino da Pietro Buggiero incomminciö. 

Das Reimschema der Dante'schen Canzone ist dieses: 

ABAACAADDAEE, 

A ist donnay B tempo, C Itice, D freddoy E pietra. In den Strophen 
wechseln die Reime so, dass der letzte jeder vorhergehenden der 
erste der folgenden Strophe wird, also: 

No. 1 a b c d e 

- 2 e a b c d 

- 3 d e a b c etc. 

Es giebt im Provenzalischen eine Anzahl von Liedern, deren 
Reimwörter wie hier durch alle Strophen bleiben. Darin aber hat 
Dante die Trobadors an Künstlichkeit übertrofFen, dass er auch in 
der einzelnen Strophe sich auf die gleichen Wörter beschränkte. 
Am nächsten steht dem Gedicht Dante's unter allen provenzalischen 
eins von Peire Vidal (Gr. No. 29). Sein Schema ist: 

A^ A' A^ B> A* B' B^ B* C' C^ D> D^ 

Die ersten 8 Verse sind fünfsylbig, die letzten 4 siebensylbig. 
Die Strophen wechseln ihre Reime wie bei Dante: 

abcd, dabc, cdab, bcda. 

Da aber die Reime A und B viermal vorkommen und in derselben 
Strophe jedesmal von einem anderen Worte getragen werden, er- 
halten wir für 5 Reimwörter bei Dante hier deren 16. Erschwert 
dagegen hat sich Peire Vidal die Aufgabe, indem er die Canzone 
den Kreis der Reimwechsel zweimal durchlaufen lässt. 

Andere pro venzalische. Fälle vom Bleiben der Reimwörter durch 
alle Strophen sind folgende: Richart de Berbezilh No. 7: 



20 

A» A»+Bi^ B^ Gl C A» A* 
10 4 6^ 10 10 10 10 10 

Der Reimwechsel in den 5 Strophen ist: 

12345678 
78436521 
21345687 
8743B521 
21345678 
Tornada: 6 5 2 1 

Bartolomeo Zorgi 13: zehnsylbige Verse; 

Str. 1, 3, 5, 7: A* B» B' A^ C* D* D' C 
2, 4, 6: C' D^ D' C A' B' B^ A* 

Guillem Peire de Cazals 3: achtsylbige Verse; 

Str. 1, 3, 5: A B C C B A 
2, 4: C B A A B C 

Guiraut Riquier 58: zehnsylbige weibliche Verse: 

ABCDEFGH ohne Wechsel. 

Raimbaut d'Aurenga 16: 

A B C D E^ E' F^ F^ 

F ist achtsylbig männlich, die andern siebensylbig weiblich. 
Die Reime decken sich insofern nicht vollständig, als die gleichen 
Wörter mit und ohne Flexions-s auftreten*). 

Unter Peire Rogier's Liedern findet sich keins, das diese Eigen- 
thümlichkeit zeigte. Dass sie in so hohe Zeit hinaufreicht, geht 
aus dem letztgenannten Beispiel hervor. Wir müssen dahingestellt 
sein lassen, ob Bembo hier über uns verlorene Hilfsmittel verfügte, 
oder ob seine Angabe ungenau ist. Der eine Werth bleibt der 
Nachricht: das Fortleben von unseres Dichters Namen auch im 
sechszehnten Jahrhundert zu bezeugen. 




Von der Sestine, welche auch zu dieser Gattung gehört, ist der proven- 
zalische Ursprung bekannt. Das Eigenthumsrecht des Trobadors an der er- 
fundenen Form verhinderte sie aber im Provenzalischen zur Dichtungsgattung 
zu werden, wie sie es im Italienischen wurde. Wir haben dort ausser Arnaut 
Daniel's Sestine nur deren bekannte Nachahmungen von Bartolomeo Zorgi und 
Guillem de Saint-Gregori. 



21 



IV. 



Die Verse, deren sich Peire Rogier bediente, sind von sehr 
verschiedener Länge: 



4s 


ylbige 


männliche 


in 






3 




5 


- 


weibliche 


- 






2 




6 


- 


- 


- 






2 




7 


- 


männliche 


- 




1, 


2, (9) 




7 


- 


weibliche 


- 






1 




8 


- 


männliche 


- 


2, 


3, 


5, 6, 7, 


8 





— 


• 


_ 






4 





Von diesen Versarten findet sich der grössere Theil schon 
beim ältesten Trobador Wilhelm von Poitiers^), nm* der fünf- und 
zehnsylbige nicht; dagegen gebraucht den Fünfsylbner schon Mar- 
cabrun. Er bleibt in der späteren Lyrik ein seltener Vers, nur 
einige Dichter, wie Guiraut de Bornelh, Gaucelm Faidit, Cardenal 
und Guirau.t d'Espanha verwenden ihn häufiger. Anders der zehn- 
sylbige männliche, der sehr bald einer der beliebtesten Verse wird. 
Bei Wilhelm von Poitiers, Jaufre Eudel, Cercamon, Marcabru findet 
er sich noch garnicht. Zuerst bei Bemart von Ventadom und zwar 
in fünf Gedichten ; es ist aber zu bemerken, dass er strophenbildend 
bei ihm nur dann auftritt, wenn das Gedicht Belh Monruelh von 
ihm herrührt. Bei Raimbaut d'Aurenga und Peire d'Alvernhe steht 
er vereinzelt in je einem Gedicht. 

Noch entschiedener als in späterer Zeit hat in der frühesten 
der achtsylbige männliche Vers das Uebergewicht über alle anderen. 
Sehr häufig ist bei Wilhelm und bei Marcabru die auch von Peire 
verwandte Bindung des achtsylbigen mit dem viersylbigen Verse ^). 

Der zehnsylbige Vers hat auch bei Peire Rogier in der Regel 
Cäsur nach der vierten betonten Sylbe, lyrische Cäsur findet sich 
aber in 4,49. 



*) Es ist ein Versehen von Suchier, wenn er Jahrb. XIV, p. 290, 291 sagt, 
dass der männliche Siebensylbner bei Wilhelm nicht vorkomme, er ist in Farai 
chansoneta nova, 

2) Unter des ersten 12 Liedern findet sie sich viermal, bei Marcabru fünf- 
mal. Sie scheint schnell an Beliebtheit verloren zu haben (doch wendet sie 
Giüraut von Bornelh gern an). 



22 

Ueber den Hiatus geben die leys I, 22 fF. ausführliche Regeln. 
Sie verbieten ihn zwischen Vokal und Vokal, und zwischen Diph- 
thong und Diphthong. Aber die Poetiker des vierzehnten Jahr- 
hunderts sind bereit dem Belieben grossen Spielraum zu lassen: 
„Alle diese Fehler von Vokal vor Vokal und die anderen obge- 
nannten halten wir für ganz entschuldigt, wenn man sie begeht um 
ein gutes Wort nicht zu unterdrücken — denn man soll die Frucht 
lieber haben als die Schale — , oder wenn man sich auf andere 
Weise nicht richtig oder nicht so gut und schön ausdrücken kann** 
(I, 28). Ferner nehmen sie die für die Rede nöthigsten, vokalisch 
und diphthongisch auslautenden Wörter von der Regel aus, wie quiy 
siy niy no. So wird von der Regel dem häufigen Gebrauch zu 
Liebe auch der starke Hiatus ieu ai ausgenommen. 

Der Unsicherheit der leys d'amors entspricht der Gebrauch 
bei den Trobadors. Bei Peire Regier finden sich Hiate in grosser 
Zahl. Solche zwischen zwei Vokalen sind an den folgenden 
Stellen: 

a:e 4,i3; a:o 7,3?; a:u 2,35. 

e : a 2,4?; 6,42; e : e 7,28. 

i : a 2,9; i : e 8,35; 4,12; i : 4,52; 5,2*; i : u 2,46. 

: a (9,4). 

u : 6,55. 

Elidirbar sind die auslautenden Vokale bei 2,35; 7,28. Die 
von den leys nicht verbotenen Hiate zwischen Diphthong und Vokal 
unterlasse ich aufzuzählen. Die Fälle von Hiatus zwischen Diphthong 
und Diphthong gehören meist zu denen, die durch Nothwendigkeit 
des Gebrauchs entschuldigt werden. So das oben erwähnte ieu ay 
5,27, in der ümkehrung ay ieu 8,20, mi ieu 2,32, suy ieu 1,29; 8,17, 
23; 7,7. Schlimmer ist sui aissos 4,45. 

Von Kunstmitteln innerhalb des Verses wendet Peire Regier 
hin und wieder Alliteration an. Die Vorliebe für stabreimende 
Verbindungen finden wir seit den ältesten Trobadors. Wilhelm von 
Poitiers sagt: bon e belh (12), de joi e de joven (8), fer ni ftist 
(12), per aur ni per argen (8), en pueg en pla (7), qae'm plassa 
ni que'm pes (7), lo joy jauzir (11). Die Mehrzahl der bei den 
Trobadors vorkommenden Verbindungen sind so naheliegend und 
so häufig, dass sie nicht als Eigenthum eines Dichters, sondern als 



23 

das der Sprache oder wenigstens des gehobenen Styls anzuerkennen 
sind. Bei Peire Eogier gehören dahin etwa folgeirde: cug ni cre 

4.21, sen € saher 8, s , condugz ni dos 8, 2 *), foUis-fätz l^xi ; 8,37, cubertz 
e quetz 3,28, meinhs may 8,13, hrny fai que platz, deman que pes 
5,32, mal mortal 2,i7, paiLcs plagz 1,26, no sap sal 2,36, patic pren 

5.22, pensa petit 2,i6, so say 5,4i, pauc pres 7,29, ah mal los malsj 
ab ben los bos 8,42, ab los pros uai pretz enan 5,io, sapchatz ab 
los sauis 8,38, vnai que mm 3,56, lai ab lieys 3,9. 

Doch begnügten sich die Trobadors nicht mit diesen meist 
einfachen Verbindungen; die Klangwirkung wurde auf weitere 
Strecken ausgedehnt, auch blieb der Gleichklang nicht auf den 
Anlaut beschränkt, auch an anderen Stellen des Wortes war er ge- 
eignet die beabsichtigte Wirkung zu verstärken. Diese Eigenthüm- 
lichkeit, welche, der Alliteration nahestehend, über deren Wesen 
hinausgeht, ist bei den Provenzalen sehr verbreitet. Peire Regier 
hält sich ihr ziemlich fem. Ein Fall davon mag sein: toi te d'aissOy 
ia l^er tot a mmir 4,20 noch zweifelhafter ist 1,29; 3,9; 4,29, 30; 5,36, 
wie man denn bei den Trobadors überhaupt oft zweifeln kann, ob 
an einer Stelle bewusstes Hervorrufen der Klangwirkung stattfand 
oder nicht. Jedenfalls absichtlich ist in 7,25, 26 die Gegenüber- 
stellung der vom Sprachgebrauch gelieferten alliterirenden Verbin- 
dungen ioyy ioc: planh, plor. 

Ein anderes Streben geht auf Zusammenstellung reimender und 
assonirender Wörter innerhalb des Verses. Auch hier werden viele 
Verbindungen von der Sprache fertig geliefert: sai e lai 5,26; 8,26, 
tan ni quan 5,i7. Gran afan 5,3o ist sehr häufig bei den Troba- 
dors, seltener rir e bordir 4,19; 7,3. Gewisse Wirkung wird auch 
schon durch ähnlichen Klang des vokalischen Elements erzeugt: 
creys e nays 1,4, v£y sai 3,ii, lai ab lieys creys ioys 3,9, mais de 
lieys 4,48. 

Von dem schon bei Marcabrun vorkommenden, besonders aber 
dann von Raimbaut d'Aurenga gepflegten Suchen nach schweren 



Bei Anwendung von Alliteration ist natürliches Gesetz, dass tonlose 
Präfixe übersprungen werden. Anlaute tonloser erster Stammessylben sind 
weniger ungeeignet den Stabreim zu tragen, da ihr Bedeutungsgehalt die Klang- 
wirkung stützt. Wie condugz ni dos: ahras e bais 9,5, plagna-part-compapna 
9,13, 14, afan m fat/s (G. V. Bomelh 73,5 W. I, 205), los deiragz eis ixunitz (ib. 6, ^ 
W. I, 211), es^xoar los pro« (ib. 6,ii W. I, 212) u. oft, 



24 

Reimen hält sich Peire Regier frei, wie sich denn von all den 
üblichen Reimspielereien der Trobadorkunst bei ihm nur der „ver- 
wandte Reim" findet, wenn nicht im ersten Liede das Zusammen- 
treffen der Reime uelh und udha sogar ein zufälliges ist. 

Als verwandte Reimendungen möchte ich solche bezeichnet 
haben, deren betontes Element gleich ist, von denen aber eine 
durch eine angehängte tonlose Endung erweitert ist, so dass die 
verwandten Reime eine die grammatischen oder rlms derivatius 
(die nach den Beispielen der leys von Wörtern gleichen Stammes 
getragen werden sollen) mitumfassende grössere Gattung bildeten. 

Die üblichste Erweiterung ist die durch -a; doch muss die Er- 
weiterung nicht stets sylbenbildend sein. Im 16. Liede Raimbaut's 
von Orange haben dieselben (hier übrigens nur weiblichen) Reim- 
wörter bald Nominativ-, bald Obliquus-form. Dasselbe Gedicht zeigt 
uns grammatische weibliche Reime derart, dass der gleichen Stamm- 
sylbe einmal tonloses a, das anderemal tonloses e folgt. 

Der verwandte Reim findet sich schon bei Cercamon (No. 3), 
sodann bei Marcabrun (No. 30, Str. 5, 6 und 9, 10; No. 11), bei 
Raimbaut d'Aurenga (No. 5; 39), Peire d'Alvemhe (1; 6) etc. 

Durchgeführten grammatischen Reim vermag ich erst bei 
Bemart von Ventadorn und bei Raimbaut d'Aurenga nachzuweisen ^), 
bei diesem im 22. und 26., bei jenem im 7. und 9. Gedicht. Auch 
Beatritz de Dia hat ihn in ihrem ersten Liede. Bei Peire Regier 
findet sich nur in Strophe 5 und 6: utcelh: uuelha, tuelh: ttcelha; 
zu etytielha Str. 1 steht in Str. 4 erguelh. 

Ein seit ältester Zeit und in ihr besonders beliebtes Kunst- 
mittel ist der Refrain, das Festhalten eines Wortes an bestimmter 
Stelle der Strophe durch das ganze Gedicht. Der Refrain leitet 
den Gedanken immer wieder auf Eines zurück, dies muss daher 
dem Inhalt des Gedichts bedeutungsvoll sein. 

Das älteste Beispiel des Refrains ist bei Wilhelm von Poitiers 
im sechsten Liede (am), Marcabru hat ihn in 3 (saucs)^ 18 (escou-* 
tatz), 19 (cujar), 28 (vilana), 33 (lavador)\ Jaufre Rudel in 2 
Qonh, sogar zweimal in jeder Strophe); Bernart von Ventadorn in 
13 und 44 (a7nor\ 41 (cor); Peire d'Alvemhe in 1 (vert)^ 3 (conja)^ 



*) Nach Suchier Jahrbuch XIV, 291 hat Marcabran in Contra Vivern gue 
s'enansa grammatischen Reim. 



25 

22 (jnerce^ der Befrain ist nicht überall durchgeführt); Raimbaut 
d'Aurenga in 14 (malasti^uc) , 21 (deinff), 27 (genta) , 36 (Jtenga\ 
39 (iotglar), 41 (gang), Ueber das sechszehnte Lied s. oben p. 20. 
Bei Peire Regier weisen drei Gedichte Refrain auf, ein im 
Verhältniss zur geringen Zahl der überlieferten Gedichte häufiges 
Vorkommen. Im zweiten Liede besingt er die Geliebte als die, 
welche ihm „Leben" spendet; viure ist der Refrain des Liedes. Im 
dritten sagt er, wie die Liebe zu seiner Dame ihm Quell aller 
Freude und alles Werthes und nur von Freude und Werth (ioy e 
pretz) sei (in der zweiten Tornada dieses Gedichts macht übrigens 
der Refrain dem mit ihm reimenden Verstecknamen Platz). Im 
sechsten führt der Sänger die Worte immer wieder auf „sie (liey)^ 
zurück, zu deren Preis er singt. 



Da das lyrische Lied (in der Regel) Erzeugniss und, Ausdruck 
einer Stimmung, innerhalb deren Grenzen die Gedanken sich um 
das, welches ihr Anlass war, aneinanderreihen, ist, so darf der Ge- 
sang, dem Bleiben der Grundstiminung folgend, bei einer Melodie, 
in welcher jene zum ersten Male Ausdruck gewann, beharren; und 
diesem Beharren entspricht die strophische Gestaltung des Liedes, 
die deshalb der lyrischen Dichtung in erster Linie eigenthümlich 
ist. Da, wo die Stimmung selbst keine geklärte ist, wo ein Wider- 
streit verschiedener stattfindet, herrscht auch die Strophe nicht 
mehr; das Lied strömt in gelösten Formen dahin; so der Descort 
der Provenzalen. 

Die musikalische Strophe besteht, wenn wir von den kaum 
anders als in der Volkspoesie vorkommenden kürzesten Formen ab- 
sehen, aus untereinander in Abhängigkeitsverhältnissen stehenden 
Sätzchen, sie ist in Theile zerlegbar. Da aber die musikalische 
Strophe den Worten wiederholt zu Grunde gelegt wird, zwingt sich 
das Gesetz ihrer Theilverhältnisse auch dem gedichteten Worte 
auf, im Metrum sowohl, wie in der Abhängigkeit der Verse von 
einander, und deshalb nicht nur der Form nach, sondern auch dem 
Gedanken: Pause in der Melodie bedingt Pause des Gedankens. 
So ist denn das Entscheidende für den Bau der Strophe die Musik, 
und kann man gleich aus Reimordnung und Metrum Schlüsse auf 
die Eintheilung des musikalischen Satzes ziehen, so sind doch 



26 

solche Schlüsse wenigstens so lange hypothetisch, wie nicht durch 
zahlreichere Vergleichungen das wechselseitige Verhältniss festge- 
stellt ist. 

Zwei Trobadormelodien standen mir zu Gebote: die wärm 
empfundene, stimmungsvolle zu Gaucelm Faidit's Klagelied auf 
König Richard (Ambros Gesch. der Musik ' II, p. 226, leider sie 
allein von provenzalischen Melodien zieht sich seit hundert Jahren 
durch alle ausführlicheren Musikgeschichten) und die zu Bemart^s 
von Ventadom: Quan vey la lauzeta mover (Rayn. Handschrift- 
proben im Choix II). 

Das Gedicht Gaucelm Faidit's hat diese Reihe zehnsylbiger 
Verse: abac c bbdd. Die Musik aber hat zehn für neun 
Reihen des Textes. Die Worte der letzten werden auf anderen 
Noten wiederholt. So wären alle Versuche die Strophe dem Texte 
nach in ihre Theile zu zerlegen verfehlt. Bemart's Lied hat acht 
achtsylbige Verse in dieser Ordnung: ababcdcd. Reim- 
ordnung und oft die Sinnesabschnitte sprechen für Eintheilung in 
zwei pedes und zwei versus. Die Melodie ?eigt, dass kein Theil 
in ihr wiederholt wird; also weder pedes noch versus nach Dante's 
Ausdrucksweise liegen vor. 

Sind diese beiden Strophen nun als ungetheilte zu bezeichnen, 
wie es der Dante's Terminologie folgende Brauch will, indem er 
nur solche getheilt nennt, in welchen ein Abschnitt der Musik 
wiederholt wird? Es ist undenkbar, dass eine aus acht, bezüglich 
zehn Reihen bestehende musikalische Strophe keinen stärkeren Ein* 
schnitt in sich gehabt habe, und es ist an sich gleichgültig, ob ein 
durch einen Einschnitt abgetrennter Theil der Melodie wiederholt 
wird oder nicht. Getheilt wird jede längere Strophe sein; für die 
durch Wiederholung ausgezeichnete Unterart der Theilung mag man 
den Namen „Gliederung" zurückbehalten. 

Das Verhältniss der einzelnen Abschnitte zu einander kann 
sich natürlich sehr mannigfaltig gestalten ; bei langgezogenen Melo- 
dien ist die Selbständigkeit der einzelnen Zeilen als grösser zu 
vermuthen, bei belebterer Musik werden mehrere Verse von einem 
musikalischen Sätzchen zusammengefasst und diese Sätzchen treten 
in verschiedene Verhältnisse zu einander. 

Im Lied Gaucelm Faidit's gehören zunächst v. 1' und 2, 3 und 
4 musikalisch enger zusammen. Dann folgen zweimal drei Zeilen, 



27 

bei- denen man bemerken wird, dass beidemal der dritte Vers zu 
den zwei vorhergehenden in anderem Verhältniss steht , als diese 
untereinander, so dass also diese Strophe, welche man den Reimen 
nach als ungetheilte bezeichnet hätte, in der Musik symmetrischen 
Aufbau von 

(2+2)+([2-M]+[2+l]) = ab, ac_; c^b— b, dd-d 

zeigt. Im Lied Bernart's gehört Zeile 1 und 2 zusammen, z. 4 
weniger eng mit 3. Mit z. 5 beginnt ein neues Sätzchen, z. 7 und 
8 bilden den Schluss: 

(2-h2)-h(2-h2) = ab, ab; cd, cd. 

Leider werden wir bei den für die Kenntniss der Trobador- 
musik spärlich fliessenden Quellen oft gezwungen sein auf die Hülfe 
der Musik zu verzichten, am häufigsten für die ältere Zeit, wie 
denn auch von Peire Regier keine Melodie überliefert zu sein 
scheint. Dasjenige, welches uns in diesem Fall am ersten Unter- 
stützung verspricht, ist folgendes: 

1) Die Sinnesabschnitte. Bei den engen Beziehungen zwi- 
schen Composition und Dichtung müssten natürlich die 
Sinnesabschnitte in provenzalischen Liedern viel genauer mit 
den formalen Theilen der Strophe übereinstimmen, als es 
bei der von der Musik losgelösten Dichtung nöthig und der 
Fall ist, und das Fehlen dagegen ist tadelnswerther dort als 
hier. Dass es trotzdem die Trobadors nicht eben genau 
damit nahmen, zeigt die Beobachtung. Man sehe Gaucelm's 
Text, der in Strophe eins bis vier gute Eintheilung zeigt, 
sie aber in fünf und sechs vernachlässigt. Je selbständiger 
das Verhältniss der musikalischen Zeilen zu einander ist, 
desto leichter darf sich das syntactische Verhältniss der 
Verse in verschiedenen Strophen verschieden gestalten. 

2) Die Tornada. Diese kann nicht mitten in einem Sätzchen 
anfangen. Wo sie beginnt, musste wenigstens ein leichterer 
Einschnitt der Melodie sein. Ln Liede Gaucelm Faidit's 
z. B. könnte sie schwerlich mit z. 6, 7 oder 9 beginnen; in 
der That fängt sie beim grossen Abschnitt mit z. 5 an. Die 
Regel, welche die leys I, 338 f. über die Länge der Tornada 
geben, beruht so auf Aeusserlichkeiten, dass sie werthlos 
ist, woran ihr Zutreffen in vielen Fällen nichts ändert. 



28 

3) Anordnung der Eeime und 

4) Metrischer Aufbau der Strophe. Die Möglichkeit aus der 
Anordnung der Reime auf den Bau der Strophe zu schliessen, 
setzt gesetzmässigen Wechsel verschiedener Reimverhältnisse 
voraus; verschiedenartig, insofern sowohl Wiederkehr ge- 
wesener als Eintreten neuer Reime statthaben muss, a b a b 
und a a b b gegenüber immer gleichem a a a a und immer 
ungleichem a b c d etc ; die verschiedenartigen Verhältnisse 
müssen wechseln, denn folgen sich stets a b a b a b . . . . 
oder a a b b c c . . . . so sind Schlüsse unmöglich; und der 
Bau der Strophe wird sich erst dann in der Reimfolge zu 
erkennen geben, wenn im Wechsel der Reim Verhältnisse 
Gesetzmässigkeit ersichtlich ist (wie besonders in der ge- 
gliederten Strophe), und das Erkennen wird um so sicherer 
sein, je grösser die Reimgruppen sind, auf die sich die Ge- 
setze erstrecken. 

Das von den Reimen Gesagte überträgt sich auf die 
Metren, nur wird aus ihnen, da sie weniger wechseln als 
die Reime, noch seltener selbständig zu schliessen sein. 

Unter den Liedern Peire Rogier's lassen einige Abschnitte 
dem Sinne nach bemerken. So haben alle Strophen des ersten 
Liedes (mit alleiniger Ausnahme der 4.) eine stärkere Interpunktion 
nach dem vierten Vers; die Strophen zerfallen in 44-3. Die 
gleiche Theilung ist im achten Liede zu erkennen. Das zweite 
Lied zerlegt sich in 44-5; im dritten scheinen die ersten fünf und 
die letzten fünf Verse unter einander zusammenzugehören. Da- 
zwischen aber steht eine Zeile, welche sich bald diesen, bald jenen 
anschliesst. Vielleicht zerfielen dann die letzten fünf Verse noch- 
mals in 34-2, wie denn nach dem Refrain das Eintreten einer 
kleinen Pause, welche demselben zu höherer Wirkung verhülfe, 
ganz angemessen wäre. Bei den anderen Liedern liegen — zum 
Theil durch Schuld der die Strophe in kurze unabhängige Sätzchen 
auflösenden Wechselrede — die Verhältnisse noch ungünstiger als 
im dritten. 

Die Länge der Tornaden stimmt in den vier genannten 
Liedern mit der dem Sinne nach zu vermuthenden Theilung über- 
ein. Zu bemerken ist, dass sie im dritten Gedicht den in der Mitte 
stehenden Vers nicht mitumfasst, und dass sie im zweiten nur 



29 

3 Verse enthält, so dass nach dem sechsten das Beginnen eines 
kleineren Abschnitts in der Musik anzunehmen ist *). 

Die Aussicht in der Ordnung der Eeime bei Peire für den 
Strophenbau wichtigen Anhalt zu finden, muss gering sein. Unser 
Dichter verwendet eine im Verhältniss zur Strophenlänge grosse 
Zahl von verschiedenen Reimen, seine Strophen sind reich an 
Körnern und die Reimordnung solcher Strophen ist einem Unter- 
suchen der Eintheilung naturgemäss wenig günstig. In der Anwen- 
dung zahlreicher Körner steht Peire Regier Räimbaut von Aurenga 
nahe. Guilhem von Poitiers und Marcabrun pflegen sich mit sehr 
wenigen Reimen zu begnügen (s. Einltg. zu No. 9). Der erstere 
hat nur in No. 10 ein Korn. Marcabrun gebraucht schon in meh- 



*) Die Bemerkung über eine auch bei teire Regier erscheinende Eigen- 
thümlichkeit der Tomada sei hier gelegentlich eingeschaltet. Wie nämlich in 
der Form sich die Tomada als Nachklang der letzten Strophe darstellt, so 
finden wir sie auch zuweilen in den Worten zu einem Nachklang derselben 
gestaltet; am auffallendsten in Guilhem von Poitier's Lied: Compagno^ non puosc 
mudar qu'eu no nCeafrei. Die letzte Strophe ist; 

Non i a negu de vos ja'm desautrei: 
S'om li vedava vi fort per malavei, 
Non begues enanz de. Vaiga que's* laisses morir de sei. 
Die Tornada: 

Chascus beu^Vans de Vaiga que's laisses morir de sei. 

Aebnlich bei Jaufre Rudel : Lanquan li jom son lonc en mai. Letzte Strophe : 

mas 80 qu'eu uuolh m'es tant ahis, 
qu'enaissi'm fadet mos pairis, 
quieu ames e non fos amatz. 
Tomada : 

mcu 80 qu'.ieu uuolh m*es tant ahis, 

toiz sia mauditz lo pairis, 

que m fadet qu'ieu non fos amatz. 

Sodann bei Bemart von Ventadora: Lanquan vei la foilla, schon weniger 
ausgeprägt in desselben Chantars no pot gaire valer; man vergleiche auch sein 
Tuü sil que'm pregan qu*ieu chan; Amors e que'üs es vejaire; Räimbaut d^ Au- 
renga: Un vers farai de tal mena und Compaigno qui quen iraiss. Die Eigen- 
thümlichkeit scheint bei den älteren Trobadors mehr beliebt gewesen zu sein, 
als bei späteren, wenngleich sie sich auch bei diesen trifft. Bei Peire Regier 
erinnert an sie die Tomada des siebenten Liedes und in geringerem Masse die 
letzte des zweiten. Hier beschränkt sich die Uebereinstimmung auf gleiches 
Ausklingen der letzten zwei Verse der beiden Tomaden untereinander. Anders 
als in den erwähnten Fällen finden wir Ged. 635 die Anfangsverse der letzten 
Strophe von der Tornada wiederholt. 

A p p e 1 . Peire Rogier. 3 



30 



i*1 



reren Gedichten Körner, aber es sind im Verhältniss zur Strophen- 
länge nur wenige: eins in 20, 26, 30, 32, 36, 37, 38, 40 (41 gleich 
20); zwei in 1, 2, 10, 11, 33, 34, 35; drei in 36. Cercamon hat 
eins in 3, zwei in 4, drei in 2; Bernart von Yentadorn eins in 5, 
13, 15, 20, 30, 35, 42, 45; zwei in 16, 21, 38; drei in 18, 26, 27; 
vier in 7; sechs in 3; auch Jaufre Rudel hat einmal drei Körner 
auf sieben Zeilen. 

Das einzige Lied Peire's, welches auch in seiner Reimfolge 
leicht die Regelmässigkeit des Baus erscheinen lässt, ist No. 2 mit 
seiner Form abab|cdcdE. Mit dem Eintreten von c be- 
ginnt der zweite Haupttheil. Von den anderen Gedichten steht 
noch am nächsten das achte : a b b a | c c d. Im ersten wird das 
Beginnen des neuen Theils wenigstens durch Rückgreifen auf den 
Anfangsreim angezeigt: a b c^d | a c^b[^. Aber mit Ausnahme 
des zweiten Liedes dürfte man bei keinem mit dem Verhältniss 
der Reime eine Eintheilung der Strophe begründen, und entsprechend 
verhält es sich mit den Metren. Auch sie gestatten nur im 
zweiten Liede einen Schluss auf den Bau der Strophe*). 

Unter Berücksichtigung alles Erwähnten würden etwa folgende 
Schemata ein Bild der Formen von Peire Rogier's Gedichten geben: 




3. 

Vd. 

(S a 

8 b 

8 b 

4 c 

8 c 

8 d 



{4 e 
4 e 
8 D 



4. 
VII d. 

10 a 

10 b 

10 b 

10 c 

10 d 

10 d 

10 e 



5. 
VId. 
8 a 
8 b 
8 b 
8 
8 
8 
8 



c 
d 
d 
e 



1 



8 
8 



f 
f 



Zu bemerken ist bei diesem Liede, dass, so häufig die Verbindung des 
achtsylbig männlichen mit dem siebensylbig weiblichen und des siebensylbig 
weiblichen mit dem siebensylbig männlichen Vers ist, die Verbindung von acht- 
und siebensylbig männlichen zu den seltenst vorkommenden gebort. Finden 
sie sich in einer Strophe zusammen, so pflegen sie entweder durch einen . sieben- 
sylbig weiblichen Vers vermittelt zu werden, oder aber es liegt eine Pause 
zwischen ihnen. Die einzigen Fälle, die ich von ihrer Verbindung weiss, sind 



31 



6. 


7. 


8. 




9»). 


VII d. 


VII d. 


VII d. 


Str. 


?xi 

1. 2. 4. 5. Str. 3. 6. 


8 a 


iS a 


fS a 




7 a ' _a 


8 b 


8 b 


|8 b 




7 a _a 


8 a 


8 b 


]8 b 




7 a _a 


8 c 


/8 c 


i8 a 




7 a _a 


8 d 


8 d 


/8 c 




7 a _a 


8 e 


8 e 


8 c 




7 b b 


8 e 




8 d 






8 F 











NB. Die römische Ziffer bezeichnet die Anzahl der Strophen, 
das d dahinter, dass die Reime durch alle Strophen gehende sind, 
die Querstriche geben den Umfang und die Zahl der Tomaden an, 
die Klammem die muthmasslichen Abschnitte des musikalischen 
Satzes. Den verwandten Reim bezeichne ich durch Buchstaben 
mit Strichen (b' in No. 1, für grammatischen Reim ist die Ver- 
wendung-der entsprechenden griechischen Buchstaben zweckmässig), 
Refrainreime mit grossen Buchstaben (deren gewöhnliche Verwen- 
dung zur Bezeichnung von Versen ungleicher Länge deshalb nicht 
praktisch ist, weil man durch sie nicht die Quantität der Ver- 
schiedenheit anzeigen kann ; wo verschiedenlange Verse vorkommen, 
müssen deren Masse mit Zahlen angegeben werden). 



Es ist bekannt, dass die Trobadors jedem Liede individuelle 
Form zu geben pflegten (Peire d'Alvemhe: Anc chans no fon fort 
fis ni bos, que ressembles cPautruy chansos, in Chantarai pus vey 
qu^a far w!er\ eine Thatsache, die sich beim engen Zusammenhang 
von Musik und Dichtung aus dem Erfinden einer neuen Melodie 
natürlich erklärt. Als diese beiden sich später trennten, fiel auch 
das Interesse am Schaffen neuer Formen, das dem inneren Gehalt 
der Dichtung nur Fesseln anlegen konnte. Freilich ist bekannt, 
dass das Gesetz der individuellen Formen nicht für alle Dichtungs- 
arten in gleicher Weise gültig war (s. p. 13), und auch ausserhalb 
des Sirventes finden sich Fälle der Uebertretung; so bleibt uns 
denn noch zu untersuchen, ob Peire Rogier in den Formen von 
einem anderen Dichter nachgeahmt wurde, oder ob er selbst dem 
lieblichen zuwider eines Anderen Formen gefolgt ist. 

folgende: No. 106, 9; 132, 1, 11; 156, 10; 217, 3; 240, 6; 386, 1, 3; 421, 8 
437, 12. 

*) a wechselt, b bleibt. 

3* 



32 

Für mehrere seiner Lieder habe ich keinerlei Gleichheiten ge- 
funden, es sind die Nummern 2, 5, 6, 7 (und 9). 

Mit dem ersten hat Jaufre Rudel's Qtian lo rvas de la fontana 
grosse Aehnlichkeit. Die Form dieses Liedes ist: 

7^a Die Unterschiede sind, dass a bei Jaufre weib- 

7 b lieh ist, und dass e mit b keine Verwandtschaft 

7^c zeigt, wenn nämlich Verwandtschaft der Reime von 

7 d Peire beabsichtigt war. Was der Annahme einer 

7^a Nachahmung Jaufre's durch Peire nicht günstig ist, 

7^c ist der Umstand, dass bei jenem in Str. 3 und 4 

7 ^ e ab und c d ihre in Str. 1 und 2 gehabten Plätze 

austauschen. Diese Eünstlichkeit hätte sich ein Nachahmer nicht 
entgehen lassen dürfen. Der Annahme einer umgekehrten Nach- 
ahmung Peire's durch den Anderen aber scheint die Chronologie 
nicht günstig. Stimming setzt die Entstehung des Liedes RudeFs 
zwischen 1147 und 1160, nach Suchier (Jahrb. XIV, p. 129) wäre 
Jaufre sogar schon 1148 gestorben. 

Gleiche Reimfolge mit No. 3 kommt zweimal vor, in Cadenet's: 
Aisso'm dona ric coratge und in einer Strophe Raimon Vidal's, die 
er selbst in seiner Novelle En aquel temps, com era iays mittheilt, 
und die L/us e dimartz mati e sers beginnt. Aber beide Strophen 
sind verschieden im Versmass, eine Einwirkung eines der 3 Gedichte 
auf ein anderes ist daher nicht anzunehmen. 

Gleich in Reimordnung und Metrum mit No. 4 ist Guiraut 
Riquier No. 29: Fis e verays e ptis ferms que no sti^lh. Doch sind 
die Reime anders als hier, und da wenigstens ähnliche Reimfolgen 
nicht selten sind (ganz gleich nochmals bei G. Riquier 49 bei 
siebensylbigen Versen, abbcddee derselbe 13 und Raimon de 
Miraual 34, a^b b c^d d e^ Guiraut von ^Calanso 9, ähnlich 
schon Cercamon 3: a^b b c^d d a^ etc.), so ist zufälliges Zu- 
sammentreffen wahrscheinlicher als Nachahmung. 

Dem achten Gedicht entsprechen am meisten Lieder anderer 
Trobadors. Selbstverständlich ist die Uebereinstimmung von Raim- 
baut's Antwort*). Ausser ihr aber sind ihm noch vier Lieder in 
Mass und Reimordnung gleich: Jaufre Rudel: Bels m'es Vestius el 



^) Doch ist zu bemerken, dass Raimbaut andere Reime verwendet als Peire 
Rogier. Ist unter solchen Umstanden die Gleichheit der Melodie gewiss? 



33 

temps floritZy Bernart von Ventadorn: Änc no gardei sazo .ni mesy 
Guillem Ademar: Befor^oimais sazos e locs, Raimbaut de Vaqueiras: 
Las frevoh venson lo plvs fort. Die Reime sind aber in allen 
verschieden, die Form ist ziemlich einfach und so sehe ich auch 
hi^r nicht die Nothwendigkeit Entlehnung anzunehmen. Zu beachten 
ist für dieses Lied, dass es sich in Handschrift R unter Melodie 
und Text von Amaut de Tintignac: Lo joi comens en un bei mes 
findet, dessen Versmass gleich und dessen Reimordnung nahe ver- 
wandt, die umgekehrte: a b b c d d c ist. 



Von mehreren seiner Lieder sagt uns Peire selbst, welcher 
Dichtungsart wir dieselben zuzurechnen haben. Das zweite, vierte 
sechste und siebente Lied bezeichnet er als vers, lieber die An- 
forderungen, welche die Theorie an den vers stellte, unterrichtet 
uns bekanntlich besser als die leys Aimeric von Pegulhan im Ge- 
dicht Maritas vetz sui enqueritz. Es werden nach ihm vom vers 
streng genommen männliche Verse, eine lange (leys: lange, ruhjge 
und neue) Singweise verlangt; in Yerslänge und Tonart bestanden 
Unterschiede zwischen dem vers und der Canzone. Diesen An- 
forderungen fügen sich, soweit wir überhaupt sehen können, No. 4, 
6, 7 bei Peire Regier. Sie besitzen nur männliche Reime. Im 
gleichfalls als vers bezeichneten zweiten Liede aber hat mehr als 
die Hälfte der Verse weiblichen Ausgang und der kurze Wechsel 
vier verschiedener Verslängen spricht eher für eine bewegte als 
für eine ruhige- Melodie. Wenn Peire auch dieses Lied einen vers 
nennt, so scheint er das Werl noch in der alten, in den Bio- 
graphien Marcabrun's und Peire's von Auvergne erwähnten Weise 
zu gebrauchen, wonach es einen umfassenderen Begriff bezeichnete, 
als es später bezeichnen sollte, denn das genannte Lied Aimeric's 
von Pegulhan beweist, dass auch später wenigstens nicht alle Tro- 
badors die eingeschränkte Bedeutung des Wortes anerkannten. 



• ' 



Biographie. 



Die Biographie Peire Rogier's steht in den Handschriften 
A 107, ß 107, E 189, J 12, K 2, R 3. Dazu kam in jüngster 
Zeit noch die in der Rev. des langues rom. XIX beschriebene: 
Cheltenham Sir Th. Philipps 1910 (s. 1. c. p. 275), welche ich 
nicht mehr benutzen konnte. Ihr Inhalt soll aber mit dem der 
hier mitgetheilten Handschriften der Biographie wesentlich überein- 
stimmen. 

Gedruckt ist die Biographie Choix V, 330, Parn. Occit. 24, 
Werke I, 117, Biogr.' No. 12. 

Peire Rotgiers si fo d'Aiuergne; e fo canorges de Clarmon, e fo 
gentils hom e bels et auinens e sauis de letras e de sen natural, 
e cantaua e trobaua ben, e laisset la canorga e fetz se ioglars. 
et anet per cortz e foron grazit li sieu chantar. e uenc s'en a 
5 Narbona en la cort de ma dompna n'Esmengarda, que era adoncs 

de gran ualor e de gran pretz, et ella Tacoillic fort (ben) e*l 



Die eingeklammerten Worte sind nur in B zu finden. 

1. rotgier EM. rogiers JK. — si /. R. — beide mal e fo f, R. — 
2. g.] bels R. — bei E. — e bels /, R. — auinen E. — sauis hom de 
A. — 3. cantaua be JK. — e tr. /.AB. — e. 1. 1; c. /. R. — iotglar 
E. ioglar JKR. — 4. e fö mot grazitz R. — sei E. — 1. s. c /. R. — 
5. Nerbona A. — na dona eimeniarda E. na esmeiartz R. — ermengarda 
JK. — adoncx /. AR. — 6. e de g. p. /. R. — 7. el h. /. JK, — 



35 

honret eill fetz grans bens. et el s'enamoret d'ella en fetz sos 

uers e sas chansons: et ella los (receup e'ls) pres en grat. et 

el la clamaua Tort-n^auetz. lonc temps estet ab ella en cort e 

si fon crezut q'el agaes ioi d'amor d'ella, don ella en fo blasmada lo 

per las gens. e det li comiat e*l partit de si. et el s'en anet 

a-n Raembaat d'Aurenga, si cum el dis e*l siruentes q'el fetz 

de lui, que ditz : 

Seign'en Raembaut, per uezer 

de uos lo conort e'l solatz, is 

sui sai uengutz tost e niatz, 

mal que non sui per uostr'auer; 

que saber uoill qan m'en irai, 

s'es tals lo gabs cum hom lo fai, 

si n'i a tant o meins o mai 20 

cum aug dir ni comtar de uos. 

lonc temps estet nb en Raembaut d'Aurenga. (e puois s'en 
partic de lui) et estet en Espaigna ab lo bon rei Amfos 



e de gr. pr. bis bens] qeil fetz gran ben e gran honor A. — grä be R. — 
el /. JK. — en] e E JE. — fazia A. — sos] ses JK. — 8. s. u. e. /. A. — nach 
eh.] della BE JE. — e. 1.] elal R. — 9. el /. JE. — e. 1. c] apellaua la B. — 
Tort-mauetz B. — von chansons (excl.) bis T. /. A. — ab] com EJE. — en 
cort ab ella A. — 10. e si] don A. e R. — crezutz J. — dela vor ioi R. — 
en /. AR. — 11. p.] de R. — p. 1. g. / A. — e sill dit comiar E. el det 
c. R. — p. la gen daquella encontrada e per temor del dit de la gen sil det 
c. JE. — e. p. d. s. /. A. e p. lo d. s. B. — el si s. a. ER. — s. a. dolenz 
e pensius e conssiros e marritz JE. — 12. raimbaut E. rambaut JE. raym- 
baut R. — Aurenca R. — R nur: dis e. I. loc. — 13. q. d. /. JER. — 14. sen- 
her E. seingner JE. — rambaut B. raimbaut E. ranbaut JE. raymbaut 
R. — 15. d. u.] deuetz R. — s.] saber JE. — Hier endet das Citat in R. — 
16. Mit uengutz endet das Citat in E. — 18. partrai JE. — 20. Si nes (E 
senes JE) plus m. AJE. — 21. JE theilen noch folgende Verse mit: 

Tant ai de sen e de saber 
e tant sui sauis e menbratz 
quant aurai uostres faiz gardatz 
quäl partir en sabrai lo uer 
ses tals lo caps com hom retrai 
quen queron men lai entrenos. 

Dann schliesst die Biographie in JE. E leitet die Gedichte mit diesen Worten 
ein: E fez aquestas cansons que uos auzirez scriptas sai desotz. 

22. El estet 1, t, B. — e. R.] el R. — 23. estet bis ab] anet sen estar 
ab B. — 



36 

d'Aragon. et (pois estet) ab lo bon comte Raimon de To- 
25 losa (tant qant li plac et el uolc). gran honor ac e'l mon 

tant cum el i estet, e pois se rendet a l'orden de Granmon e 
lai el fenic. 



24. d'A.] de castela et ab lo rey nanfos darago R. — 25. g. h. al mon ac A. 
mout ac g. h. e. m. B. — 26. e] mas ER. — p. el s. A, — a] en B. — 
27. ei /. R. — f.] definet E R. 

R fugt als Uebergang zu den Gedichten hinzu: et aysi a de sa obra. 



Lieder. 

1. 

Gr. 356, 1. 

Das Gedicht wird überliefert durch die Handschriften A 108, 
B 108, C 195, D 3, E 173, j 12, K 2, M 196, R 26, c 82. In 
c wird es Peire Bremen zugeschrieben, in allen andern Peire Regier. 

Gemeinschaftliche Abweichungen lassen von diesen zunächst 
AB, DJK und CR als Gruppen erkennen, von denen die ersten 
beiden wohl auf einen Typus zurückgehen, vv. 2, 13, 27, 30, 48 
enthalten die für diese Verhältnisse entscheidenden Varianten. 

E wird durch v. 27 zu DJK gestellt; minderes Gewicht haben 
die Lesarten in 12 und 28, wo es sich mit R berührt. • 

Die Abweichungen von M sind nicht derart, dass die Hds. mit 
Bestimmtheit einer jener 3 Gruppen beigegeben werden könnte *). 
Am nächsten steht sie R (v. 1, 22, 27, 30, 34, 35), in 6, 13, 17, 
26 dagegen theilt sie mehr orthographische Varianten mit E und 
in 19 stellt sie sich mit AB gegen die übrigen Mss.; mit M ist c 
nahe verwandt (v. 30). R noch näher al» M steht es in 27 und 
38. In 30 und 34 scheinen alle drei auf eine Vorlage zurückzu- 
gehen; in V. 2 dagegen stimmt c mit DJK überein. Hemmend 
bei der Untersuchung von c ist das Fehlen der 2. und 7. Strophe 
und der Tornada. 

Gedruckt ist das Gedicht bei Rayn. III, 27 und W. I, 119. 
M. G. 1401 nach B. 



') üeber das Verhältnis^ von MRc s. unten No. 6. 



38 

AI pareyssen de las flors, 

quan Talbre's cargon de fuelh, 
e'l tempz gens^ ab la aerdara 

per l'erba, que creys e nays: 
5 doncx es a selhs bon' amors, 

qui Tan em-patz ses rancura, 
q'us ues l'aatre non s'erguelha. 

Bos dratz non den creir' auctors 

ni so que ueiran sey huelh 
10 de neguna forfaitura, 

don sap que sa dona'l trays; 

so que ditz qu'a fait alhors, 
creza, si tot non lo iura, 
e-sso que*n ui dezacuelha. 

15 Qu'ieu uei de totz los melhors 

qui senpr' en deuenon fuelh, 
qu'enqueron tan lur dreytura 
tro que lur dompna's n'irays. 
e'l ris torna'ls pueys en plors; 
20 e'l folhs per mal' auentura 

uai queren lo mal que'l duelha. 

In E ist der Text durch Ausschneiden einer Initiale verstümmelt, v. 1 — 3: 
.... de las flors .... Ibres cargon .... 1. el tems ge .... uerdura. In der 
Folge bezeichne ich ausgeschnitten durch -f, 

1. Eral M. Er R. Initiale /. B. — parissen J. pareysson R. pariscen c. — 
2. lalbre cargon del DJKc. — fuelhs R. — 3. g. a.] gensa c. — gen sap 
reuerdura R. — 4. lerba f E. — - qi c. — 5. Don M. Adoncx c. f E. — a. s.] 
aysel R. — 6. Que E M. q A. — lam D. la c. — Quera partitz R. — ses fE. — 
7. ues t E. — sergoilha (von andrer Hand:) gueilha M. sescuelha R. — In 
AB DJKc reimt der zweite v. jeder Strophe auf -uoill, der siebente auf -uoilla. 

8 — 14. /. c. — 8 — H» .... re auctors ni so q .... neguna forfaitura. 
don .... 1 trais. E. — 8. Mos J. Initiale /. K. — creira D. — autors ABD JK. 
autcors M. — 9. que /. D. — 10. forfa^ura M. — 11. Dom D. — que] de M. — 
treys C. — 12. que /. K. — dis ABCDJK. — qa dich qe fach M. — 

13. Crezä R. — t. n.] nonca ABDJK. noca EM. — loi E. — 1. i.] latura R. — 

14. qel M. — d.] li descueilha M. 

15. Que D. — ui ABDEMR. — liß. Qe Mc. q AB. — sens en c. ~ 
deuene M. — Que afolan lur capduelh R. — 17. Que queron EM. Qim queron 
J. Quin queron K. — tan /. c. — Car tan queron R. — 18. que /. R. — 
n' /. D. — 19. torna ABM. e deue R. tomal c. — en /. R. — plor JK» — 
20. Eis c, — fals R. — p.] ab M, 



39 

Qu'amors uol tals amadors, 

que sapchon safrir erguelh 
en patz e gran desmezura; 

si tot lor dompna'ls sostrays, 25 

paacs plagz lur en sia honors, 
quar si'l sap mal ni's atura, 
ylh querra tost qui Tacaelha. 

Per aqaest sen suy ieu sors 

etai d'amor tan quan uuelh, so 

quar s^elha'm fay gran laidnra, 
■quant autre's planh, ieu m'apays. 

si tot s'es grans ma dolors, 
sofier tro qu'eiha'm melhura 
ab un plazer quäl que's uuelha. 35 

Mais uuelh 'trenta dezonors 

q'un'onor, si Heys mi tuelh, 
qu'ieu suy hom d'aital natura, 

no uuelh Toner que*l pro lays. 

ni ges no'm laissa'l paors, 40 

don mos cors non s'asegura, 
qu'ades cug qu'autre la'm tuelha. 

• 

De mon d^n prec mos senhors, 
mas Tamor de midons uuelh, 



22. Quaraor CE. Damor R. — tal JMR. — 23. Qui BD JK. — 25. 1.] 
sa c. — dampnals DK. donnas M. dona R. — sestrais JM. sentrays R. sistrais 
c. — 26. Pauc DE JEM. — plag EMc. — lemsia c. — Atras ni merma sonors 
R. — 27. si c. — s. s. m.] sis laigna AB. — se il mais (früher war sil mal 
geschrieben, das später so corrigirt wurde) D. sil mais E. sil mas JK. — n.] 
sen D (auf Rasur). — rancura ABDEJKM. natura R. nabdura c. — 28. El 
ER. — queira CERc. — q. P] qilh M. 

29. sen] son M. — 30. t.] tot DJK. — E no sui ges cel qi sueilh Mc. 
E so totz aitals com suelh R. — 31. silam B. selan R. — lidura C. — 
32. plag c. — me pays R. — 33. s'es] sos K. — 34. Suefre M. suefri R. 
sufrir c. — t. qu'e.] tant tro lam B. tant qelam M. — qella c. — 35. plazor 
D. plazers MR. — calsqs R. c . . ques E. 

36. u.] nam c. — 36. 37. Camor tenc sim fai secors. silh de cuy yeu ges 
nom tuelh R. — 37. Cui honors c. — ses A. sei DJK. — noilh c. — 38. de 
tal Rc. — 39. Que no vuelh gos R. — pros R. — 40. non laissel M. -- 
41. cor c. — sanegura M. — 42. c] tem R. — lem M. 

43 — 52 /. c. — 43 — 49. De mon dan or de midons .... cura. que 

tro .... It mi feira .... entura. mi . . . . E. — 44. lamors D, — 



40 

45 e que'l preiida de mi cura, 

que trop es grans mos esmays. 
molt mi fera gen secors, 
s'una aetz ab nueg escura 
mi mezes lai, o's despuelha. 

50 ^ Peir Rogiers li quier secors, 

e si'i mals longaeitz li dura, 
pauc uiara, qu'ades raagaelha. 



2. 

Gr. 356, 8. 

Das Gedicht findet sich in A 23, C 195, D 3, J 13, K 2, 
M 194, N 176, R 27. 

üeber das Verhältniss dieser Handschriften ist folgendes zu 
sagen : 

DJK bilden wie fast stets eine Gruppe, vv. 5, 41, 49 liefern 
den Beweis. Von ihnen stehen sich JK nach vv. 9, 26, 30, 35, 
46 noch näher. 

Auch AN haben wir auf eine Quelle zurückzuführen; dafür 
sprechen vv. 19, 40, 46, 58, sowie der Umstand, dass diese beiden 
das Gedicht Guiraut von Bornelh zuschreiben, obwohl beide die 
erste Tornada enthalten (alle anderen geben richtig Peire Rogier 
als Verfasser an). 

Eine Verbindung der genannten zwei Gruppen wird durch 
vv. 51, 52 hergestellt. In 51 haben AD JK natural zum Reim- 
wort; dasselbe ist schon v. 6 vorgekommen, wir werden Idal aus 
CM vorzuziehen haben. N ist an dieser Stelle neutral, v. 52 da- 
gegen hat N mit JK die Lesung cug ques bewahrt, während A zu 
Gunsten des Versmasses auswich. 

Voll den drei übrigen Handschriften vereinen sich M und R 
durch gemeinsame Varianten in vv. 7, 37 ; auch noch durch häufiges 



45. pereigna K. aya R. — 47. g.] gran alle ausser C. — 48. a. n. e.] 
per auentura ABDEJE. senes falsura M. — Sim laysses de nueg escura R. — 
49. mezeis J. — o-s] on D. — Esser lay ö se despuelha R. 

50—52. Peire rotg .... guas li dura . . . . E. — 50. Peire rotgiers AB DJK. 
Peire rogier CM. Peirotgier R. — 51. Gar R. — mal CJK. — longuas C. 
longues DK. lengues J. loindäs M. gayre R. — 52. qu'a.] qestiers M. pueys 
nö R. — rau^uoilla ABDJK. iausueilha M. lacuelha R. 



41 

Abweichen beider nach verschiedenen Richtungen, wo C das Ur- 
sprüngliche bewahrte. Solche Stellen, an denen die Vorlage von 
MR also undeutlich gewesen sein wird, sind z. B. w. 7, 11, 13, 
15, 32. 

In V. 49 haben CMN quab während A und D JK verschieden 
abweichen; qan in A wird aber vermuthlich auf ein qam = qmnb 
zurückgehen, so dass AN wieder übereinstimmen. 

V. 52 schliesst sich D mit creaz ques, den Hdss. A JKN gegen- 
über, CM an. Wir dürfen hier eine Correctur von D annehmen, 
auf Grund der Thatsache, dass die vierte Strophe in D am Schluss 
des Gedichts nach einer M ^anz nahestehenden Handschrift zuge- 
fügt ist (s. vv. 29, 32, 34, 35). ' 

Wenn das Verhältniss ist wie eben entwickelt, werden wir 
in V. 40 iauzire als Lesung der ersten Vorlage anerkennen müssen, 
chauzire in AN als eine Conjectur, die aber vielleicht aufzu- 
nehmen ist. 

Gedruckt findet sich das Lied bei Rayn. IIl, 29 und darnach 

W. I, 120, nach A im Arch. 51, 20. 

Tan no plou ni uenta, 
qu'ieu de chaii non cossire, 

frei' aura dolenta 
no'in tolh chantar ni rire, 
qa'amors me. capdelh' e*m te 5 

mon cor en fin ioy natural, 

e*m pais cm guida e*m soste, 
qu'ieu non suy alegres per al 
ni alres ncm fai uiure. 

Ma dompna es manenta lo 

de so qu'ieu plus dezire; 

del donar m'es lenta, 
qu'anc no:n fuy may iauzire; 
ben sai que pauc Ten soue, 

2. Qe dun M. — 3. Aura freida A. Frey dura C. Aura freia MN. Aura 
frey R. — d.] ni lenta M. — 4. Non D. — eh.] gabar M. solas R. — 5. c. 
e. t.] cabdolenta N. — e. t.] em rete C. anc se DJK. — 7. Qem MR. El 
N. — e. g.] em uest M. de ioy R. — em s.] e s. C. — 8. Que R. — sai M. 
si R. — alegrar M. — 9. reis JK. re R. — a. bis f.] per alre non sai M. 

11. Daiso M. Des R. — 13. may] /. M. neys vor non fuy R. — 14. li M. 
lin R. 



42 

15 e ges no*m part ioc cominal, 

qu'ilh pensa petit de me 
et ieu trac per Heys mal mortal, 
tal qu^a penas puesc uiure. 

No trop qui'm gairenta 
20 ni qui m'o auze dire, 

q'un^aatra tan genta 
e*l mon se li ni's mire; 
ni d'auti^a non s'esdeuo, 
mas qu'om digua que re no ual, 
23 qu'elha ditz e fai tan be, 

q'una contra Heys no sap sal; 
tal domna fai a uiure. 

Si s'en fenhon trenta, 
ges per so no'm n'aliire; 
30 cny que's uol si*s menta, 

qu'a mi's denh'escondire ; 
qu^adonc sai ieu ben e cre 
q'us non a dompna tan cabal, 
quan quecx la lauza per se, 
35 que s'el n'auia un^aital 

ben pogra ses lieys uiure. 

Greu planh mal que'n senta 
drutz, quant es bos sufrire, 
qu^amors es ualenta 



15. ges nach p. M. fehlt R. — par ACMR. — p. de i. R. — 17. Et/. R. ~ 
trai M. tras R. — mortal mal M. — 18. Tal /. C. — que nö pos mais M. 

19. tr.] es M. — quin N. — garenta AN. gairenta M. — 20. qim a. M. — 
aize N. — 21. Qe tant auinenta A. Cuna autrentä g. D. Cuna tretan g. JE. 
Cunatrita menta (?) N. — 22. s. 1. n. m.] se remire M. nos li nes mire R. — 
23. sedeue R. — 24. res R. — r. n.] leis M. — 25. e. f.] estai M. e faitz N. — 
t. de be C. — 26. contrab JK. — sal] al M. 

28—36 nach v. 63 D. — 28. freignon A. feignen J. — 29. so] tan DM. — 
non DN. — 30. Qui D. Qi M. Com R. — uoüla JK. — si A. /. JK. — 
31. Camäs R. — deigna A. dieng D. deu R. — 32. Adonc DM. E döcx R. — 
33. Quieu nö truep R. — 34. Car R. — quecx] quer N. — q. 1. 1.] chascus 
cor lai DM. — 1. lor 1. C. — 35. Qui JK. — si A. silh C. se DM. — s. n'a.] 
seigngues (?) N. — nagues AJK. nages DM. — artal N. atertal R. — - 36. Ben 
/. R. — Poyria R. — pograb 1. D. — ses /. M. 

37. que DMR. 



43 

seluy que n'es, chausire; 40 

ergueth no uol ni mante, 
ans qui lo'lh mostra, lieys non cal, 

que mais n'auria ab merce 
en un iorn qu'en dos ans ab mal 

sei qu'ab erguelh uol uiure. 45 

Si uns s'i prezenta, 
que'l denh lonc s6 assire, 

ges no m'espauenta, 
qu'ab mi Tai a deuire, 
que dona, quant en pretz ue, 50 

deu auer fin cor e leyaF; 

e non crezatz que's malme 
contra son bon amic coral 
als dias, qu'ay'a uiure. 

E s'il fay paruenta 55 

que*l guinh ni'l huel lor uire, 

per so no's guaimenta 
mos cors ni*s mand'aucire; 
que dompna fai manta re 
per que plass'a totz per engual, eo 

e quasq'nn cum li coue 
deu aculhir dins son ostal, 

s'ab gran bontat uol uiure. 



40. A sei R. — iauzire CDJKR. — Qant hom Ueis gent seruire M. — 
41. Qorgueilh M. — nil D JK. — E per erguelh nö m. R. — 42. 1. n.] non 
li R. — 43. Que /. M. — n'a.] conquer (über d^r Linie) D. — Car greu cre 
q ses deue R. — 44. qu'en] qab M. — q naya mas tormen ab mal R. — 
45. Sal C. Cil M. — uol /. M. 

46 — 54 /. R. — 46. Car sil sim presenta A. E sil fai paruenta D. Sanz 
un si p. JK. E Sil representa M. Caisim si p. N. — 47. Qem A. Quil D. 
Quill JK. — aissire D. — 48. mesparuenta M. — 49. Qan A. Car DJK. — 
lai de uiure DJK. — 50. q. e.] quen C. qe M. — ue] mante M. — 51. e 1.] 
natural ADJK. coral N. — Nach v. 51 wird in D v. 49 wiederholt. — 52. c. 
q.] cuich quelais A. cug ques JKN. — 53. Central sieu A. üas lo sieu M. 
Encontra son N. — bon /. M. — 54. A dias N. — qu'ay'J can T. qaia M. 

55—63 /. M. — 55. E /. C. — Sol q nols conteda R. — 56. nils huoils 
A. — HA. — Ab q uas lor se u. R. — 58. nil AN. nim R. — 59. Ma C. — 
m.] man C. — 60. plass'] plassa A. platz C. — t. p.] tot rer D. — 61. cascus 
R. — lin R. — 63. Si ab C. Sa D Sam R. — beutat J. 



44 



Peir Rogiers per bona fo 
63 tramet lo uers denant nadal 

a sidons, que*l fai uiure; 

Clama li per gran merce 
qu'aprenda'l uers denant nadal, 
s'ab ioy de lui 'uol uiure. 



3. 

Gr. 356, C). 

Das Gedicht wird überliefert in A 23, B 15, C 194, D 153, 
J 13, K 3, N 177, R 21. 

Die Strophenfolge ist nicht in allen Handschriften die gleiche. 
In CR haben Str. 3 und 4 ihre Plätze gewechselt. Ich glaube der 
Reihenfolge inABDJKN folgen zu dürfen. Ebenso wie in diesem 
Punkte gruppiren sich die Handschriften in den Lesarten. So zeigen 
gemeinsame Fehler: ABDJKN im Auslassen des 43. Verses, der 
in D JK nachträglich hinzugefügt wurde, und v. 49, dessen in der 
Vorlage fehlende Silbe verschieden ergänzt wurde, v. 55 (ses). Von 
diesen mss. geben sich ABN als näher zusammengehörig zu er- 
kennen durch die Angabe des Guiraut von Bornelh als Verfasser, 
sowie durch Varianten in vV. 13, 22, 26, 55, AB wiederum durch . 
vv. 24, 25, 32, 54, 56. Andrerseits stehen DJK zusammen: vv. 9, 
22, 32, 33, 44, 59 und JK: vv. 33, 59. 

CR haben gemeinsame Abweichungen in vv. 9, 51, 54. In R 
wird Peire Luzer als Verfasser genannt. 

Gedruckt findet sich das Gedicht bei Rayn. IH, 32, dai:- 
nach W. I, 117 und nach N Ged. 881, nach B ib.: 1371, nach 
A Arch. 51, 20. 



64—66 /. D. — 64. Peire ACJKMN. — rotgier A. rogier CN. roger M. — 
Peirotgier R. — 65. Tarnet N. — lo] son R. — d. n.] tot per cabal R. — 
66. q. f. u.] clamar merce R. 

2. Tomada fehlt AD JKM. — 69. lui] lie^s C. — 67—69. R: 

e predal auäs de nadal 
sap grat de luy uol uieure. 
N: e clama li uers denan nadal 
sab ioi de lui uol uiure. 



45 

Per far esbaudir mos uezis, 
que's fan irat quar ieu no chan, 
no mudarai deserenan, 

qu'ieu no despley 
un so nouelh, que'ls esbaudey; 5 

e chant mais per mon Tort-n'auetz, 

quar trop dechai 

tot quan uey sai, 
mas lai ab lieys creys ioys e pretz, 
per que'l sieus conortz m'es plus bos 10 

que tot quan uey far entre nos. 

De midons ai lo guap e*l ris 
e suy fols, si plus li deman, 
ans dey auer gran ioy d'aitan; 

a dieu m'autrey — 15 

non ai donc pro, quar sol la uey? — 
del uezer suy ieu bautz e letz, 

plus no m'eschai, 

que ben say, 
mas d'aitan n'ai ieu ioy e pretz 20 

e m'en fauc ricautz a sazos 
a guiza de paubr'ergulhos. 

De totz drutz suy ieu lo plus fis, 

qu'a midons no die re ni man 

ni'l quier gen fait- ni bei semblan ; 25 

cum qu'ilh m'estey, 
SOS drutz suy et ab lieys dompney 



4. Que B. — nom N. — 5. sol J. — 6. nauez per mon tort N. — 7. des- 
chai B. — 9. lai /. CR. — zwischen lai und ab ist in D JK qeu li dei, in D 
noch weiter com sagues fag eingeschoben. Der Schreiber ist in die 4. Strophe 
gerathen. -— i.] honors C. honor R. — 10. quels CD. — sieu conort R. — 
11. De ABDJKN. — far] sai CR. 

13. sieu CDJK. — len AB. lin N. — 15. dieus R. — 16. quan C. — 
18. neschai ABDJK. nechai N. - 20. Epero sim ABDJKN. — ieu /. 
ABDJKN. — 2J. ricx gaug R. — 22. del D JK. — paubre ielos AB. paubres 
geillos N. 

24. Car ABDJKN.'— re vor midons ABDJKN. — n. d. n. m.] plus 
non deman AB. — 25. g.] en AB. bei C. ben R. — b.] en AB. gen R. — 
26. On C. /. R. — que ABN. quieu R. — m' /. CR. — 27. Son NR. — a. 1.] 
aillors B. 

Appel, Peire Rogier. 4: 



46 

totz celatz e cubertz e qaetz, 
qu'ilh no sap lay 
so lo ben quem fai, 

ni cum ai per Heys ioy e pretz; 
ni's tanh que ia'l sapch' enuios, 
qu^ieu suy sai sos drutz en rescos. 

Anc ieu ni autre no'lh o dis, 
35 ni elha non saup mon talan, 

mas a celat Tam atretan — 

fe qu'ieu li dey — 
cum s'agues fait son drut de mey; 
re no'm quäl, que ia l'am eis setz — 
40 doncs amarai 

so qu'ieu non ai? — 
oc, qu'eyssamen n'ay ioy e pretz 
e son alegres e ioyos, 
quant res non es, cum si uers fos. 

45 Per s'amor uiu, e se*n moris, 

qu'om disses qu'ieu fos mortz aman, 
fait m'agr'amors honor tan gran, 

qu'ieu say e crey 
qu'anc a nulh drut maior non fey; 
50 vos jutgatz, dompna, e destrenhetz! 

car s'ieu m'esmay 
e si mal tray^ 
ni muer per uos, ioys m'es e pretz: 



28. Tot N. — cubertz e celatz (celans C) CR. — 30. So quieu pens sai 
R. — 31 bis 33 /. R. — 31. ai] a C. — ioys CD JKN. — 32. Non CR. Nim 
DJK. Ni N. — sapcha ni uos CNR. sapchel ni uos DJK. — enoios AB. — 
33. SOS drutz sai DJK. — en] a BC. — entrescos JK. 

34. ünc N. — ieu /. N. — non lo D JKN. non Ioy R. — 35. sap D J. — 
36. selar D, — atrestan R. — 37. 38. nur Fe D ; die fehlenden Worte sind die 
in V. 9 irrthümlich eingeschalteten. — 39. E non (nois AB) taing AB D JKN. — 
quieu AB JKN. — lam issetz C. la meissez (meissiez J) DJK. — 41. que 
ABDN. — 42. D. — qatressim AB D JKN. eysamen R. — e i. e p. A. -t- 
43. /. AB. Lücke dafür in N. — Quieu son DJK. — 44. re R. — Sitot 
non ai ABDJKN. — In DJK 43 u. 44 umgestellt. 

45. sim D JR. — 46. suy C. — ham D. haman K. amans R. — 47. Faitz 
R. — magra amors AB. magra mortz CR. — 49. Que CR. — nulh] negun 
DJKN. — m.] mais tal AB. tant DJK. tal N. — 51. Quieu sen lesmay CR. — 
52. Ni ABDJKN. — 53. Ni /. N. — mes] mer ABDJKN. — ioi NR. — 
e/. R. 



4'^ 

de uos m'es totz mals bes, dans pros, 

foldatz sens, tortz dregz e razos. ss 

leu mal que mal 

ma donn^ ieu sai 
que uos mi donatz ioy e pretz; 
e uuelh mais morir ad estros 
ia*l sapcha negus hom mas uos. eo 

Bastart, tu uay 

e porta*m lay 
mon sonet a mon Tort-n'auetz ; 
e di'm a n'Aimeric lo tos 
membre'lh dont es e sia pros. es 



4. 

Gr. 356, 5. 

In acht Handschriften wird uns dieses Lied überliefert, in C 
193, D 153, J 13, K 3, M 194, R 26, T 210 und in D^ welches 
ich nicht benutzen konnte. Beide Tomaden fehlen in MT, die 
zweite auch in R, ausserdem ist die Reihenfolge der Strophen in 
R verschieden von der der anderen mss., nämlich 1, 2, 3, 5, 7, 
6, 4, 8. 

Die Handschriften theilen sich zunächst in 2 Gruppen: DJK 
und CMRT. Gemeinsame Fehler der ersten Gruppe sind in vv. 7, 
27, 52. In der zweiten wird v. 13 aissi aus 14 eingedrungen, von 
MRT sodann in aisso abgeändert sein, von minderem Gewicht sind 
V. 11 (tot) und V. 44 (samor). Beide Gruppen weichen auch in 
w. 6, 16, 19, 32, 33, 39, 55 von einander ab. 

Eine nähere Zusammengehörigkeit von JK gegenüber D zeigen 
Varianten in 3, 6, 19, 20, 26, 39, 52. Von den anderen treten 
sich MT nahe (vv. 4, 18, 24, 25, 44 und gemeinsames Fehlen der 



54. bo C. bos R. — dars AB. — 55. ses ABJN. sez K. — e tortz D. — 
totz AB. tot N. — e dr. r. G. e dr. e r. J. — rasizos K. 

56—65 /. R. — 56. = 57 A. — Del mal quieu ai AB. — 57. = 56 A. — 
Mas BCN. — 59. Eu u. DJK. — mais/. JK. — estors ABJK. — 60. Gal 
DJK. — mas] ni DJKN. 

61. Castart N. — 63. tortz B. — 64. tos] ros C. cos (?) D. — 65. sia] 
sera AB. — Quelh membre dont elh sia pros C. 

4* 



48 

Tornaden). R gehört nach 1, 2, 5 zu ihnen ; dagegen sind die mit 

C gemeinsamen Lesungen in 18, 32 minderwerthig. 

Gedruckt findet sich das Lied in den 6ed. 1055, 1056 nach CM. 

Non sai don chant, e chantars plagra'm fort, 
si saubes don, mas de re ncm sent be, 
et es greus chans, quant hom no sap de que; — 
mas adoncx par qu'om a natural sen, 
5 quan sap son dan ab gen passar saffrir, 

quar no's deu hom per ben trop esiaazir, 
ni ia per mal hom trop no's desesper. — 

Mas tot quant es s^aclina uas la mort, 
que prezas tu tot quan fas? ieu no re; — 
10 ni?is so ditz hom, qu'auols es qui's recre, 

per qu'om deu far tan gen contenemen, 
que no'l puesc' hom mal dir ni escarnir; 
per so die ieu que no*s deu hom giquir 
aissi del tot, qui'l segle uol tener. 

15 Fort estai be qu'om chant e que*s deport. — 

00, quan n'es luecx ni temps que s'esdeue. — 
e quoras doncx? uols o dir ges per me? — 
sapchas qu'ieu hoc, quar us grans dols m'en pren, 
quar ditz totz ioms que rir uols e bordir, 

20 toi te d'aisso, ia t'er tost a morir. — 

e laissarai per so mon ioy-auer? 

1. N t C. — chantar MRT. — plagra mi T. — 2. Sieu T. — saupes MR. 
sabes T. — d. r.] ara M. — non DMRT. — sai MRT. — be] re R. — 
3. Es es T. — greu JKT. -— grieus es M. — chan R. — 4. adone MT. — 
com .. A . . naturall sen T. — 5. suiFrir] cubrir MRT. — d. gen paysser e 
c. R. — s. passar son dan ab gen s. C. — 6. Que DJK. — noys C. nous 
T. — trop ben JK. — Ni h. p. gran be nos d. e. R. — 7. trop] fort DJK. — 
h. t. n. d.] nos deu trop desesperar T. — N. p. gran m. h. n. d. R. 

8. Pus R. — 9. Quan C. /. R. — pre^at? T. — i.] quieu C. — 10. Enas (?) 
T. — dis DJK. dir^ (?) T. — 11. tot bei captenemen CMR. tot^ bels capte> 
nimen T. — 12. nol /. J. — Com n. puesca R. — 13. Aissi C. Aisso MRT. — 
nous T. — h. n. d. R. 

15. esta DJKMT. — 16. ET. — ner DJK es RT. — ni] e T. — 
17. cora DJKR. — uol so JK. uol o M. — dire R. — ges /. R. vor dir 
CT. — 18. ieu CR. — dols] iois DJ KM. — un gran ioy R. uns gioi grans 
T. — mi M. me T. — 19. Can DJK. — tot iora R. — q. r.] corrir T. — 
rirs D. ris JK. ioys R. — uol o M. — 20. Tolre JK. — daco R. — iaeer D. 
ia tes R. — to«t] obs R. alle anderen Hdss. tot. — 21. laissat ai J. laisserai 
M. laierai T. — non T. 



49 

Si ioy non ai, don aurai doncx confort? — 

e quäl ioy quiers? — de Heys cuy clam merce. — 

folhs yest. — per que? — per dieu, trebalhas te, 

ni per aquo ... — fai doncx ! — mas per nien 25 

te'n entremetz. — tu que saps? — aug lo dir. — 

saps tu que? — fai! — laissa me tot guerir. — 

ieu uoiuntiers, e fai tot ton plazer. — 

Tost uenra temps, que conostra son tort. — 
aqui t'aten. — si fatz ieu per ma fe. — 30 

fas ton taian, mas ieu non cug ni cre 
* tan quan uiuras n'ayas nulh iauzimen. — 
non dis per als, mas quar m'en uols partir. — 
ieu hoc, per so quar no t'en uey iauzir. — 
e ia saps tu qu'als non ai en poder. 35 

Mos cors no'm ditz qu'ieu ab antra m'acort. — 

quar ben as dreg pel gran ben, que t'en ue. — 

er o fara. — e quoras? — erasse. — 

ben estara si uers es, mas si't men, 

tu que'n faras? — am mai lo sieu mentir 40 

qu'autra uertat. — mal hi saubist cauzir, 

qu'ieu non pretz ren mesorgua contra uer. 

22—28 = 43—49 R. — 22. doncx] don M. — conort C. — d. a. d. c] 
tot naurai doncx honor R. — 23. cier T. — 24. y.] es MT. — e dieu C. a 
dieu R. per dieus T. - trabagliar T. — 25. Ni /. T. — aisso MT. — f.] 
mas M. fas R. ma T. — 26. entremetes R. — que saps tu C. ni que saps JK. 
6 que saps R. tu qa sab T. — Ioy C. R. lor T. — 27. Sap M. Sas T. — 
que tu fai (fac D) D JK. — laissam del R. — T springt von tot v. 27 auf das 
V. 28 und schreibt tutom plazer. — 28. vgl. v. 27 T. 

29—35 = 22—28 R. — 29. Tot alle Hdss., nur J: Got. — ueirai C. — 
c. s.] contras ton R. conoisera son T. — 30. Aqieu T. — tatem JK. — 
A. t.] Que res nö tems R. — 31. F. t. t.] Aco q dey R. — crey R. — 
32. com DJK. ca T. — uiuas CR. uiura T. — nauras T. — 33. Nol DJK. 
Non T. — me M. — 35. ia /. R. — sapchas R. sap T. — tu /. R. — q. ieu 
n. ai ges p. C. 

36. Moscar (?) T. — nom] me R. — q. a. a.] canbautra T. — 37. pels 
grans bens T. — qi M. — que ten ue /. D. — 38. /. D. — so CM. — erlasse 
C. arase JK. er de se M. — E ilh ca fag e fara ioc desse R. El sofra en cor 
as eras be T. — 39. Ben /. D (der Schreiber ist von ben v. 37 auf dieses ge- 
sprungen). — estera JK. istera T. — es /. T. est K. — mas] e DJK. — 
si M. — vers bis men] ves en marrimen R. — 40. quen] ce T. — mais am 
T. — 41. m. h.] mas il T. — saps doncx C. saubes DJT. sabes KM. — 
42. Qe R. — mensonia DJKM. messonia R. mensogna T. 



50 

Per s'amor uiu, e s'amors m'a estort 
de la preizon, e s'amors m'a mes fre, 
45 que no'm eslays uas antra, si'm rete; 

e per s'amor ai tot mon cor iauzen, 
e'm part d'enueg, e'm platz quan puesc semir, 
e ualon mais de lieys li lonc dezir 
que s'auia d'autra tot mon uoler. 

50 Lo uers tramet e uuelh que si prezen 

mon Tort-n'auetz, si'l play que'l denh auzir, 

que totz lo mons li deuri' obezir, 

quar mal que tot uol bon pretz mantener. 

E si dons Santz m'a fag descauzimen, 
55 mieus es lo dans et er lo'm a sofrir, 

et el no's poc de plus enuilanir, 
e per uilan lo deu hom ben teuer. 

• 

5. 

Gr. 356, 9. 

Von den 7 Handschriften diese» Liedes: C 194, D 154, Ü% 
E 174, J 13, K 3, M 196 stand mir D« ^wieder nicht zu Gebote. 
Unter den anderen zeigen sich als verwandte zunächst die mss. 
DJK und die mss. EM; für jene vgl. vv. 5, 14, 41, für diese 19, 
26, 33, 48. JK treten sich noch näher durch vv. 6, 20, 23, 28, 
30, 37. EM mit C zu einer Gruppe zu vereinen kann man in 
V. 14 und 48 Veranlassung finden; mit DJK stimmen beide nur 
in deid unbedeutenden Flexionsfehler v. 25 iiberein, E allein ausser- 
dem in der kleinen Variante v. 32. Für v. 26 allerdings mag der 
Schreiber von M die Lesart von DJK vor Augen gehabt haben. 

Gedruckt ist das Gedicht bei Rayn. ILT, 34 und darnach W. 1, 122. 



43—49 = 36—42 R. — 43. i. s'a.] samors C. — 2. s'a.] samor DMR. 
per samor T. — maistort T. — 44. la] gran MT. — e] en T. — samor 
CMRT. — 45. ER. — enlaix T. — sem T. — 46. cors giaze T. — 47. par 
M. — p^ d'e.] platz dompneys C. — 48. li] los T. — E plazom may per uer 
li siei sospir R. — 49. sauria D. • 

50-57./. MT. — 51. d.] uuelh C. dreig D. — 52. Qui DJK-. CarR. — 
tot lo (li D) mon DJK. — li] la CR. — bezir J. o bezir (o von späterer 
Hand) K. — deuria seruir C. — 53. q. t.] dautra C. 

54 — 57 /. R. — 54. dous sautz C. donz fanz D. donsanz JK. — 55. es] 
er DJK. — 56. ylh nom C. — del DJK. - 57. lo] len DJK. — hom] len D. 



51 

Tant ai mon cor en ioy assis, 

per que no puesc mudar no'n chan, 

que ioys m'a noirit pauc e gran; 

e ses luy non seria res, 

qu^assatz uey que tot Tals qu'om fay s 

abaiss' e sordey' e dechai, 

mas so qu'amors e ioys soste. 

Lo segles es aissi deois 

que perdut es quant Tauol fan, 

mas ab los pros uay pretz enan; lo 

et amors ten se ab los cortes, 

e d'aqui son druit cuend' e guay, 

perque's te ioys que tost non chai, 

qu'estiers d'els mais hom no'l mante. 

Si'l ioys d'amor no fos tan fis, 15 

ia non agra durat aitan, 

mas no y a d'ira tan ni quan, 

que'l dans n'es pros e'l mals n'es bes 

e soioms, qui plus mal en tray; 

demandatz cum! qu'ie'us diray: 20 

quar apres n'aten hom merce. 

Pauc pren d'amor qui no soMs 

l'erguelh e'l mal e*l tort e'l dan, 

qu'aissi fan silh que re n'an; 

guerra-m sembla, qu'amors non ges, 25 

quan son li mal e sai e lai, 

e non ai dreg e'l fieu qu'ieu ay, 

s'al senhor don mou, mals en ue. 

1. Ta(nt) t E. — e. 1. m. c. E. — 2. n(o) f E. — mon chan D. — 
3. ioi D. — ma no(irit) f E, — A, res -f E. — 5. Assatz DJK. Quas(satz) 
t E. — 6. Abiasse JK. — (Abai)sse sor(dege) f E. — 7. e] K. — soste f E. 

8. Le M. t E. — segle C. 8e(gles) f E. — 9. quant f E. — lad D JK. — 
10. uei M. — (pr)etz f E. — 13. ioi E. — toz DK. tot JM. — 14. del CE. 
dell M. — mais] mon M. — nols DJK. — soste alle mss. 

15. ioy CDE. — 16. aitan] un an E. — 17. noilhaM. -— 18. donz D. — 
19. E senhor E. Ell seinhor M. — e. tj enten E. — 20. Demandanz JK. — 
qes M. 

23. el t. el m. JK. — t. el] e D. — 24. selhs C. sels DEJK. — 
25. Qerram (?) D. Guerran E. — camor DEJKM. — noi es E. — 26. Tan 
EM. — li / D JKM. — 1. e] de D JKM. — e de lay DJKM. — 27. ha E. — 
fieus M. — 28. seigner JK. —.mal M. 



52 

Amors ditz uer et escarnis, 
30 e dona pauza e gran afan 

e franc cor apres mal talan; 

huey fai que platz, deman que pes. — 

e doncx que'n diretz qu'aissi uay? — 

que Costa? que tot torn' en iay, 
35 pueys apres no y a re mas be. 

Membra'm aras d'un mot qu'ieu dis. — 
e quäl? — non uuelh qu'om lo*m deman. — 
no Fauzirem doncx? -:- non onguan; 
no'us er digz ni sabretz quals es. — 
40 no m'en qal, qu'atressi m uiuray. — 

si'us uiuetz o*us moretz, so say, 
no Costa re midons ni me. 

Mon Tort-n'auetz en Narbones 
man salutz, si tot luenh s'estai, 
45 e sapcha qu'em-breu la ueyray, 

si trop grans afars no*m rete. 

Lo senher, que fetz tot quant es, 
salu e guart son cors cumsi's fay, 
qu'ilh mante pretz e ioy ueray, 
50 quan tot' antra gens s'en recre. 

6. 
Gr. 356, 4. 

Nicht alle Handschriften dieses Liedes (A 107, C 194, D 3, 

J 13, K 3, M 195, 43, R 6, S 180, T 209, c 84) enthalten 

sämmtliche Strophen, und auch die Reihenfolge der überlieferten 
weicht ab; es stehen in: 



29. Amor DE. — 30. dona] de D. — p. e] pausen JK. pausab M. — 
32. Cr D. Oi JK. — beidemal qm DEJK. — 33. que DJK. — aiisim E. 
quaissim M. — 34. Qui D. — iomenai M. — 35. Puey D. — res M. 

36. d'u. m. a. M. — que C. queus D. q M. — 37. tal JK (tal oder cal 
E). — quo C. — 38. Nom D. — oga D. — 39. Non M. — es] ses E. — 
41. GUS] e DJK. 

44. Me C. Maint M. — 46. nomen te C. nom te D. 

47. Le M. — qi M. — 48. Guart lo cors de Heys G. Gart lo cors E. 
Gart el sieu cor M. — si se EM. — 50. Q. t.] E quant E. — gen CD. — 
si CE. • - 



53 



ir 



CS 


12 345678 





1 .2 3 4 5 6 7 


T 


12 3 4 5 


A- 


13 5 4 6 7 8 


DJK 


13 5 4 6 7 


M 


12 5 3 6 7 


R 


12 3 6 7 4 


c 


12 5 6 7 3 



Aus Vorstehendem ergeben sich zunächst zwei Gruppen: COST 
und ADJK. Die Lesarten bestätigen dieses Verhältniss, vergl. 
vv. 1, 2, 6, 18, 19, 21, 23, 26, 27-33 etc. 

In I ist das Verhältniss der mss. untereinander nicht ganz 
klar. V. 27 und 37 hat T Uebereinstimmungen mit U, COS gegen- 
über, so dass es diese einer besonderen Untergruppe zuzuweisen 
scheint, geht mit S gegen C in 22, 41, 46, mit C gegen S in 
56 und es steht mit II gegen CST in v. 1 und 2 (gue). 

In n sondern sich auf Grund der gemeinschaftlichen Fehler 
in w. 34, 44, 46 DJK, von ihnen durch vv. 7, 21 wieder JK aus. 

Mit weniger Sicherheit ist das Verhältniss der übrigbleibenden 
MRc unter sich und zu den anderen mss. zu bestimmen. 

In Mc fehlt Strophe 4, die in R ans Ende gestellt ist. Beim 
Tergleich ergiebt sich leicht die Uebereinstimmung von R mit 
Gruppe n (vv. 26, 28, 29). Da in den anderen Strophen R eher 
I nahe steht, wird man schliessen dürfen, diese habe wie in Mc 
auch in R gefehlt, sei dann aber nach einer der Gruppe II nahe- 
stehenden Hds. hinzugefügt. 

Ausserdem weichen MRc von einander in Stellung und Les- 
arten der dritten Strophe ab. v. 18 steht M zu II, Rc zu I; 
ebenso v. 23 M zu II, während R und c eine selbständige Stellung 
beiden Gruppen gegenüber einnehmen, wohl aber auf gemeinschaft- 
liche Vorlage zurückgehen, wie dies mit uai in v. 24 sicher der 
FaU ist, wo M mit es wiederum zu II steht (vgl. weiter v. 42 o 
ieuy V. 48 5* R = c gegenüber M, dagegen 48 fas M = c : R). Alle 
drei Handschriften lesen wie II in v. 21, Mc in 24. 

Darf man MRc von einander trennen um M zu Gruppe 11 zu 
stellen? Ausser dem gemeinschaftlichen Fehlen von Str. 4 und 
ausser dem angeführten v. 21 spricht dagegen v. 6, wo alle drei 
mit totz resp. tot zu I stehen, femer das Vorhandensein der zweiten 



54 

Strophe, die in II fehlt; und ebenso wenig lässt sich Rc ganz zu 
I ziehen, wie ausser v. 23, 24 nooJi v. 13 in der zweiten Strophe 
zeigt (v. 8 ist auch der Flexionsfehler bes allen drei gemein). 
Bleibt aber MRc zu einer Gruppe vereint, so wird man diese I 
näher als U stellen müssen, denn erstens fehlt ja 11 die zweite 
Strophe, femer schliesst sich an mehreren in I und II von einander 
abweichenden Stellen MRc an I an (w. 6, 19, 33, 34). Diesem 
Yerhältniss widerspricht aber ausser den bereits oben angeführten 
Stellen der dritten Strophe in M noch vv. 1, 2 (a : ntUh\ 55 
(e : mos). 

Eine Lösung der Widersprüche erhält man durch die Annahme, 
dass wie Str. 4 auch Str. 3 in der gemeinschaftlichen Vorlage von 
MRc gefehlt habe (man beachte ihre Stellung in c am Schluss des 
Gedichtes, wie wir in R die vierte Strophe fanden), und dass sie 
in M nach einer der Gruppe H, in Rc nach einer der Gruppe I 
nahestehenden Handschrift zugefügt worden sei (v. 19 del man in 
M zeigt, dass die Vorlage nicht eine der vier Hdss. von 11 war). 
Zugleich aber hätte der Schreiber an mehreren Stellen des übrigen 
Textes, wo er Abweichungen zwischen seinen beiden Vorlagen sah, 
die Lesarten der Gruppe II adoptirt (w. 1, 2, 55). 

Von allen Liedern unseres Dichters ist dieses am häufigsten 
gedruckt, es findet sich Chr.* 81 ff. (nach CJM), Lesebuch 63 
(nach JMR), Choix V, 331 (nur 3 Strophen: 1, 6, 7), Lexique I, 
327, Werke I, 123. Ausserdem sind zwei Citate daraus im bre- 
viari d'amor (v. 29825 ff., 31619 ff. der Ausgabe und in den Ge- 
dichten I, p. 202 f., 215)^ gedruckt^). Ich bezeichne diese Citate 
in den Varianten mit a. 

Zu* bemerken bleibt, dass das Gedicht in S dem Cu/re 
rodel de blaia zugewiesen wird und in ohne Angabe eines Ver- 
fassers steht. 

Ges non pnesc en bon uers. fallir 
nnlh' hora qüe de midons chan; 

Die beiden Publikationen weichen oft von einander ab; wo dies der 
Fall ist, habe ich hier und in der Folge in Parenthese angegeben, in welcher 
Yon beiden ich die Variante zu meinem Texte fand. 

• 

1. Des 0. — e. b. u. n. p. ADJKMO. — 2. AI ADJK. Sei R. — Aloras 
M. — quieu CR ST. — midon 0. midos T. — 



55 

cossi poiri'ieu ren mal dir? 

qu^om non es tan mal essenhatz, 

si parl'ab Heys un -mot o dos, 5 

que totz Ullas non tom cortes; 

per que sapchatz be'que uers es, 

que'l ben qu'ieu die tot ai de Hey. 

De ren als no pes ni cossir 

ni ai dezirier ni talan, 10 

mas de- lieys quo'l pogues seruir 

e far tot quant Fes bon ni'l platz, 

qu'ieu non cre qu'ieu anc per als fos 

mais per lieys far so que*l plagues, 

que be say qu'onors m'es e bes 15 

tot quan fas per amor de Hey. 

Ben puesc los autres escarnir, 

qu'aissi'm suy sauputz trair'enan 

que'l mielhs del mon saupi chauzir; 

ieu die e sai qu'es uertatz; 20 

ben Ieu manz n'i aura gelos, 

que diran:' menz e non es res; 

3. E cum Ac. Com D. cöe R. — poiria hom A. poiriä ieu CT. poirio D. 
poiria JEM. poirieu 0. poirie ieu R. porieu S. poirian c. — r.] doncx R. 
ges T. — 4. Qe hon c. — 5. am RT. — de Heis parla A. — mut^ T. — 

6. totz] ses ADJK. tot OR. tut T. — uilan OT. uila R. — tor T. — 

7. que] ö R. T. — sapcha JK. saschaz 0. sapciat T.' sai e c. — be] totz R. 
cre c. — 8. bes MRc. — Tot qät eo 0. — »i tot (totz R) CRS. es tut T. tot es c. 

9 — 16 /. ADJK. — 11. q.] con la T. — d. bis p.] com lieys pusca gen 
R. qel pogues en grat c. — serur T. — 12. Ni 0. — t. q. 1. b.] so quel es 
bei R. tot calies ops T. e dir tot quant leis c. — nil /. c. — play R. — 
13. Que RT. — cug M. — ans T. — q. a. p.] que per ren Mc. quieu per res 
R. — al 0. — • 14. lieis] so T. — p. 1. f.] per far tot M. qa leis fes c. — s. 
q.] calieis T. — 15. Cieu T. — E sai ben M. E car say R. Per que sai c. — 
es M. — 16. Totz M. — q. eu f. 0. — fais c. — amo C. 

17. Jeu a (Aza'is, Ben Ged.). — p.] dey R. — 18. Car aissim ADJK«. 
Qar en aissim M. — saubi ADJKMa. soi sabuz OT. — far ADJKRa (Azws). 
traer S. — auant Da. auan JK. enant^ T. — 19. Que ADJK Sa (Azais): — 
mielb M. miegll T. — d. m.] que tuich A. que tuit DJK. que tugz a. — 
Que de totas ay lo R. — sernir 0. — 20. Eus R. Qeu T. So 0. Leu a. — 
o] uos T. mo a. — e] quar a. — qu'es] ce T. — uertat 0. ueritatz a. — 
21. Pero CO ST. — motz JKa. — ni aura mainz (mout M) AM. — Ben co- 
nosc ce mort maural g. T. — ianglos c. — 22. Qi MOS. Quem a. — ment M, 
meins T. mez 0, — e] qe c. — noi M. ~ r.] gies T. — 



• 



56 



no m'en cal ni d'aco no m'es, 
qa'iea say ben cossi es de liey. 

25 Greus m'es lo mals tragz a sufrir 

e'l dolors, qa'ay de Heys tan gran, 
don lo cors no'm pot reuenir; 
pero DO'm platz autr'amistatz, 
ni mais iois no m'es dous ni bos, 

30 ni no uuelh que'm sia promes, 

que, s'ieu n'auia cent conques, 
ren no'ls pretz mais aquels de liey. 

Bona dompna, souen sospir 
e trac gran pena e gran afan 
85 per uos, cuy am mout e dezir; 

e car no'us uey, non es mos graz; 
e si be m'estau luenh de uos, 
lo cor e*l sen uos ai trames, 
si qu'aissi no suy on tu'm ues, 



40 



23. /. 0. — cal /. D. — d'a.] daiso A. da^o D. daqel M. — Daisso nom 
(non T) cal ni nom (non T) es ges (res T) CST. A me qe cal ni qins dans 
lües R. Mi qen cal qe dels non ies ges c. — 24. s. b.] me (mi OS. mo T) 
say CORST. — qaissi M. cossis R. cum me c. — ses CO ST. uay Rc. 

25—32/. Mc. — 25. Greu CDJKST. — los D. — maltraitz AO. mal 
trag CT. mal traz S. — Mot mes greus lafä a s. R. — 26. dolor TR. — de] 
per ADJKR. — mout ADJKR. — 27. cor T. — non D. — nom pot lo cors 
CS. no poc lo cor 0. — On nos pot mos cors esiauzir R. — 28. Per nuill plai 
dautras (ni lautr DJK) ADJK. Per plag de nulh autr R. — .amistat OR. — 
29. N. m.] Cautre ADJK. Autre R. — mer T. — d.] bels R. — 30. q.] iam 
ADJK. me R. qen S. — 31. E ADJK. Car R. — . cent] .M. R. — concis 
T. — 32. non T. — mais /. 0. — cels qai A. sei cai DJK. aicels 0. als q 
T. — de /. T. 

33— 40. y. R. — 33. Doussa ADJK. — per uos C. souenz 0. /. J. — 
s. plane e s. 0. — 34. En ADJK. — i. gran] greu D JKS. — 2. gran] greu 
OT. — 35. De T. — tant M. — E qar plus souen nous remir c. — 36. Qe 
si M. E ca T. — nos MO. — Ben sapchaz qe nö es mos graz c. — 37. Mas 
CO Sc. — be] tot M. — si bis uos] pero ades soi ab uos c. — 38. Qel c. — 
uos] uo C. — 39. qaici S. cait^ T. — tu M. 

40. ACDJK: Eis bes qeu ai totz Ai de liei 

el A C. — ben C. — qe D. — tot A. — es C. 
OST: E zo qeu ai tot es de lei 
cho S. — es tut T. 
M: Mas so qe tu ueis tot es de leis. 
c: Que tot es en poder de leis. 



57 

Alias! — que plangz? — ia tem morlr. — 

que as? — am. — e trop? — ieu hoc, tan 

que'n muer. — mors? — oc. — non potz guerir? — 

ieu no. — e cum? — tan suy iratz. — 

de que? — de Heys, don sui alssos. — 45 

sofre. — no'm ual. — clama'l merces. — 

srm fatz. — no*y as pro? — pauc. — no't pes, 

srn tras mal. — no? — qu'o fas de Hey. 

Cosselh n'ai. — quäl? — uuelh m'en partir. — 

no far! — si faray. — quers ton dan. — 50 

que'n puesc als? — uols t'en ben iauzir? — 

.oc mout. — crei mi. — era diguatz. — 

Sias humils, francs, larcx e pros. — 

si;m fai mal? — sufr'en patz. — suy pres? — 

tu oc, s^amar uols; mas si'm eres, 55 

aissi't poiras iauzir de Hey. 

Mon Tort-n'auetz mant, s'a Heys platz, 

qu'aprenda lo uers, s'il es bos; 

e puois uuelh que sia trames 

mon Dreit-n'auetz lai eu Saues, 60 

dieus salu e gart lo cors de Hey. 

41—61 /. T. — 41. Jalas 0. — quet Ca. — plaing ADJKOSc. plans 
a. — laissim C. qe tems M. temi R. la tem S. ge tem c. — muri R. — 
42. Quez a. — e /. 0. — uioc 0. ieu Rc. — 43. Qien A. Qe MOc. — 
mors /. S. — ieu oc M. — non /. M. — puosc A. poc 0. pot S. — carir 
0. — 44. J. bis c. /. D JK. — Su 0. — e] 0. — - e c] per que R. — Tant 
fort eu sui moms et i. A. — 45. on M. — aichos c. aysshos a. — 46. Sofri 
C. Soffi-a OS. — non DM. — clama A. clam DJK. clamar M. — merce R. — 
47. Si S. — non ADJKR. — ai DJK. — 48. S. bis m. /. 0. — Si RSc. — 
no qua c. no que a. — fai A. — no quas fai (fa R. faz .S) CORS. 

49. n' /. CORS. — qals S. qar c. — 50. far] fara S. fas c. fay a. — 
serai 0. — q. t.] qeis tan c. — 51. Qem MS. Non R. — puos A. — a.] may 
R. /. D. — uol 0. — bon D. mot R. — chausir 0. — 52. mout] doncs R. — 
cre ADJKO. — aram ADJKa. aras MR. — 53. Sials S. — frain (?) D. — 
larcs francs ca. — 54. E sit A. Sit De. E sim JERa. Sin S. — fan S. — 
tort M. — sofrel en A. fueflfre en M. suefri R. sobre en a. — e. p.] sos 
pes R. — patz] pauc c. — 55. Tu /. c. — Oc tu R. — si amar C. — mas] e 
AD JEMa (Azais). mays R. mal S. may a (Ged.). — sim] im A. — creis D. — 
56. Aissi COa (Azais). Ayssitz a (Ged.). — poyrias a. — p. i.] lausar poiras 0. 

57—61/ DJEMORTc. — 57. Tomauetz S. — prec C. — 58. Qan- 
prendai S. — lo /. S. — si C. se el S. — bon A. — e. b.] bos es C. — 
59. p. u.] si uol C. — 60. Dreit na Heys C. — e. S.] on ill es A. — 61. Deu 
S. — sal C. 



58 



7. 

Gr. 356, 3. 

Das Gedicht ist überliefert in A 108, C 195, D 136, E 174, 
J 14, K 3, M 196, R 27, T 211. Diese Handschriften zerfallen- 
nach den Varianten in vv. 21, 27, 31, 32, 38, 42 zunächst in die 
Gruppen ADEJK und CMRT. In der ersten gehören JK nach 
vv. 7, 10, 36, 41 zusammen, zu ihnen tritt D, wie gewöhnlich . bis 
in die Orthographie verwandt. E lässt mit D JK v. 3 aus, vermeidet 
aber im übrigen mehrere Abweichungen, die auch A theilt (vv. 21, 
31, 32), so dass seine Stellung in der Gruppe nicht zweifellos ist. 

Von den anderen Hdss. steht R nahe zu C (s. vv. 3, 28), T 
zu M (s. vv. 23, 24, 37, 43 und das Fehlen der fünften Strophe). 

Gedruckt findet sich das Lied bei Rayn. III, 36 und darnach 

W. I, 118. 

Entr'ir' e ioy m'an si deuis, 
qu'ira'm tolh maniar e dormir, 
e ioys ml fai rir' e bordir; 
mas rira'm pass'al bon conort, 
5 e'l ioys rema, don suy iauzens 

per un'amor qu'ieu am e uuelh. 

Dompn'ay. — non ay. — ia'n suy ieu fis! — 
no suy, quar no m'en puesc lauzir. — 
tot m'en iauzirai, quan que tir. — 
10 oc, ben Ieu, mas sempre n'a tort. — 

tort n'a? qu'ai dig! boca, tu mens 
e dis contra midons erguelh. 



E durch Ausschneiden verstümmelt; v. 1 — 6: Entrir .... man . . . . e dor- 
mir. mas .... el ioi rema de .... quieu am euue . . 

1. ira AMT. — iois M. — 2. Qiraem M. — Quem tele R. — 3. /. 
DE JK. — E /. R. El T. — gioi T. — e b.] esbaudir C. e esbaudir R. — 
4. E MRT. — passal] toi lo R. — bei MT. — conor JK. — 5. ioy CERM. 
gio T. — d. s.] de sai AD. — son M. — gausen T. — 6. una mulier T. — 
que D. — Reim -uoill in ADJKT. 

7—12. E: Dompnai nö a quar nome pues rai qan que tir. 

00 toi't. tort nai cai d contra midons ergu .... 

7. Donna MT. — Dona no say R. — iam JK. — son DJK. — s. i.] 
sieu R. — 8. son D JKMT. — 9. iauzirai D. — que] o M. co T. — 10. Ben 
Ieu oc JKR. — 11. Torna cas R. — n'a] nai EJ. — 12. arguogU T. 



59 

Bona dompna, per qne m'ancis? — 

ara*m podetz auzir mentir, 

que re no'm fai per que m'azir. — 15 

non re, si m'a per pauc tot mort? — 

ben suy folhs e fatz es mos sens, 

quar ia die so per que la'm tuelh. 

Molt am selieys que m'a conquis. — 

et elha me? — oc, so Tau dir. — 20 

creirai son dig senes pleuir? — 

oc ben, ab sol que'l fagz s'acort, 

e m'atenda totz mos couens 

e qu'ieu n'aya plus qu'ieu no suelh. 

Per Heys aic ieu ioy, ioc e ris, 25 

mas ara'n planh, plor e sospir; 

e'l mals, que m'es greus a sufrir, 

toma'm a doble en deport; 

pauc pretz lo mal que*l bes uens, 

que plus m'en ri que no m'en duelh. so 

De luenh li suy propdas uezis, ' 
qu'amicx non pot nulhs hom partir, 
si'l cor se uolon cossentir; 
tot m'es bön quant hom m'en aport. 



13. quieu R. — 14. Eram M. Arm T. — 15. res R. — non D. no R. — 

fas M. — qem nazir M. qem ayzir R. eleu löasir T. — 16. re] te D. /. R. — 

m' / alle Hdss. — tot /. J. — a. p. p. t.] agrab pauc del tot R. — mor A. — 

17. suy/. T. — e f.] estat? T. — f. e.] fatzeis D. — mon sen T. — 18. ja 

/. R. — dis C. dit T. — ayso R. — qellam DJK. qieu lam R. 

19. sela R. — qui CM. — 20. E yeu neys leys R. — soill aug A. sollaug 
DJKM. so laug ERT. — dir/. J. dire T. — 21. E retrai D. E creyray R. 
Crerai T. — sos T. — dir ADJK. ditz M. — ses R. sens T. — 22. a. s. q.] 
sol cab lo R. — faitz A. fag CJKR. fags D. fait E. fatz M. fat^ T. — 
23. E qe m. MT. — totz /. MT. — 24. Si MT. — qe MR beidemal. — 
mais MT. 

25—30 /. MT. — 25. ai CDEJKR. — ieu/. R. — ioc] plazer R. — 
26. aram plor plaing A. er plor e plane R. — 27. que /. E. — mer ADE JE. — 
^ns per R. — 28. Tomab la doussor A. Mas ab (^r R) lo be tom CR. — 
29. pres C. — be lo R. — 30. 1. men] en A. — ri] iau C. 

31. prodans ADJK. pröpdans M. trop da T. — 32. Camie T. — pot] 
toi D. — nul T. — hom] loing A. loins DJK. homs M. — Car no sen pot 
nulh h. p. R. — 33. cors M. — sin D. — 34. h.] com AR. — 



60 



35 mais am quan cor de lai lo uens, 

que d'autra si pres si m'acuelh. 

Ja no dira hom, qu'anc la uis, 
que tan belha'ii pogues chauzir, 
qu'om no la ue que no s'i mir; 
40 e sa beutaz resplan tan fort, 

nuegz n'esdeue iorns clars e gens 
a seih que l'esgard' ab dreyt huelh. 

Lo uers uuelh qu'om midons me port, 
e que'l sia conortamens,. 
45 tro que'ns esguardem de dreyt huelh. 



8. 
Gr. 356, 7. 

Das Gedicht steht in den Handschriften A 207, C 196, D 136, 
E 175, G 89, J 155, K 141, R 6, T 189, U 138 und in dem mir 
unzugänglichen D*'. Ausserdem wird die dritte und vierte Strophe 
im Breviari d'amor (a, v. 32617 if., 32634 flf.), die sechste Strophe 
in Raimon Vidal's Novelle Abi^l iss'P e mays intratca mitgetheilt 
(ß, s. Dkm. p. 175—176). 

Die Strophenfolge ist in den Handschriften nicht überein- 
stimmend. Es folgen in: 

ADEJKR 12347658 

CT 12354678 

G 12346578 

U 12365478 



35. quan /. M. — q. c] cantar T. — lo] la MT. — 36. Qui JK. — 
dautre M. — i. si /. D. — pres] prop JKM. trop T. — 2. si] qe T. 

37. cm nol dira T. — qu'anc] qe MT. — 38. belam T. — iauzir ADE. — 
39. que] com A. — se CDJKT. — no si f E. — 40. Car R. En T. — 
beutat MT. — ce resplan T. — 41. Nueg JKR. Nuech M. Nuoc T. nueg(z) 
t E. — iorz K. iors M. giom T. — dar T. — N. fa semblar bei iom e gen 
R. — 42. A. s.] Celui ADEJK. A aicel T. — seih/. R. — qui CMR. —• 
Te.] la garda R. f E. — ab] de ER. a MT. — la adreg a ihuelh C. 

43. Lo t E. — ' q.] ca R. — midon A. a midons MT. -— me /. MT. — 
maport A. — 44. E /. R. — quem R. — E que(l) f E. — s. bos c. R. — 
45. quens] ce T. — esgarde D. ergadem M. esgardon T. — de] en M. /. T. — 
(esgar)dem de f E. — dreic ni ogill T. — Tro que dreg la gardon miey 
huelh R. 



61 

Ich glaube nicht, dass eine dieser Anordnungen die richtige 
ist. Schwankend ist der Platz von Strophe 5 und &, welche von 
den Handschriften nachträglich aufgenommen scheinen, doch nicht 
an rechter Stelle. Der zusammenfassende Inhalt der sechsten 
Strophe wird rechtfertigen, dass ich sie dem didaktisphen Theil 
des Gedichts ans Ende gestellt habe (Strophe 7 ist inhaltlich schon 
eine Tomada, so darf denn auch v. 43 das Reim wort von v. 11 
wiederholen). 

Die Strophenfolgen der Handschriften gehen zugleich Anhalt 
für ihre Gruppirung. ADEJKR treten als eine Gruppe den anderen 
gegenüber. Der gemeinsame Ursprung von CG TU geht aus den 
Abweichungen in vv. 4, 5, 20, 22, 29, 30, 52 (die Vorlage hatte 
nur Ans quem, die fehlenden Sylben wurden in verschiedener Weise 
ergänzt) hervor. Für Unterabtheilung dieser zweiten Gruppe sind 
entscheidend die CT gemeinsamen Abweichungen in vv. 5, 9, 13, 
18, 48, 52 und die GU gemeinsamen in vv. 6, 19, 43, 44, 45. 

Schwieriger liegen die Verhältnisse in der anderen Gruppe. 
ADJK stehen wie gewöhnlich in engen Beziehungen zu einander. 
' Bei der auch hier bis in orthographische Varianten hervortretenden 
Verwandtschaft von DJK werden wir in den AD gemeinsamen 
Lesarten der vv. 25, 28, 46 nicht Veranlassung finden, diese beiden 
JK gegenüber zu stellen, wenngleich v. 25 recht auflSllig ist. 

ER schliessen sich im Grossen und Ganzen an AD JK; anderer- 
seits aber haben sie mehreres mit Gruppe H gemeinr. Dahin ge- 
hört für E vorzüglich caber v. 36, für R que totz v. 40 und O si 
nes in v. 13. Minder erheblich sind die Varianten in w. 24, 32, 
33, 34, 46, 48. Bei Entfernung von ADJK ist die Annäherung 
an U am* grössten. Man berücksichtige das Verhältniss, welches 
wir bei Raimbaut's Antwort finden. Dort stehen CEU auf einer 
Seite ADJK gegenüber; hatte dort E mit U gemeinsame Vorlage, 
so sind hier Abänderungen seines Textes nach eben derselben nicht 
ausgeschlossen. In E wie in U stehen beide Gedichte unmittelbar 
nebeneinander. R freilich hat Raimbaut's Antwort nicht mit auf- 
genommen. 

ß schliesst sich in der sechsten Strophe eng an ER. 

Gedruckt findet man das Lied bei Rayn IV, 1, Pam. occ. 25, 
Werke I, 124 und nach U Arch. 35, 459. In G wird durch 
Flüchtigkeit Raimbaut d'Aurenga als Verfasser angegeben. 

Appel, Peire Rogier. 5 



62 

Senb'en Raymbaut, per uezer 
de uos lo conort e'l solatz 
suy sai uengutz tost e uiatz, 
mais que no suy per uostr'auer; 
5 que sapcha dir, quan m'en partray, 

cum es de uos ni cum uos uay, 
qu'enqueron m'en lai entre nos. 

Tant ai de sen e de saber 
e tan suy sauis e membratz, 
10 quant aurai uostres faigz guardatz, 

qu'al partir en sabrai lo uer, 
s'es tals lo guaps quon hom retray, 
si n'i a tant o meinhs o may, 
cum aug dir ni comtar de uos. 

15 Gardatz que uos sapchatz teuer 

en aisso qu'ara comensatz, 
quar hom, on plus aut es poiatz, 
plus bas ue, si's laissa chazer; 
pueys dizon tug que mal l'estay: 

1. C und E sind mehrfach durch Ausschneiden von Initialen verletzt. 
1. Seingner DEJKTÜ. Segner en G. — rambaut AG. rambauz DJK. 
rainbaut T. — ueder ü. — 2. lo] el G. — conortz J. — solatz f E. — 
3. Sa soi T. — uencutz D. • ueguz G. — e /. ü. — 4. Plus A. — quieu A. 
qeu G. — fi Cü. fis G. si T. — n. s. f E. — 5. E (Eu T) uuelh saber CT. 
Qm sapchatz dir E. — ca T. — men f E. — iray CG TU. parirai E. — 
6. es] er T. — De uos quies o Gü. — c. u.] cossius C. cü sios G. — uay 
t E. — 7. Censeron mut T. Qan menirai ü. — sai E. maus R. — etre T. 

9. saii (?) D. — suy tan CT. — sauis f E- sa^ T. — 10. uostros G. 
uostre T. uostri ü. — f. gar(datz) f E. — gardat R. — 11. partie (?) D. — 
lo] dir C. bei G. — 12. Sis C. si R. — tal Tu.'— S. t. f E. — caps DJK. 
gap T. gab ü. — q. h.] cono T. — r.] lo fai (faie T) ET. — 13. On es 
aitan CT. (E ü) si nes tant GRÜ. — t. o f E. — i. o] e T. — mais 
T. — 14. ni] e C. — ausit nai c. T. — comtar f E. 

15. Gardat C. Garaz G. — q. u.] uos qeus A. que R. — puscatz a. — 
t.] mantener R. retener ü. — - 16. E. a. f E. Aco R. En^oi U. — qauez G. 
que eras R. carauet^ T. qauez era U. — comendaz D. — c'avetz comensat 
a. — 17. Que GT. Qez ü. — h. o.] con hom G. — o. p.] em qes ü. — 
(pl)us a. t E. — es /. U. — puat^ T. pujat ct. — 18. b. u.] hasset C. bassetse 
T. — ue] chay R. — se C. se se T. — u. s.] uais a (Hds. A). — lais T. laisar 
ü. — (ca)zer f E. chader G. — 19. Pu(eis) f E. — diran ü. — cebelistai 
T. cum lestai Gü. — estai AR. — dich chascus uei c. 1. G. — 19 — 21. C: 
pueys dizon tug qu .... fetz ara .... es cond .... 



63 

„per que fetz, pueys era no fay?" 20 

qu'era no ten condugz ni dos. 

Qu'ab pro maniar et ab iazer 

pot hom estar suau maloatz, 

mas de gran afan es carguatz 

seih que bon pretz uol mantener; 25 

obs Fes que's percas sai e lai 

e tolha e do, si cum s'eschai, 

quan ueira qu'er luecx e sazos. 

No'us fassatz 3e sen trop temer, 

per qu'om diguä: „trop es senatz", so 

qu'en tal luec uos ualra foudatz 

on sens no'us poyria ualer; 

tant quant aurez pel säur e bai 

ei cors aissi fresquet e gai, 

grans sens no*us er honors ni pros. 35 

Si uoletz al segle plazer, 
siatz en luec folhs ab los fatz, 
•et aqui meteys uos sapchatz 
ab los sauis gen captener; 

20. A qe folses pois als G. Aqest fet^ e aras T. Aquel fezia mas er U. . — 
(q)ue f. t E. — pueys] e ct. — 21. n. t.] no i es CGT. no seru U. — condug 
R. condue T. seruir ü. 

22. Ab CGT. — e ab] ab ben C. camben (?) T. e ab gent U. — 23. h. 
e. 8.] e. s. h. C. b. s. e. a. — 24. Qe U. — grans afans R. grant^ afant? 
T. — ses EGRa. sest U. — gargaz DGJK. — 25. Qui proeza AD. Qui uol 
proeza m. ct. — que] qui U. — 26. Coue C. Obs.es DJKT. Cops lies Got. 
Obs la U. — qe G. — 27. E /. ü. — dol G. toi TU. — dös G. — s. c] 
tut cant T. — leschai AJK. — 28. Ni EJK. Ca T. — u. q.] ne ueira AD. 
ue que es C. uera cer T. uerra qe ü. — loc R. lioc T. — ni CEGTU. 

29 — 35. C : Per ta .... no sial .... tal lue .... sens n . . . auretz . .. . si 
fresc ... er hon .... 29. de trop sen D. — Per ho qeus faichaz plus temer 
G. Per tal qe uos fassat^ temer T. Per^o quos fa a mielz teuer ü. — 30. etz 
A. — cenatz E. membratz JKR. — No seiaz sepres trop senaz G. Non siat^ 
trop prim ni (al prim trop U) senat^ TU. — 31. uarra U. — foldä G. — 
32. ü. — sen RT. — non EGRU. nos JK. — pogra G. — u.] pro teuer 
G. — 33. Mentre qaurez G. — auret R. — s.] brun U. — ni R T ü. — 34. /. 
T. — cor GRÜ. — f.] coindet U. — iay R. - 35. Gra (Trop T) sen RT. — 
no ü. — es JK. — honor GRTU. 

36. el CGRß. — caber CEUß. parer R. — 37. En locs sias R. Siaiat? 
e lioc T. E loc siatz ß. — fol Ü. fatz ß. — fait? T. — 39. les ü. — la 
sauia T. — G. ab 1. s. R. — mantener Rß. — 

5* 



64 

40 qu'aissi coue qu'om los assay: 

l'un ab ira, l'autre ab iay; 
ab mal los mals, ab ben los bos. 

D'aisso uuelli quem digatz lo uer, 
s'auretz nora drutz o molheratz, 
45 per quäl seretz apellatz, 

si'ls uolrez aras reteuer; 
ueiaire m'es al sen qu'ieu ai, 
segon qu'ieu cug, mas non o sai, 
qu'a dreg los auretz alnbedos. 

50 Senh'en Raymbaut, ie*m n'iray, 

mas uostre respost auzirai, 
si'us platz, anz que*m parta de uos. 



A. 

Gr. 389, 34. 

Dem Gedicht Peire Rogier's sei gleich hier die Antwort Raim- 
baut's von Aurenga angereiht. Dieselbe findet sich in den Hand- 
schriften A 208, C 196, D 136, E 175, J 155, K 141, U 139 und 
wiederum in D^ 

Von diesen trennen sich zunächst ADJK von CEU durch das 
Fehlen von v. 48 als zu einem Typus gehörig. Auch CEU gehen 
auf eine gemeinsame Quelle zurück. Für die Zusammengehörigkeit 



40. Caisis Eß. — q. 1.] q totz R. que tut ü. — essay C. — 41. Lus ACD 
GJKRÜß. — irals ADJK. ira el G. — autres ACDJKß. -- Ab irals us 
autres R. — 42. AT. — mal] mas ü. — los mal T. — abe G. e ab bes T. 
et abes U. — pros C. 

• 43. De uos uiielb uostre no.m saber C T. Per uos meteis uolrai (uodra G) 
saber GU. — 44. = 45 Gü. — Sabrez ü. — drut E. — 45. = 44 Gü: Per 
qal nö s. a. — 46. si AD. 01s CR. sis JK. El T. — uolret R. uoles 
T. — amdos CR. am JK. amdui T. — retenir T. — sambdos uolrez teuer 
G. uollez abdos r. U. — 47. Verzaire U. — 48. que GRÜ. — no lo G. 
non a J. — Persous o die quar ben o say CT. — 49. Cadrez D. Qadreiz G. 
Quabdreiz U. — abedus T. ambdos ü. 

50. Seingnor DT. Seingner GJKÜ. — rambaut AG. raybaut C. ram- 
bauz D. rambautz JK. rainbaut T. — yemniray R. alle anderen mss: ieu 
men iray. — 50 — 52 E: .... mas uos . . .^. ans qm . . . . 51. uostra ü. — 
respos' ADGJKT. respot R. — respostra aurai ü. — 52. Sieus R. — Enans 
que iam C. Enanz q me G. Enas ce gia T. En abanz qe U. 



65 

von E und U siehe vv. 41, 48 und besonders era v. 51. V. 39 
hat C mit U das falsche grazir gegen sei*uir in ADJK (E Lücke), 
V. 9 ist der Flexionsfehler cor CEü gemeinsam, v. 19 hat C: non 
es en digzy U: greu er en diz gegen das auch in E stehende qen 
dig non eSy 21 haben CU V£n loy ADEJK v£noL Wichtig ist vor 
allem v. 22. Alle Hdss. haben Per me twletz nion nom auzir^ nur 
C: Per mi Tneteys uoletz «., eine Lesart die einzig derjenigen von 
6ü für No. 8 V. 43 entspricht. C muss also die Vorlage von ü 
vor Augen gehabt haben, und so erklären sich auch die Abwei- 
chungen beider in vv. 25, 43, 51 (17?), wo jene Vorlage Fehler 
enthalten haben wird. 

Zu berücksichtigen ist, dass Raymbaut's Antwort in T, dem 
C für Peire's Gedicht so nahe stand, nicht enthalten ist. Ihre ge- 
meinsame Quelle hat sie also wohl nicht gehabt, weshalb C sie 
nach einer anderen hinzufügen mochte. 

Gedruckt ist das Gedicht bei Rayn. IV, 3, Parn. occit. 52, 
Werke I, 73 und nach U Archiv 35, 460. 

Peire Rogier, a trassalhir 

m'er per uos los ditz e*Is couens, 

qu'ieu fis a midons totz dolens, 

de chantar qaeTn cuygey sofrir; 

e pus sai n'etz a mi uengutz, s 

chantarai si n'ai estat mutz, 

que non uuelh remaner cofes. 

Mout uos dei lauzar e grazir, 
quar anc uos uenc cors ni talens 
de saber mos captenemens, lo 

• e uuelh que'n sapchatz alques dir; 

e ia Tauers no'm sia escutz, 



1 — 4. C: .... tras . . . ir mer . . . os les . . . eis co . . . . quieu .... mi- 
dons .... dolens . . . . m cuy [gey de chantar] .... Vom Eingeklammerten 
ist die untere Hälfte der Buchstaben erhalten. — 1—7. E: .... rotgier ... 
ssaillir . . . per uos . . . . gz eis co . . . s. quieu . . . midons . . . dolens . . . 

chantar .... cugei su ... e pos sai . . . a mi uen . utz . que — 1. rotgier 

AE. rogiers DJK. rugier U. — 2. el U. — 3. aic AD. ai JK. fi U. — 
4. qiem A. — 5. etz A. nest DJK. nes U. — uencutz D. — 6. sim C. — 
estar A. — 7. Qieu A. — u.] uai uoill K. 

8. t E. — 9. Oar (sie) J. — cor CEÜ. — 10. uezer ü. — 11. qem 
AD JEU. — 12. lauer U. — nous E. n J. nö K. non U. — 



66 

s'ieu suy auols ni recrezutz, 
que pel uer non passetz ades. 

15 Quar qui per auer uol mentir, 

aquelh lauzars es blasmamens 

e tortz e mals essenhamens, 

e fai's als autres escarnir, 

qu'en digz non es bos pretz saaputz, 
20 mais eis fagz es reconogutz, 

e pels fagz ueno'l dig apres. 

Per mi uoletz mon nom auzir, 
quals sui o drutz; er clau las dens, 
qu'ades pueja mos pessamens, 
25 on pus de preon m'o cossir; 

ben uuelh sapchatz que no suy drutz 
tot per so quar no suy uolgutz, 
mas ben am, sol midons m'ames. 

Peire Regier, cum puesc sufrir 
80 que ieu am aissi solamens? 

merauilh me s'iesc uius d'auens; — 

tortz es si'm fai midons murir. — 

s'ieu muer per Heys faray uertutz, 

per qu'ieu cre que, s'i fos perdutz, 
35 dreitz fora, que plus m'enoges. 

■ 

13. Sen (?) ü. — 14. passaz D. passe JK. 

15. mentar A. — -16. lausar ü. — 17. mal E. — E torn en mal essen- 
hamens C. Et es trop mals e. U. — 18. E fa (fai DJK) nals ADJK. Es fai 
als C. E fas nals E. — E fas uas la gent e. U. — 19. dich A. diz D. dig 
EJK. — Non es en digz C. Greu er en diz ü. — pr.] faiz ü. — 20. el 
A. als C. per ü. — faich A. fach ü. — es puois conogutz AD. esiconogutz 
EJK. es tost conogutz ü. — 21. per ü. — fag ü. — uen lo Cü. uenols E. — 
digz CE. ditz JK. dir ü. 

22. Per mi meteys uoletz auzir C. — 23. Cal EJKU. — drut E. — ar 
E. e J. et K. — 24. Ades C. — 25. On / ü. — pren C. — m'o] en C. 
me D. e mon ü. — 26. E die uos ben quieu C. — 27. T, p. s.] Pero qan 
ü. — que DJK. 

29. Initiale /. D. — rotgier AE. rogiers JK. rugier ü. — 30, Qez eu 
ADJK. Quades C. Qeu ü. — 31. si uiu (ui D) deuens (deuenz D JK) ADJK. 
si escuiu dauens E. ses auinens ü. — 32. Totz J K. — Tort ai U. — Enaissim 
fai C. — 34. Perque eu cre A. Perquem platz C. — que /. A. — pördutz 
t E. — 35. Dreg agra C. — puois ADJK. — mazires C. — E: j, . .. . fora 
que 



67 

Ara'l uen en cor que m'azir, 

mas ia fo qu'er'autres sos sens 

qu'aitals, e-ssos entenderaens, 

per qu'ieu li dey totz teraps seruir; 

pel ben que*m n'es escazegutz, 40 

iamais no'm n'auengaes salutz, 

li dey tostemps estar als pes. 

Sim uolgues sol tan cossentir 

que fos tostemps sos entendens, 

ab belhs digz n'estera iauzens, . 4s' 

e fera*m ses fagz esiaazir; 

e degra'n ben esser crezutz, 

qu'ieu non die tan que'm fos cregnz 

mas d'un bon respieg don uisques. 

Bon respieg, d'aut bas son cazuz, 50 

e si no*m erep sa uertutz, 
per cossel li do, que'm pendes. 



9. 

Gr. 356, 2. 

Den Gedichten Peire Rogier's reihe ich noch eins an, welches 
nur in c (f. 84) überliefert und dort. unserem Dichter zugeschrieben 
wird. Es steht zwischen AI chdn d^auzel (s. No. III) und Ges 
non puesc en bon uers fallir (s. No. 6), welche die Handschrift 



36 — 52. E : Araill u querautr .... demens pel be q 

mauen .... als pes Sim u fos tost nestera auzir 

nö die .... bon resp Lonc re non eral .... qm pende . . 

36. maizir ü. — 37. si fon D. ian fan ü. — 38. captenemens C. — 
39. loy C. — deu ü. — tot JK. — grazir CU. — 40. Sol p. b. C. — quen 
JK. — escazutz C. escaeguz ADJKÜ. — 41. no men uengues ADJK. nom 
neschazes C. non nauenges ü. — mais nach uengues A. — 42. al JK. 

43. E sim C. — s. t.] tan C. daitan ü. — 44. Qieu ADJK. — fos nach 
tostemps C. — totztemp A. — 45. A beldiz U. — 46. sos AD Jü. senes C. — 
fag C. prez ü. — iauzir C. — 47. degram ADK. degra J. deurian C. — 
ben/ C. — cregutz ADJKÜ. — 48. /. ADJK. — d.] quier C. — q.] ian 
C. — crezutz C. — 49. del ADJK. — bei respet qem ü. 

50. respeiz D. — d'a. s. b. c. ADJK. — 51. non ü. — ereb ADJK. 
recep C. era EU. — 52. perdes JK. pengues ü. 



68 

ebenfalls beide, das zweite mit Recht, das erste mit Unrecht, Peire 
zuschreibt. Styl, Inhalt und Form des hier folgenden Liedes 
sprechen nicht für Peire's Autorschaft, und wenn wir berücksich- 
tigen, wie unzuverlässig c in Angabe der Verfasser ist, werden 
wir uns schwer entschliessen unseren Trobador als den Dichter an- 
zuerkennen. 

Die Form des Liedes ist sehr bemerkenswerth. Es folgt auf 
fünf siebensylbige Verse auf einen Reim (a) ein ebenfalls sieben- 
sylbigef mit abweichendem Reim (b); während a von Strophe zu 
Strophe wechselt, bleibt b bestehen, also aaaaab; cccccb; 
etc. Das Auffallende ist nun, dass während a in Strophe 1, 2, 4 
und 5 männlich ist, es in 3 und 6 weiblich wird. Mit dieser 
Eigenthümlichkeit steht das Gedicht allein in der provenzalischen 
Literatur. Die Fälle von Geschlechtswechsel der Reime in den 
Strophen sind überhaupt selten und auch die wenigen vorkommen- 
.den sind anderer Art. Guühem's de St. Lidier fünftes Lied bildet 
seine Versausgänge aus in je zwei Strophen sich gegeneinanderbe- 
wegenden grammatischen Reimen, wobei denn an die Stelle eines 
weiblichen Reimes in der ersten Strophe jedes Paares ein männ- 
licher in der zweiten tritt. Das Schema ist also 

1: abcdeikl 
2: XxisoYßa. 

Aehnlich bei Raimon de Miraual No. 3, doch insofern verschieden, 
als die grammatischen Reime nicht in der nächsten Strophe, son- 
dern schon in der nächsten Zeile folgen, und dass von Strophe 3 
an^) zwei Reime durch je zwei Strophen festgehalten werden. 
Aber auch hier steht in jeder zweiten Strophe ein männlicher 
Reim an Stelle eines weiblichen in der vorhergehenden und um- 
gekehrt: 

Str. 3: c^L c^-^^ c^yL c^f^c^f^c^fi 
4: tLc^ tLc« f^c? 7i3cio -^11^11 ^i2ci2. 

Das Lied Gr. 461, 143 spielt mit grammatischen Terminis: nomi- 
nativa, genetiva, indichativa etc. In der ersten und dritten Strophe 
werden diese nur mit weiblichem Ausgang verwandt, in der zweiten 
aber auch mit männlichem: conjuntiuy optatiu. 



^) Str. 1 und 2 sind im Reimbau ganz abweichend. 



69 

Str. 1 und 3: a„b a b a b ab 

2: c a' a' c a^b a^b^). 

Noch weniger gewollt als in diesem scheint der Geschlechtswechsel 
in den Liedern Daude de Pradas 9 und Rostaing Berenguier 4. 
Bei jenem ist das Schema abbaccdde; während in Str. 3 bis 
6 d männlich ist, ist es in 1 und 2 weiblich. Beim anderen haben 
wir a^b^b^a^c c d^e e d^ und zwar in der ersten Strophe männ- 
liches, in der zweiten weibliches e. 

In diesen beiden Fällen ist wohl das andere Geschlecht dem 
Dichter gegen seinen Willen eingeschlüpft. Dass dies bei unserem 
Lied nicht der Fall ist, zeigt die regelmässige Vertheilung der 
Strophen. 

Die Reimordnung des Gedichts: auf eine Mehrzahl gleich aus- 
gehender Verse einen abschliessenden mit anderem Reim folgen zu 
lassen, ist bei den höfischen Trobadors nicht eben beliebt. . Ihre 
Eunstdichtung ist nicht so sparsam mit Reimen und so einfach im 
Bau, während eine geringe Zahl Reime, einer bis drei für die 
Strophe, der volksthümlichen Dichtung und daher der sich an sie 
leimenden frühesten Kunstpoesie eigenthümlich ist. Von Guilhem's 
von Poitiers 12 Liedern haben drei nur 1 Reim, acht 2, nur eins 
3 Reime. Von den acht zweireimigen lassen sechs den ersten 
wechseln, während der zweite durchgeht; unter 39 Gedichten Mar- 
cabrun's ist eins einreimig, elf mit 2, zwölf mit 3, aber auch schon 
elf mit 4 Reimen, nur drei mit 5 und eins mit 6. Schon bei Ber- 
nart von Ventadorn haben die vierreimigen Strophen das grosse 
üeberge wicht. Unter 43 Gedichten sind: ein einreimiges, sieben 
mit 2, fünf mit 3, zweiundzwanzig mit 4, vier mit 5, drei mit 6, 
und eins mit 8 Reimen, und die vierreimige Strophe bleibt für die 
Folge die weitaus häufigste. 

Den Typus unserer Form, d. h. einen abweichenden Reim nach 
mehreren gleichen haben in der provenzalischen erhaltenen Lite- 
ratur etwa 12 Lieder, darunter eins von Guilhem von Poitiers 
(No. 10) und drei Balladen (Gr. 461, 12, 69, 73). 

Das Gedicht ist erst kürzlich von Chabaneau in der Revue 
des langues romanes Bd. XX, p. 139 zum ersten Mal gedruckt. 
An einigen Stellen glaubte ich von seinem Text abgehen zu müssen. 



*) für a' s. oben p. 31. 



•. .••••: • • • 



70 

Kleine Abweichungen beruhen auf verschiedener Lesung der Hand- 
schrift (z. 11, 27, 33). 

Dous' amiga no'n puesc mais, 
mout me pesa qar uos lais 

e esmais ; 

e teng m'o a gran pantais, 
5 qar no'us abras e no'us bais 

e departen nostr'amor. 

D'aitant sahchas mon talan, 
qe anc femna non amei tan, 
e no'us en aas far semblan 
10 ni trob per cui uos o man; 

vau m'en; a dieu uos coman, 
al espirital seinhor. 

Non puesc mudar qe ncm plagna, 
qar se part nostra compagna; 
15 eu m'en uauc en terra estragna; 

mais am freidura e montagna 
no fas figa ni castagna 
ni ribeira ni calor. 

Lai s'en uai mos cors marritz, 
20 e 9ai reman l'esperiz; 

et ai tant los uls fron^itz 
qe m'en dolon las rai'tz; 
mal fai qi*ns a partitz, 
e non puesc auer baudor. 

25 Sans e sals fora eu gueritz, 

qant serai acondormiz, 

si fos de leis tant aisiz, 

q'en semblant d'una perniz 

li baises sos oils uoltitz 
30 e la fresqetta color. 

Dous estars lai m'es ardura, 
e bons conortz desmesura, 



1. Dousa amiga. — 3. redolmein 7'e. 
7. sabeos. — 9. en /. — 11. Vai. — dieus. 
17. Nos. ^^ügUt 
20. les «eperte!.' 






71 

e sazi'ontas fraitura, 
e di'as clars noitz oscura; 

per mon iouent qar peiura 35 

ai mamment e dolor. 



34. 7 noit. 

37. Noch ein unvollständiger Vers: parlan uauc fasc forsatz. 

Dann ist für zwei oder drei Strophen Raum gelassen. 






Anmerkungen. 



1. 

V. 19. -Is ist hier Dativpronomen, wie Öfter in späterer Zeit, wie 
icli es aber aus der ciassisclien Trobadorzeit nicht zu belegen vermag. 
Gewöhnlich ist die Verwendung von los und -Is für lor im Katalanischen: 
vos lus diretz Rec. I, No. 30, 19. que*^ donas consell Ho^ann Thierepos 
§ 21. con los demonis ueeren aquesta anima que'fe era atorgada, totz 
uengueren etom deyla Ztsch. f. rom. Phil. IV p. 326. que*& en dam 
solta de Deu Rev. d. lg. rom. II p. 161. quQ'ls faessem carta ib. 165. 
e a^o Im prometen — que a^o lus attendriem ib. etc. 

V. 35. sostraire c. acc. pers. wird .von Ray nouard mit „abaisser** 
übersetzt: Deman ben leu pot esser sotraitz. Ganz ähnlich wie hier sagt 
Bernart von Ventadorn 18,4: Jeu suy seih que res no tira, sitot ma 
dona*m sostray^ ia de re no'm clamarai. Italienisch heisst sottrarre „ver- 
kleinem, verlästern, die Ehre schmälern". 

V. 21. Mit der Uebersetzung „hartnäckig sein" für se aturar 
kommt man auch an dieser Stelle aus. Rancurar in der anderen Hand- 
schriftengruppe ist ein geläufigeres und daher verdächtigeres Wort. 

V. ^Z. Raynouard führt unter apagar auch Formen des Verb apaisar 
auf, den Infinitiv nennt er nicht. 

V. 44. uuelh trat schon v. 30 als Reimwort auf. 

vv. 41 — 49. Die Bitte ist nicht selten bei den Trobadors. Bernart 
von Ventadorn stellt sie in drei Gedichten: No. 26, 27 und 44. 

V. 50. Wie im 2. Gedicht v. 64 wird hier der Name Petrus pro- 
venzalisch einsylbig gebraucht. Raymbaut d'Aurenga 8A, v. 1, 29 ver- 
wendet zw.ciisyl,lyge^Beire. Peir findet sich auch im Johannesevangelium 
als Nomiiiättv, 'gögön^Föire im Obliquus; frair, pair ohne e sind häufig. 



73 

V. 53. rauguelhar. Die meisten Handschriften haben an Stelle 
des g ein ss. Raynouard übersetzt das Wort mit „räler". Im Zusammen- 
hang mit raucus ist rauguelhar wie ranssuelhar möglich. Für die Ab- 
leitung der letzteren Form tritt lat. raucidulus vermittelnd ein (raucidus: 
raus = rancidus: rans). Für die poetische Verwendung des Begriffs vergl. 
Peire d'Alvernhe 9: et ieu suy del castiar raucx e no mi ual ges una 
mora (Petrarca: E son giä roco^ donna, merce chiamando. Son: Amor 
m'ha posto come segno a strale). 

2. 

V, 15. Cominal scheint aus der Bedeutung „gemeinsam" zu der 
von „gleich" fortgeschritten zu sein, denn diese wird vorausgesetzt durch 
die andere: „gleichgültig", welche das Wort Beatritz de Dia W. I, 85 hat: 
Cum que m'an vos es cominal, an me ben o mal atertal. 

V. 2%. „sich schnüre noch sich spiegele". 

V, 36. sab er sal „nach Salz schmecken", sal in übertragener 
Bedeutung wird von Raynouard belegt. Die Wendung saber sal kehrt 
Ged. 105,3 wieder : E qar non uueilh mos chantars sapcha sal, Ni c'om 
lo deia en nuilha cort grazir, I met primier per desasaborir Lo uieilh 
seinhor del Tor qar ren no ual. 

V. ZI. faire a c. Inf. wird von Stimming zu Bertran de Born 6,52 
und 35,39 besprochen. Er spricht faire die Bedeutung „handeln" ab und 
legt ihm die von „sein" bei. An unserer Stelle kommt man mit „sein" 
nicht aus. Faire hat auch in dieser Construction factitive Bedeutung: 
„handeln in solcher Weise, bewirken — dass". 

Der folgende Infinitiv hat unbestimmtes Subject, hier also: „solche 
Fraue bewirkt 4ass man gern lebt". Die Präposition a drückt die An- 
gemessenheit des Thuns aus; faire blasmar heisst „bewirken dass man 
tadelt", faire a blasmar „bewirken dass man zu tadeln geneigt ist". 

Ist der Infinitiv der eines transitiven Verbums, so ist sein Object 
meist gleich dem Subject von faire und wird dann als selbstverständlich 
nicht ausgesprochen ; in diesem Falle kann man natürlich faire a mit 
„sein zu" übersetzen. Häufig ist Subject zu faire aber auch ein Satz und 
dann gewinnt fai den Anschein eines unpersönlichen Ausdrucks. So ver- 
stehe ich Bertran de Born 39,i : Senher en coms, a blasmar Vos fai senes 
falhia Quar noi ausetz anar. Die Stelle übrigens, welche Stimming aus 
P. Vidal 8 für unpersönliches faire citirt, zeigt persönliche Construction: 
Aitals reis fari'ad aucir Et en lag loc a sebelir Qui's defen a lei de con- 
trag E no pren ni dona gamag. 

V. ZS fl*. Das Verständniss dieser Strophe ist nicht ohne Schwierig- 
keiten. Vielleicht lässt sie sich so übersetzen: „Wenn sich dreissig um 
sie bemühen, darüber erzürne ich mich keineswegs« (geg^qg jjop sie will 
mag sie lügen, da sie mir gegenüber geruht sieb £u''^rie|htf^gen [über 



74 

das was sie jenen gesagt hat]), denn dann weiss ich (ja) wohl und glaube, 
dass keiner eine so treffliche Dame hat, wenn jeder sie für sich lobt; 
denn, wenn er eine ebensolche hätte, könnte er (ja) ohne sie leben." 

V. 33. Peire Regier verwendet sowohl cre wie crey als 1. Person 
praes. ind. im Reim. s. 3,48, 4,3i. 

V. 46. se prezentar ist bei Raynouard nachzutragen. 

V. 49. „denn ich habe es bei mir auseinanderzusetzen, auszumachen". 

V. .56. 'W^ährend in der vorigen Strophe nur von ^iner hypotheti- 
schen Person die Rede war, werden hier mehrere vorausgesetzt. Vi rar 
wird gewöhnlich mit vas construirt, hier drückt der Dativ die Rich- 
tung aus. 

3. 

V. 6. Ueber die Endung -etz der 2. Personen plur. hat Thomas in 
den Arch. des Missions 3 i^me serie t. V 1879 p. 440 ff. gesprochen. Die 
Endungen vertheilen sich so, dass Praes. conjct. I und Futurum aller Con- 
jugationen -6tz haben, Praes. indic. II und III und Indic. aller Perfecta 
-^tz. Doch finden gelegentlich Abweichungen resp. ungenaue Reime 
statt. Flamenca 5070 ist avez mit tr^5 gereimt, im Ensenhamen des 
Amanieu des Escas Chrest. '. 327,8 ]^odetz : bastire/z. Thomas hat unter- 
lassen vom Conjct. Imperf. zu sprechen. Die Endung in dieser Form ist 
geschlossen: Flam. 5888 volcs^s: v^z, 6359 anassÄr: parl^^;, 6862 do- 
nass^: v^. 

V. 23. Die Wahl zwischen den Strophenfolgen der beiden Gruppen 
ist schwer zu treffen. Der in ABDJKN zu folgen hat mich besonders 
V. 34 bestimmt, welcher sich an 33 besser anschliesst als es v. 23 an 
den Schluss der vierten Strophe thäte; stellt man Str. 4 vor 3, so muss 
in V. 34 auf das folgende bezogen werden. 

V. 36. „Wie sie sich zu mir verhalte" (?), oder liest man besser qua 
und übersetzt: „wie ich mich (dabei) befinde"? 

V. 38. quetz erscheint hier mit offenem e gereimt, im Widerspruch 
mit der Angabe des Reimwörterbuchs, mit der Etymologie und mit dem 
Verhalten der Schwestersprachen. 

V. 39. lameissetz, lamissetz haben alle Handschriften. Ist 
meine Auflösung in „illam amem ipse sextus" annehmbar? 

Die gewöhnliche Form der Ordinalzahl ist seize. Wir haben aber in 
den anderen romanischen Sprachen die auf sextus zurückgehenden For- 
men: afrz. sist, ital. sesto, span. sexto und schon vulgärlat. ' sistus , und 
auch provenz. die Ableitung sestier, und von dieser sesteiral, sestairada. 
Nun wäre freilich einem vulgären sistus gegenüber ein geschlossenes e 
zu erwarten, doch hat ital. sesto offenes e, afrz. i erklärt sich aus iei, 
und in detvEJia^^nca v, ,294 — 295 reimt festa mit ora sexta, also ist s^sta 
anzusetzetiV l Di^ «PödDaftln lui quart etc. pflegen im absoluten Casus zu 



75 

stehen, aber der hier angewandte Nominativ (setz: sestz = Critz: Cristz) 
ist grammatisch voUkommen berechtigt. 

Auch eis als Vertreter des Pronomens in der Formel kann ich nicht 
anderwärts belegen, und so will ich denn auch im Hinblick auf diese 
Schwierigkeiten meine Erklärung des Ausdrucks als einer unserem „selb- 
sechster" entsprechenden Verbindung nur unter allem Vorbehalt geben. 

V. 56. mai que mai übersetzt Raynouard mit „de plus en plus^. 
Noch neuprovenzalisch kommt die Verbindung vor; man findet sie in 
einem Gedicht : Peire Regier (aber nicht unser Dichter) vom Abbe Joseph 
Roux, Revue des Igues rom. XX, p. 89. Die französische Uebersetzung 
giebt es dort mit „surtout" wieder und dieselbe Bedeutung nimmt jetzt 
auch Bartsch in der letzten Auflage der Chrestomathie an. „Ueber Alles, 
sehr wohl^ muss es auch an dieser Stelle heissen. Italienisch heisst piü 
che piü „gar sehr**. Zur Erklärung mag man eine Ellipse annehmen, 
etwa hier mai que mai puesc. Vockeradt erklärt piü che piü gleich 
„mehr als mehr". 

Die mss. BCN scheinen wÜai que nüai verstanden zu haben. 

V, 51. Wir haben liier in ieu ein anderes Beispiel fär die Wieder- 
holung des an die Spitze des Satzes gestellten pronominalen Sub- 
jects, wenn dasselbe durch eine Einschiebung vom Verb getrennt ist, 
wie dieselbe im Boethius v. 106 vorliegt und v. 99 vielleicht einzuführen 
ist. Ein weiteres Beispiel ist bei Peire Milo Ged. 918,2 cant ü uas lui 
il coren ses reuel. 

4. 

V. 6. Gaucelm Faidit 35,5 : Per qu'om no*s deu ^ per gaug trop es- 
jauzir Ni per ira trop esser angoissos. 

V. 16. Man sollte statt des Indicativ esdeue eher den Conjunctiv 
esdeuenga erwarten. i 

V. II. „Und wann denn? Willst du das irgend mit Bezug auf mich 
sagen?" Nur auf die letzte der zwei Fragen wird in der nächsten Zeile 
Antwort gegeben. 

V. 18. Der Sinn scheint mir durchaus das freilich nur in C über- 
lieferte dols zu verlangen. Entweder wird die Urschrift einen Fehler 
gehabt haben, den nur der Schreiber von C bemerkte, oder aber eine 
falsche Auffassung verleitete die Schreiber der beiden Vorlagen für DJK 
und für MRT den gleichen Fehler einzuführen. 

V. 34 ir. „Thöricht bist du. — warum? — bei Gott, du quälst dich 

ab und dafür — sprich doch ! — aber umsonst bemühst du dich 

darum (der vorher begonnene Satz wird gar nicht zu Ende geführt). — 
was weisst du? — ich höre es sagen. — weisst du was?! — sprich! — 
lass mich ganz gesund werden (d. h. überlasse es mir), — £6/% ^^ alles, 
was dir gefällig isf * : * j^- */ 



76 

V. 37. quar am Anfang des Satzes ist auffallig, denn causales Verhält- 
niss existirt wohl zwischen der zweiten und der ersten Hälfte dieser Zeile, 
nicht aber eigentlich zwischen ihr und der vorhergehenden. Die Ge- 
dankenverbindung wäre etwa: „Ich stimme dir bei, denn du hast (ja) 
sehr Recht'' etc. Der Vers ist ironisch zu nehmen. 

V. 38. In den letzten 3 Sylben des Verses weichen alle Hand- 
schriften voneinander ab. Es scheint als hätte in der ersten Vorlage 
erasse gestanden, gegen dessen Existenz neben jasse, desse, ancse auch 
kaum viel einzuwenden wäre, doch wird es meines Wissens nirgend sonst 
belegt. 

V. 54.* Zu erfahren wer Don Santz gewesen, und auf was für einen 
Vorgang sich diese Tornada bezieht, finde ich keinen Anhalt. 



5. 

V. 14. In Wiedergabe der beiden Pronomina weichen die zwei Hand- 
schriftgruppen voneinander ab. Meine Lesung scheint mir die wahr- 
scheinlichste. Die Strophe mit ihren pedantischen Schlussfolgerungen ist 
recht schwerfällig. 

Als Reimwort haben alle Handschriften das schon in v. 7 reimende 
soste. Hier oder da wird Aenderung nöthig sein. 

V. Z^. Wenn man Hochmuth , Leid , Unrecht und Schaden nicht 
duldet, thut man der Dame Uebeles an; dann ist also Uebel auf beiden 
Seiten, und das ist nicht Liebe, sondern Krieg. Auch hat man kein An- 
recht auf Liebe, wenn die Dame selbst Uebeles davon erfährt. 



6. 

V. ZI fL Die Lesart der Gruppe I ist : 

Pero manz n'i aura gelos, 

que diran: mens e no'n es res; — 

d'aisso no'm cal ni no m'es ges, 

qu'ieu me say cossi s'es de liey. 
Aber Rc, die sich sonst ihr anzuschliessen pflegen, weichen hier ab. 
V. 23 fehlt in ganz, so dass eine Verstümmelung in der ersten Vor- 
lage dieser Gruppe nicht unwahrscheinlich ist. 

V. 39. Vergl. Bemart von Ventadom 33,6: Sil que cujon qu'ieu sia 
sai, No sabon ges cum Tesperitz Es de lieis privatz et aizitz, Sitot lo 
cors s'en es lonhans. 

V. 40. Keiner der in den — übrigens stark auseinandergehenden — 
Handschriften überlieferten Verse scheint mir hier annehmbar; man er- 
wartet etwfs.jYiq: lo.sens qu'ieu ai totz es ab liey. Dafür giebt die 
Mehrzaht* der Äf«öjAs4rii)te nur eine Umformung des achten Verses. 



77 

V. 54. pres wird von Bartsch in der Chrestomathie mit pret über- 

. setzt. Mit Unrecht, denn erstens müsste s hier für tz stehen, was bei 

. klassischen Trobadors nur ausnahmsweise vorkommt und bei Peire Regier 

nicht gefunden wird, und zweitens muss prest ein offenes e haben, wäh- 

. rend der Reim .geschlossenes verlangt. Pres ist als Particip von prendre 

zu verstehen: ^bin ich (denn) gefangen?" (Tobler: Mit der Antwort vgl. 

Ch. lyon 1940). 

V, 60. Sauez war eine kleine Landschaft in den heutigen Depar- 
tements Gers und Haute Garonne, welche von der Save, die sie durch- 
fliegst, ihren Namen erhielt. Sie unterlag der Suzeränität der Grafen von 
Toulouse, und war im 13. Jahrhundert, vielleicht auch schon im 12. in 
Händen der Herren von Comminges (Vaissette III * pp. 74, 391, 421, 440). 
Beim Mangel jedes weiteren Anhalts müssen wir unbestimmt lassen, wer 
hier mit Dreit-n'avetz bezeichnet wird. 

7. 

m 

V.O. Raynouard übersetzt im Lexique quan que tir für diese 
Stelle sehr ungenau mit „quoiqu'il arrive". Tirar ist auch in dieser Ver- 
bindung „hinziehen, verzögern, widerstreben". 

.8. 

V. 15. Vergl. Bartol. Zorgi 12: On hom plus aut es pujatz, Mais 
pot en bas chazer, si no sap retener Lo sentier, don es guidatz. Aehn- 
lich ist unten IV, v. 1, s. Note dazu. 

V. Äl. Mit tener sollte eigentlich nur condugz, nicht dos con- 
struirt sein. 

V. Ä9. Die Warnung vor trop sen kehrt oft bei den Trobadors 
wieder: Aimeric de Pegulhan 50,2: ß non es bon c'om sia trop senatz^ 
Que a sazos non sega son talen, £ si no i a de chascun mesclamen, Non 
es bona sola Tuna meitatz, Car ben deven hom per sobresaber Nescis, 
e*n nai maintas uetz foUejan, Per que s'eschai qu'om an en luoc mesclan 
Sen ab foldat, qui'ls sap gen retener. Cadenet 2,2: A faire ric uassalatge 
S'eschai ben c'om aja sen, Pero plus ardidamen fai qu'i mescla follor, 
• Car anc bon enuazidor Non . uim, si non .fetz follia, E no'is taing ies c'oin 
s'albir Tot so que'n pot auenir, Car ia ren ben no faria. Guiraut de 
Bomelh 1,6 : E qui que apel trop pensar Saber, ieu die qu'ans es foUors. 
ders. 31,2: E no'm par qu'om sia cortes, Qui tot iom uol* esser senatz; 
Trop m'agrada bella foudatz. Lamberti de Bonanel 9,5: Quar en amar 
non sec hom drecha via, Qui gent no sap sen ab foldat despendre. 

V. 36. Wie die Handschriften an dieser Stelle zwischen plazer und 
caber schwanken, so haben auch in Peire Vidal's Lied : Quant hom es en 
autrui poder vier der zwölf von Bartsch benutzten Handschriften caber, 

Appel, Peire Rogier. 6 



78 

die anderen plazer. Bei Peire Vidal scheint ausser dem Handschriften- 
verhältniss auch der Gegensatz zum desplatz in der -dritten Zeile der 
Strophe plazer zu veriangen. Beide Wendungen sind nicht ungewöhnlich, • 
man vergl. Bertran Carbonel's 64. Cobla: Per que aquel, c'aZ segle uol 
plazer, Se den penar de far e dir plazer. und desselben Cobla 73: Per 
c'om se deu esforzar, qui caher Vol el seyle^ d'onor e pretz auer. 

Dass der Vers bei Vidal auf Peire Rogier's Lied Bezug nimmt, nicht 
nur zufällig ähnlich lautet, beweist der Anfangsvers der nächsten Strophe: 
Tant ai de sen e de saber, also mit v. 8 unseres Liedes übereinstimmend ; 
und V. 28 : e non ai gran cura d'auer erinnert wenigstens dem Sinne nach 
an unseren vierten Vers. Ferner ist die Form zu beachten. Wie bei 
Peire Rogier haben wir achtsylbige Verse. Die Reimstellung ist dort a b b a 
c c d d gegen a b b a c c d hier. Reim a ist -er, d -os wie bei Rogier. Nach- 
ahmung in der Form ist also kaum zweifelhaft. Dürfen wir nun schliessen, 
dass auch Peire Rogier's Strophe musikalisch achtzollig gewesen ist, dass 
der letzte Vers doppelt gesungen wurde, wie wir es bei Gaucelm Faidit's 
Lied gefunden haben? Es wäre dann hier ein neuer Beweis für die Un- 
zulänglichkeit des Textes für Beurtheilung des Strophenbaus. 

Wie Peire Vidal dazu kam, sich grade unseren Dichter zum Vorbild 
für sein Lied zu nehmen, erfahren wir vielleicht aus der ersten Tornada : 
Domna, per uos am Narbones E Molinatz e Sauartes E CastelP e'l bon 
rei n' Anfos, De cui sui caualiers per uos. Ermessinde, Ermengarde's 
Schwester, war durch die Verheirathung mit Manrique de Lara, einem der 
mächtigsten Granden Castiliens, Herrin von Molina geworden. Peire Vidal 
richtete also sein Lied vermuthlich an eine tiahe Verwandte Ermengarde^s • 
und er mag sich deshalb der Anklänge an deren wohlgelittenen Sänger 
bedient haben. 

V. 31. Vergl. B. Carbonel 39: Atressi tanh als fols dire plazer Co 
als sauls, cant se pot eschazer. ' Raimon von Avignon: Qui m'en uol 
creire, bos fols sui E sauis be, quan trop ab cui. 

V. 40. assaiar mit persönlichem Akkusativ heisst sonst „erproben, 
examiniren'', hier „behandeln (um ein günstiges Resultat zu erzielen)**. 
Die Bedeutung ist mir sonst nicht vorgekommen.- 

V. 50. Neben dreisylbigem Raymbaut kommt zweisylbiges Rambaut 
vor, da aber die dreisylbige Form in v. 1 verwandt ist, ziehe ich- sie auch 
hier vor und lese mit R: ie*m n'iray. 



8A. 

V. I. cofes „schuldig, nicht im Stande zu bezahlen" vgl. Bertr. 
Carbonel 43: D'omes trobi, que ab lur gerit parlar Vos lunharan un 
deute, si'l queres; E'l poyrian leugeyramen paguar, Mas cobeitatz los fai 
fenher cofes. 



79 

V. 14. passar pel uer. Die Wendung ist aus dem Afz. bekannt. 
Man vergleiche die Anmerkung zum Chevalier au lyon ed. Holland v. 524. 

V. 16. Vom Narren wird gesagt: Gr. 461, 86 (Arch. 34,438) Qe sos 
lausamens es blasmars, e sos blasmes es lausars. Bertran Carbonel 45: 
6*1 fols, on pus uos blasmara, Adoncas pus uos lauzara. 

V. 23. quals sui o drutz. Eine eigenthümliche Construction, von 
der ich kein zweites Beispiel kenne. Von den zwei vorliegenden Mög- 
lichkeiten wird nur nach der einen gefragt; die Antwort hierauf ent- 
scheidet auch für den anderen Fall. 

V. 28. Mas ist wohl in kausaler Bedeutung zu nehmen. 

V. 31. Wenn meine Lesung der Stelle richtig ist, muss wohl 
Peire seinen fürstlichen Freund zur Weihnachtszeit besucht haben. Der 
Plural von auen war der alten Sprache geläufig und ist es noch heut 
dem Volke. Siehe die Note bei Littre: Avent: Ne dites pas ^c'est 
aux avents que j'irai me confesser"; mais dites „cest ä Tavent". Les 
avents pour l'avent, c'est un provincialisme , comme on le voit par le 
picard. 

V. 50. Der Versteckname Bon Respieg erscheint wieder in der 
Tomada des Liedes: ün uers farai de tal mena. Der Dichter fährt in 
unserem Liede in der dritten Person fort. Der Versteckname wird also 
hier nicht die Dame bezeichnen, während man das aus dem anderen Ge- 
dicht schliessen möchte. 

V. 52. Die Vorstellung des Erhängens ist der modernen Dichtung 
nur in sehr beschränktem Masse zugänglich; nicht so der provenzali- 
schen. Man vergl. Bernart v. Ventadorn 4,3. Gaucelm Faidit 43. Guiraut 
von Bornelh 48. Peire Vidal 33,3. Uc von St. Circ 34,2 etc. 

9. 

V. 3. In der Handsclirift steht redolmein (nicht redolmen wie Cha- 
baneau angiebt) 7 esmais. Chabaneau's Lesung ve dols m'en ist unmög- 
lich; das Subject kann nicht ve von m'en trennen. Man könnte an das 
ital. ridolersi „sich beklagen" denken, denn esmais kommt auch als 
1 pers. Sgl. praes. ind. vor, s. Ged. 331,5 (wo der Reim s verlangt, die 
Hds. allerdings hat nur esmai), oder man kann etwa ändern in be dol 
.m'en us esmais. 

V. 6. Ich glaube nicht, dass Chabaneau's Correctur departem 
nöthig ist. 

V. I. Sabeos der Handschrift erklärt Chabaneau als sabetz vos. 
„II y a d'autres exemples de pareilles contractions." Auch bei Troba- 
dors? Auch dem Sinne nach scheint mir der Indicativ nicht gut zu passen. 
Ob ein e oder c nach dem b steht, lässt übrigens die Handschrift nicht 
gut erkennen. 

6* 



80 

V. ZZ, "Welches ist hier die specielle Bedeutung von rai'tz, auf 
Augen oder Stirn bezogen? Ich kenne keine Parallelstelle. 

V. 23. Das Manuscript hat ma lo, was nicht, wie Chabaneau gethän 
hat, in mas so zu ändern ist. 

V. ZS. perniz = ital. pernice, prov. perditz. 

V. 33. sazi'ontat, nicht bei Raynouard, von sazi'on nach sacietat, 
satliritat gebildet: „Fülle, üeberfluss". 



Peire Rogier mit Unrecht zugeschriebene 

Lieder. 

I. 

Gr. 9, 11. 

Das Gedicht steht nur in den Handschriften L 140 und T 209. 
In T hat eine zweite, spätere Hand mit blasserer Tinte andere 
Lesarten über einzelne Worte des ersten Textes gesetzt. Doch 
beschränkt sich diese Einzeichnung auf die erste Strophe und auf 

Verwandelung des c von eleu v. 11 in q. Ich bezeichne diese 

• • 

Aenderungen mit T^ den älteren Text mit T\ Wo ich T setze, 
iexistirt nur die erste Version. 

T schreibt das Lied Peire rugier, L Aymeric de Belenoi zu. 
An des letzteren Autorschaft kann kein Zweifel sein. Das Gedicht 
reiht sich einem Liedercyclus ein, dem ausser diesem in Bartsch's 
Verzeichniss noch No. 3, 8, 12 und 15 anzugehören scheinen. 

Die zeitlichen Grenzen von Aimeric's dichterischer Thätigkeit 
sind noch nicht mit Sicherheit gefunden. Diez (L. u. W. p. 558) 
scheint nicht abgeneigt ein Lied des Dichters auf den Kreuzzug 
Richard's Löwenherz zu beziehen, während für das Klagelied auf 
den Tod Nufio Sanchez' das Jahr 1240 — 41 angesetzt wird; ja, 
Milä (trovadores en Espana p. 197) glaubt sogar, dass Aimeric 
noch am Hofe Alfons' X. von Castilien (1252^-84) gelebt habe. 
Aus der Anspielung auf König Philipp im vorliegenden Gedicht 
(v. 24) darf man schliessen, dass dasselbe vor 1223 verfasst wurde. 



82 

Die V. 57 genannte Gräfin von Sobiraz kommt noch in einem an- 
deren, theils Aimeric de Belenoi, theils Aimeric de Sarlat zuge- 
schriebenen Gedichte vor (Gr. 11, 2). Nach Mila (p. 185 AniÄer- 
kung 23 und p. 352) ist unter ihr die Gemahlin des letzten Grafen 
von ürgel zu verstehen. Elvirä, Ermengaud's von Urgel (1183 bis 
1208) Gattin wird 1185, noch nach ihrer Vermählung, mit diesem 
Titel benannt. Mit dem König von Aragon v. 53 ist dann wahr- 
scheinlich Pedro n. (1196 — 1213) gemeint. . 

Die Form des Gedichts gehört zu den ' gewöhnlichsten in der 
provenzalischen Literatur. Ich habe mit gleicher folgende Nummern 
des Bartsch'schen Verzeichnisses notirt: 10, 33; 80, 6; 437, 31; 
80, 34; 82, 87; 234, 3; 265, 3; 335, 57; 461, 33. Keins dieser 
Gedichte hat aber gleiche Reime mit Aymeric's, eine Nachahmung 
ist also bei der Einfachheit der Form nicht anzunehmen (dagegen 
sind die Reime der sechs zuletzt aufgeführten Lieder dieselben). 

Zu erwähnen bleibt noch, dass in v. 27 epische, in v. 18, 49, 51 
57 lyrische Cäsur ist. üeber v. 54 vergl. die Note. 

Gedruckt ist das Gedicht nach L im Archiv 34,43? und bei 
Mahn Ged. 903. Die erste Publikation weist der zweiten zufolge 
eine ganze Reihe von Lesefehlern auf. 

Ich folge der Orthographie von L. 

Ja no creyray q'afanz ne cossirers 
ne grieus sospirs nj plaigners nj plorars 
ne grantz trebaillz ne fiers maltraich sobrers 
ne loncs desirs n'endura ne ueillars 
5 hajon poder de nul home aucir, 

ni per amor puosca nuillz hom morir, 

qar jeu no muor, e mos mals es tan grieus, 

per qu'ieu no crej q'anc en moris n'Andrieus. 

Q'anch nuls amanz ne nuls penedenchers 
10 no trais lo mal ne la dolor, nj l'ars, 



1. n. c] no er credut (credutz L) LT*. — cafan T*. quafan T*. — con- 
sirier T. — 2. greu T. — sospir TK — plaigner .L. plagnfer T. — plurar 
T. — 3. trabagll T. — fer T. — maltrait T^ — 4. lonc desir T. — n'e.] ni 
ira T^ pauc dormyr T^. — uegliar T. — 5. ome T^. homo T^. — aucire 
T. — 6. nul T. — 7. mal T. — greu T. — 8. que anc T». — en] /. TK 
no T«. — n'A.] nadrieus T*. andrieu T^. 

9. Auch T. - 1. nuls] milt9 (?) T. — e T. — 10. dolors T.— lar T. — 



83 

• 

q'ieu haj soffert plus de eine ansz entiers 

per lei, a eui amors nj mereejars 

no ual siuals d'aitan, qe no'm air 

lo sieus gens cors, car jeu m'aus enardir 

de leis amar, qe uoill mais esser sieus, 15 

que senes lej lo montz sia totz mieus. 

Qar tant m'es dolsz de leis lo deszirers, 

plus qe d'autra lo jasers ne*l baisars, 

q'ieu estauc chaj sos paubres soudaders 

e*n laiss ma terra e mantz de ricx afars, 20 

qar senes leis no puosc rix deuenir, 

mas siil plagues, ela-m pogr'enrichir; 

q'aqel rieh joj de s'amor mi des, dieusi 

lo rejs Felips tenria pueis mos fieus. 

Tan es sos prez uerais e dreichurers 25 

e*l sieus gajs cors onratz e fins e cars, 

qi'n parlaria seemblaria ufaners, 

q'aissj con eoilltotas aiguas la mars, 

sab tot bo pretz retener e chausir; 

e en totz temps hom no poria dir 30 

la gran beitat nj escriure en brieus 

del sieu eors elar plus qe rosa ni neus. 

Domna'l uostr'hom liges endomengers 

e*l uostre sers humils en totz honrars 

e'l uostre amiex leialx e uertaders, 35 

q'en be amar non Ter ja trobatz pars. 



11. cinc],dus T. — 12. ni] uau L. — mercear T. — 13. Nom T. — siuol 
L. — 14. sieu gen LT. — m. e.] mais desir L. — 15. qe /. L. — q. u.] 
quall T. — 16. sens T. — mon T. — fos tut T. 

17. Caitant medous T. — consiriers T. — 18. jaser L. giasir T. — 
el T. — basars L. baisar T. — 19. estara L. istauc T. — paubre T. — 
20. ET. — mant T. — asars (?) T. — 21. s.] se T. — ric T. — 22. il me 
T. — 23. Calce T. — delsie a. T. — 24. rei LT. — felip L. phylips T. — 
mon T. 

25. sun T. — drituriers elials T. — 26. sieu gai LT. — car T. — 
27. Qem T. — parlia T. — un fumers L. — 29. totz L. — 30. tot T. — 
31. beltatz L. beutat^ T. — escrir en L. escriurenun T. — 32. clars L. 
cars T. 

33. edomangiers T. — 34. seni T. — hum.] uogl T. — tot onrar T. — 
35. amic T. — dreturiers T. — 36. bon T. — Ij trobaresz L. — par T. — 



84 

vos qier per dieu, destreich ab gran deszir, 
qe no'l fachasz plus desiran languir; 
qar meiller es onrada amors en brieus 
40 qe lonctrebaill, e per soffrir plus Ileus. 

Domna, per dieu no credasz lausengers, 
ni'm tenga dan ab uos lo deuinars, 
q'ieu non soj ges d'aqels amantz leugers, 
qes uan gaban, a cnj noz trop parlars; 
45 ansz uoill mon cor tant celar e cobrir, 

qe s'ieu tot mor, no'us uej nj uos remir; 
pels fals desfaitz pejors qe canjneus 
m'estrag de uos e muou ues autres treus. 

Bona domna, per uos plang e sospir, 
50 e qant de uos me conuen a partir, 

no presera tot lo contat d'Augieus, 
q'eu no annes per uostr'amor romjeus. 

Franch reis gentils d' Aragon, gran deszir 
haj q'ieu uos ueja las armas baillir, 
85 qar* crestians, saracins ne judjeus 

tan ricx afars no saup far bons e Ileus. 

La contessa de Sobiraz sab dir 
e far plaszer, per q'hom no*s deu 'soffrir 
de sa lausor; tan Tha onrada dieus, 
60 qe totz prez ual, mais de midonz, lo sieus. 

IL 

Gr. 32, 1. 

Dieses Gedicht findet man in C 359, E 71, M 134, R 80, S 214 
und ausserdem im Breviari d'amor (a). Diese Handschriften theilen 
sich den vv. 40, 42 (24?) zufolge in zwei Gruppen I CEM, II RSa. 

Innerhalb der ersten bilden EM wieder eine ünterabtheilung, 
man. sehe die Varianten zu vv. 7, 10, 12, 16, 18, 24. In der 
zweiten dagegen liegen die Verhältnisse nicht ganz klar; a scheint 
der Handschrift S am nächsten zu stehen (s. w. 5, 17, 28, das 

37. dieus L. — destpech T. — am T. — 39. miegUiors T. — e b.] eleus T. — 
40. für lonc Lücke in L. — e bis Heus] soffrir pessan e greus T. — Hier 
schliesst T. 

48. muor uos autres tieus L. — 52. amors L. — 54. uej L; 



85 

Fehlen von 46 — 49), aber andrerseits haben RS auch gemeinsame 
Fehler a gegenüber (s. vv. 10, 20, 29, 38). 

Mit der Hauptgruppirung stimmt überein, dass CEM das Lied 
Amaut Plagues zuweisen, während R Peirol, S Peire Regier und 
a üc Brunenc alß Verfasser angiebt. Peirol's und üc Brunenc's 

. Namen sind auch in das erste Register von C als Varianten über- 
gegangen. Da dem Handschriftenverhältniss zufolge CEM zusammen 
nur eine Stimme haben, wäre auch die Autorschaft Amaut's nicht 

' besonders gut bezeugt. Dass. er aber in der That das Lied ver- 
fasste, lehrt uns ein Sirventes üc's von St. Circ, welches beginnt: 

. Messongety un siruentes 
nCds quisty e donar lo fay 
dl plus tost que im poyrai 
el son den Amaut Plagues, 

Pas Gedicht hat nicht nur dieselbe Form wie das vorliegende, 
sondern auch gleiche Reime. Ebenso verhält sich Folquet's de 
Romans Sirventes No. 14 zu unserem Liede. 

Gleiche Form wendet üc von St. Circ noch zweimal, in den 
Gedichten 15 und 34 an, und diese beiden entsprechen sich unter- 
einander nicht nur in der Anwendung derselben Reime, sondern 
auch derselben Reimwörter. 

Da üc's von St. Circ dichterische Thätigkeit (nach Diez) etwa 
in die Jahre 1200 — 1240 fallt, ist es nicht möglich, dass wir 
unter dem hier in der Tomada genannten König von Castilien 
Alfons X. zu verstehen haben, wie Milä (p. 197) meint. Es kann 
Ferdinand der Heilige sein, oder nach Diez' Datirung von Folquet's 
Sirventes: vor 1220 eher noch Alfons VIIL (1158—1214). 

Gedruckt ist das Gedicht bisher im Parn. occit. p. 357 und 
nach a bei Azai's v. 31643 flf. und Ged. I, p. 215. 

Ben uolgra midons saubes 
mon cor ayssi cum yeu'l say, 
e» que-l plagues qu'ieu fos lay, 
on es SOS guays cprs cortes. 
e si die sobransaria? — s 

L u. W. p. 561. 



1. sabes S. — 2. ausi S. — y.] el E. ieu Ma (Azais). — 4. g.] gens S. hinter 
cors OL, — Ab lo sieu gai c. c. R. — 5. sieu die M. sai diez S. ay dig «* — 



86 

diguas. — e cuias que sia? 

yeu no, que no'm sent tan ricx. — 

suefre e no t'amendicx, 
que de ben leu s'auenria. 

10 Avenir deu? no pot ges. — 

no pot lo? per dieu, si fay. — 
e quem? — yeu uos o diray. — 
diguatz cum. — s'a lieys plagues. — 
plazer? a lieys cum plairia? — 
15 leuet, s'amors o uolia. — 

amors! — yest li enemicx? — 
yeu no, ans estauc enicx 
a quascun que la gualia. 

Suefre e uenra t'en bes. — 
20 e cum? que'ls mals ades n'ay. — 

mals? non ho diguas iamay. — 
e per que? — quar no i es. — 
non es mals qu'aissi m'aucia 
languen? — non ges, quar un dia 
25 er tos bes, si non t'en gicx, 

ab sol que no la cambicx. — 
e morray?! — oc, si's uolia. 

6. üeiatz M. — quo C. qieu M. — Diguas fol qe uols q sia R. — 7. Non ieu 
EM. Jeu 00 a. — no sui MR. nom soi a (Azais). .1. .CG. a (Hds. C) (?). — 
ric R. — 8. mas ges no ten gics R. — tanmendics Ma (Azais). tant men dis 
S. — 9. ben leu R. ben de leu S. mot de leu a. — sendeueria R. 

10. deu] pot C. dieus R. /. a. — n. p. g.] hom plages EM. o uolgues R. 
ses uolgues S. nos pot lo ges a. — 11. No] Si C. — lo] hom M. — si] no 
C. — Aquo uerament si fay a. — 12. E /. EMR. — u. o d.] to ensenharai 
EM. — /. S. — 13. caleys R. — 14. a] he S. — a bis pL] e quo li plas- 
zeria a (Ged. = Hds. C). e cum Ihi plairia (Azais). ^— 15. L.] Jeu quo a. — 
16. Amor E. — es a (Azais). — li] le a (Ged.). — len (11 M) donx amicx 
EM. — Amors oc yest lenemics R. Amors doncz est men amics S. — 17. Non 
ieu Sa. — nestau EM. — 18. E a. — A totz homs R. — Per sot die quelat 
(qill te M) galia EM. 

19. e u. t.] qnqr nauras R. — 20. can R. qant S. — qe mais M. ql mal 
R. quel mals a. — cades R. — vai a (Azais). — 21. Mal ia non R. Mais 
nom lo S. — ho] i M. — 22. e per q zweimal R. — no i] non o Ca. ges nö R. — 
23. /. a. — 24. Languen ges (Lauzengier M) nö quer (qar M) u. d. EM. 
Languen lo nö qn u. d. R. Languen lo noieh et el dia S. Lo no quar en 
unh [dia /.] a. — 25. Ter totz bes R. Qar toz ben S. — guis S. — 26. camges 
E. chastics M. — E cöz q nö lam cambietz R. Garda qe non tem canbis S. — 
27. s. u.] gel uorria S. 



87 

Si's uol? — oc. — ualra'm merces 

ab Heys? — per dieu, non o say. — 

e per que? — quar non s'eschai, 3Ö 

que trop t'iest en ric luec mes. — 
ric, per crotz, ben o sabia. — 
e doncx no fezist follia? 

laissa t'en! — no m'en casticx, 

qu'aisso no t'es mas desfricx, 35 

que ges no m'en laissaria. 

No t'en laissarias ges? — 

non yeu. — doncx aissi o fay, 

cum ieu t'o ensenharai: 

sias adreitz e cortes, . 40 

francx e de bella paria, 
e fay so que ben estia, 

quan poiras, e non t'en tricx, 

qu'aissi deu renhar amicx; — 
00, e mielhs si mielhs podia. « 

Na Felipa, s'ieu auia 

tals rietatz don ieu fos ricx, 

atressi'us seri' amicx 
de ben dir si cum solia. 

Chanso, en Castella ten uia so 

al rei qu'adoba'ls destricx^ 

qu'om pren ab los auols ricx, 
quant es en lor companhia. 



28. Et non (nom a) ualgia (ualra o) ia m. Sa. — 29. Ab cuj ab Heys oc 
(oc /. S) n. s. RS. — 31. tieistz M. sest S. t'es a (Azais). — locs S. — 
en loc ric M. — 32. dieu R. erist a. — b. o] bona S. — sai E. — 33. no] 
se S. — 34. Laissam e.Rl — me S. — 35. es M. — estricx a. — Qe tot 
seria d. R. Qe ia no ter mas d. S. -- 36. Ni a. — ges /. C. ia EMR. — me S. 
• 38. Non ho E. Yeu (Eu S) no RS. — lo S. — 39. ieu /. C. — toi S. — 
40. a.] humils Ra. humels S. — 42. b.] gent RS«. — testia E. sestia S. — 
43. Com S. E vor quan, fehlt vor non a (Azais). — ten] o R. — 44. Car si 
E. — 45. E gen si genser podia E. E miells si far si podia M. E pus ge si 
pus podia R. E gent se genser sabia S. — Hier schliesst Sa. 

46. phelippa M. — nauia R. — 47. tal ricor M. tal sieutat R. — on E. •— ^ 
48. De tot uos *R. — 49. E de may si mai podia R. 

50—53. /. R. — 50. en /, M. — tey uia C. — 51. qui doblals C, 



88 



III. 

Gr. 70, 11. 

Das Gedicht wird von folgenden Handschriften mitgetheilt; 
C (zweimal, C fo. 59, C^ fo. 241), E 107, P 33, R 93, S 218, 
c 84. Von ihnen enthalten aber nur C'E die unten mitgetheilten 
Strophen alle und in dieser Reihenfolge. 'Die anderen überliefern 
nur Str. 2 bis 6 und zwar in folgender Anordnung: 

. C^R: 2 5 6 3 4 
PSc: 2 3 5 6 4 

Die sich hieraus ergebende Eintheilung in drei Gruppen wird 
durch die Varianten bestätigt; in der letzten sind PS einander 
näher verwandt. Einen engeren Zusammenhang der Gruppen C*R 
und PSc, den man auf Grund ihrer imvollständigen Ueberlieferung 
vermuthen dürfte, würde man aus den Lesarten schwer erschliessen 
können '). Die sehr weitgehenden Abweichungen der Gruppen setzen 
eine sehr mangelhafte gemeinschaftliche Vorlage voraus. Die WalJ 
zwischen den Lesarten ist oft schwierig. Während ich für die An- 
ordnung der Strophen C^E zu Grunde lege, scheint mir in der 

• 

Ueberlieferung des Textes mehrfach C^R das Bessere zu haben. 

Das Gedicht ist schon oft abgedruckt: Rayn III, 60, darnach 
W I, 18; Lesebuch nach C'E, Ged. 340 nach R, Arch. 33, 3io 
nach P; und ebenso hat es häufigere Besprechung gefunden: bei 
Fauriel II, 33, Diez L. u. W. p. 25, Bischofif Biogr. des Trob. Ber- 
nart V. Ventadorn p. 52, Suchier im Aufsatz über Marcabru Jahr- 
buch XIV, 126, zuletzt von Carducci Nuova antologia 2* seria 
XXVI, p. 9. 

Von diesen fünf nehmen Fauriel, Diez und Suchier an, dass 
das Lied von Bernart von Ventadorn verfasst sei, Bischofif zweifelt, 
neigt sich aber wohl derselben Ansicht zu, Carducci endlich spricht 
sich wieder entschieden und unter Angabe von Gründen für Berr 
nart aus. 

Prüfen wir seine Gründe. Er sagt: 

1. Tre codid assegnano a Bernardo la canzone Bels Monfiiehy 
e i quattro che a lui non la dannOy discordano tutti nelV attribu- 



*) Im Gegentheil zeigt c sogar an verschiedenen Stellen Berührungspunkte 
mit C»E. 



89 

zione che ne fan diversa a quattro trovatori inferiori. Dagegen ist 
zu sagen; C^E schreiben die Canzöne Bemart zu, CR Perdigo, 
P Raimon de la Sala, c Peire Regier; in S steht das Lied ohne 
Namensüberschrift unter Guilhem Ademar's Lanquan vey florir 
Vespija, Das Verhältniss ist also wesentlich anders als Carducci 
sagt. Nur zwei Handschriften fallen auf Bemart, zwei allerdings 
zersplittern sich auf je einen Trobador, eine ist ohne Namensan- 
gabe; diese drei Manuscripte entstammen einer Quelle, ihr Ausein- 
andergehen macht also ihre Angaben werthlos, dagegen stehen den 
zwei Stimmen für Bemart die zwei für Perdigo gleichberechtigt 
gegenüber. 

2. nella canzone <fh il nome di Alice» Dieser Grund ist schon 
von Suchier Bischoflf gegenüber zurückgewiesen *); Nur afrz. ist Aelis 
die Form für das provenzalische Azalais, wie die Gemahlin Eble's 
von Ventädora hiess. Hier ist zu trennen na Helis. 

3. la canzone ha tutto lo stile, il colorito, la verseggiatura 
delle piü belle di Bemardo, Dass die. Canzone ihrem Styl und 
Colorit nach wohl von Bemart herrühren könnte, will ich nicht 
bestreiten, doch nicht allein von ihm, er ist nicht der einzige Tro- 
bador, der aus der Wärme der Empfindung heraus sang. In Hin- 
sicht auf die Form dagegen hat die Canzone keine Aehnlichkeit 
mit irgend einer Bernart's. Schon oben (p. 21) habe ich erwähnt, 
dass bei ihm der jnännliche Zehnsylbner nicht strojfhenbildend 
auftritt, sondern immer nur in Verbindung mit anderen Versarten. 
Ebensowenig kehrt diese oder auch nur eine ähnliche Reimstellung 
bei Bernart wieder. In der Form hat Perdigo sogar ein wenigem 
vor ihm voraus, indem er Strophen aus männlichen Zehnsylbnem 
bildet (No. 3 und 8). 

4. Rispönde benissimo alle vicende d^ suoi amori. Dieser 
Grund steht und fallt mit dem zweiten. Von dem Ereigniss, auf 
das V. 38 angespielt wird, erfahren wir aus Bernart's Biographie 
und Liedern nichts. Abgesehen übrigens von der Verschiedenheit 
von na Helis imd n'Azalais ist ja auch na Helis schwerlich mit 
der unten Tnon Jo^ genannten Dame des Dichters identisch. Das 
Bemühen den im Gedicht erwähnten Namen Beziehung zu Bernart's 
Lebensschicksalen zu geben, ist bisher -resultatlos geblieben; weder 



') Jahrb. XrV, p. 126. 



90 

Monruelh, noch Elis, noch Mon Joy kommen bei ihm vor. Freilich 
findet sich, etwas dem letzteren ähnliches wieder, nämlich im 
19. Gedicht: Estat ai cum hom esperdutz der Versteckname Fis 
Joys. BischoflF p. 53 bezieht dieses Lied auf die Katastrophe in 
Ventadom, nach seiner Rechnung etwa 1152, Er weist dabei auf 
die Aehnlichkeit der Namen Dolz Esgar und Bei Vezer (dieses 
der Versteckname der Vizgräfin) hin. Ist aber Dolz Esgar wirk- 
lich die Vizgräfin, dann kann Fis Joys sicher nicht dieselbe sein; 
in Belh Monruelh dagegen müsste Mon Joy nach BischoflTs und 
Carducci's Ansicht die Vizgräfin bedeuten. 

Um die Verwirrung zu vervollständigen kommt der Versteck- 
name Fis Joys auch bei Perdigo mehrfach vor, in: Ben ajo'l mal 
e Vafan e'l cossir, in: Entr^am^ e pessamen, und ausserdem in 
einem Lied, welches in CR Peirol zugeschrieben wird, in V aber 
zwischen Gedichten Perdigo's steht und deshalb leicht letzterem zuzu- 
schreiben sein wird: Car müera de joi lunhatz. (In der Anfangs- 
zeile dieses Liedes scheint übrigens Joy allein schon den Versteck- 
namen zu vertreten: Car müera de joi lunhatz^ Ai estat lonja sazo 
De joi e de far chanso). Um Perdigo's Ansprüche zu stützen, 
könnte man auch zur Vergleichung sein Gedicht Cil cui plazon 
tuit bon saber (es ist leider nur nach dem nicht überall verständ- 
lichen* V veröffentlicht) heranziehen, welches allerdings bemerkens- 
werthe Uebereinstimmungen mit unserem Liede zeigt. Aber das 
Erwähnte ist natürlich nicht hinreichend, Perdigo's Autorschaft zu 
begründen; ich verzichte darauf, die Frage nach dem Dichter des 
Liedes hier zu beantworten. 

Beachtenswerth sind in dem Gedicht auch die Reime auf -is. 
Den Reim amis z. 3 allerdings gestatten sich viele Trobadors: 
Bertran de Born 8, Peire d'Alvemhe 23, Guiraut de Bornelh 13, 
Raimbaut de Vaqueiras 11, Guillem de Cabestanh 7, Amaut de 
Maroill 7 etc. etc. und es ist vielleicht Zufall, wenn er bei Ber- 
nart von Ventadorn und Perdigo nicht zu belegen ist, denn von 
Bernart, unter dem doch wohl nur der von Ventadorn zu verstehen 
ist, sagt eine Handschrift der Razos de trobar, dass er den Reim 
gebraucht habe (Stengel p. 87,i4). Man könnte also diesen Punkt 
noch für Bernarfs Autorschaft geltend machen. Der Reim 
amayris v. 15 imd aiccis v. 18 dagegen ist strenggenommen nicht 
gestattet. Die Trobadors pflegen -itz und -is genau zu scheiden. 



91 

Beide Reime kommen bei Bernart von Ventadom vor, is in 1, 20, 
37, itz in 33, 40; jeder ist ohne Mischung mit dem anderen durch- 
geführt ^). Perdigo's Hinterlassenschaft ist viel kleiner als Bernart's, 
nur ein Gedicht: Tot Van mi ten amors zeigt den Reim -is, und 
dort ist er gleichfalls rein. Uebertretungen sind bei guten Troba- 
dors selten, ein Fall ist Folquet de Marselha No. 23 razis für 
razitz, (Ueber ähnliche Reime s. Stimming Bertran de Born zu 
6 z. 9). 

Metrisch ist auffallend die sehr grosse Anzahl lyrischer Cä- 
suren: vv. 2, 3, 15, 18 (?), 25—28, 32 (?), 40. In v. 13 wäre 
Cäsur nach der dritten Sylbe, es ist also besser gar keine anzu- 
nehmen. 

Wir kennen mehrere Lieder, die gleiche Form mit unserem 
haben: Bertran de Born 15; Guilhem Rainol d'At 4, wo hinzu- 
kommt, dass der Reim a nach je zwei Strophen wechselt; Pons 
de la ßarda 3, wo der Reim b einer Strophe immer a der nächsten 
wird, während- für b eine neue Endung eintritt. Zusammengehörig 
ist Peire Vidal's: Drogoman sdgnei*, %^agv£% hon destrier und das 
dagegen in gleichen Reimen gedichtete Sirventes Sordel's: Quan 
qu^ieu ckantes cCamor ni d'alegrier. Alle diese sind unserem Lied 
nur in Reimstellung und Versmass gleich. Auch gleiche Reime 
mit ihm hat aber Peire Milo's: Aissi m'ave cum cel qu^a senkors 
dos. Und zwar findet sich der Reim is wie in unserem Gedicht 
behandelt, sowohl amis z. 6, enis 21, enemis 36, wie andrerseits 
voutis z. 40 reimen auf afortis, aclis, vis etc. Wir werden deshalb 
und weil im allgemeinen die Trobadors^in ihrer Liebesdichtung 
Verwendung fremder Melodien scheuten, Peire Milo noch keinen An- 
spruch auf unser Gedicht einräumen dürfen, wenngleich er desselben 
nicht unwerth erschiene; seine Lieder zeichnen sich durch Energie 
und lebendige Vorstellung aus, seine Bilder sind dem Leben ent- 
nommen, neu und besser als die Mehrzahl der Trobadors sie bringt. 
Mit dem Eigenthumsrecht der Melodien hat es übrigens Peire Milo 
nicht eben genau genommen. Mass und Reime seines 7. Liebes- 
gedichts finden sich bei Peire Raimon de Toloza 16 wieder, das 
9. Gedicht stimmt in Form und Reim mit B. Gr. 461, 77. 



Doch habe ich das unedirte 40 nicht vergleichen können. 



92 

• 

Belh Monruelh, aisseih que's part de uos 
e non plora, ges non es doloiros, 
ni no sembla sia corals amicx; 
francx e gentils e belhs e larcx e pros 
5 es Monruelhs, e uos dels companhos 

plus que negus de midons, na Heils. 

AI chan d^auzel comensa ma chanzos, 
quant aug chantar las guantas e*ls aigros 
e pels cortils uey uerdeyar los lis, 
10 ' . la blaua flor, que nais entre'ls boissos, 

e'l riu sou dar- desobre los skblos, 
lai on s'espan la blanca flors de lis. 

Lonjamens ai estat desamoros, 
de bon' amor paupres e sofrachos, 
15 per la colpa d'una fals'amayris, 

qu'a fatz uas mi enjans e mespreyzos, 
don ieu Tai fag quaranta netz perdos ; 
no'm laissera, tro que m'agues aucis. 

D!aquestas mas fon cnlhitz lo bastos, 
20 ab que m'ancis la belazer qn'anc fos; 

1—6./. CspRSc. — 

1. Bels monruels E. — sei que si E. — 3. Ni sembla que s. E. — 5. mos 
ruels C*. monruels E. — 5. 6. e vos plus que negus Dels companhos de mi- 
dons C»E. — 6. naelis E. . 

7. Ab C*R. A c. — chans R. — dauzels C^R. — comen^ei c. — sa C*E. 
la c. — sazos C»Ec. chanso PRS. — 8. Quieu C»E. — la C^PRS. — guanta 
C^R. gentas PS. iantas c. — el aigros (aiglos R) C'Rc. e la gron PS. — 
9. per PSc. — ortils C^ cortiu PS. coi-tes c. — u. u.] reuirdiar PS. — lo 
PRSc. — lins PS. — 10. flors R. /. c. — q. n.] sespan c. — n.] par 
C^R. — per los C^E. entre el P. entrel S. per lo c. — busson P. bussun 
S. — 11. Eis CJ. — rius C^ rieus R. — clars C*PS. — d. 1.] corren sobrels 
C»R. — lo sablon PS. — 12. E lai Ch En lai E. Lau PS. La o c. — flor 
C^EPRSc. — del R. 

13. Conhdamens C^ Cuendamen E. Lonc temps PSc. — ai] aurai PSc. — 
14. frachuros C^ — 15. las colpas S. — falsa marritz E. falsa amaris PSc. — 
16. Que C^Ec. — fes C^E. /. c. — Qu'a bis mi /. R. — enian PSc. — 
tracios C^PRSc. — 17. Perque ieu C^ Percheu PS. Perqe c. — 1. f.] faue 
C*E. nai faich*(faiz c) PSc. — los quaranta C*Ec. lo carantal PS. — 
18. Canc no men tuelc entro quela maucis G^E. Et nom lasset. entro que mac 
aucis PS. E nö gardei tro mala aucis c. 

19. E daquesta CR. Daquesta PSc. — m. /. C*R. main PS. malus c. — 
coilli PS. — 20. De PS. — mauci C«R. — plus bela C»EPSc. belaire R. — 
can PS. — 



93 

tan m'atendiey en lieis, que la seruis, 
que lauzengier e sospirs anguoissos 
e loncx dezirs e petitz guazardos 
m'an fag estar faiditz del sieu pays. 

Ben pauc ama' drutz, que non es gelos, 25 

• e pauc ama qui non es aziros, 
e pauc ama qui non enfoUetis, 
e pauc ama qui non fay trassios; 
mais ual d'amor, quant hom n'es enueios, 
uns hons plorars, no fan quatprze rig. 30 

Quant ieu li quier merce de genolhos, 

ylh m'encolpa e*m troba ocaizos, 

e Faigua'm cor denan per rdiey lo uis; 

et ela'tn fai un esguart amoros, 

et yeu li baiss la boqu' e*ls huelhs amdos, — 35 

adoncx me ue us ioys de paradis. 

21. mentendiey C^ — per far los sieus seruis (seriurs E) C'E. — T. uolgpeu 
far (far /. P.) toz zo qe labellis PS. E uolgra far tot qa leis abelis c. — 

22. E C'R. — lauzengiers C^R. 

22—23. C* : quels deziriers eozens e doloiros 

e destorbiers e petitz guazardos 
E: quelß deziriers eis sospirs doloiros 
e leugiers e petitz guazardos 
PS:* qe lonc respiz e mal* trait angoissos • 
et lausengiers a petit guierdohs 
c: el gai semblät el mal trag angoissos 
cilansegnor el petit guierdons. . 
24. Mi fan C.^R. — faidit C'C^ERc. — de mon C'EPS. tle sonc^ 

Von hier an in C^dmeh Ausschneiden verursachte Lücken.. — 25. Car 
C*E. — drut PRS. — 26. amoros c. — 27. enfolezis C*R. est foUecris P. 
es folettis S. enfollentis c. — 28. a. q. n. f. f C'» — 'messios C*. — 29. da- 
mors R. — si non es angoissos C* E. qi bien est enueios P S c. — u. d'a. c. 
und (enue)ios f C^. — 30. ün C»EPSc. I R. — belh CK bon E. dulz P. 
lag R. dolz S. dol^ c. — plorar alle Hdss. ausser C^. — faim E. fait PS. — 
qa tortz e ris c. — ü. b. plo (ran sie) und q. r. f C*- 

31. ieu li/. C^E. — merces c. — q. m./. C*.. — nach merce: midons C*E. — 
de]/. C». en PS. — 32. Quilh C»E. Et ella P. Ella Sc. — me colpa PS. 
me clam c. — em cargua C^E. e mi met PSc. — m'e. bis trob(a) f C^. — 
33. laiguan c. — (la)iguam c. d. f C'. — dauan E. aual PSc. — 34. Et] 
/ C^Ec. Cant R. — Elha mi C^E. Ella nie c. — sospiran C^ sospirar E. 

un regard PS. uns gart qes c. — a.] bon respos C*E. — C ,.. un esguar 

am ..!. 35. E. y. 1.] E mi C^. Em E. E li c. — baiza C*E. basal c. — 
Et ßis baiss f C*. — 36. Don mi sembla lo C*. Don mi soue del E. Adonc 
me pär un PSc. — ioi G^EPRSc. 

Appel, Peire Rogier. 7 



94 

Mon Joy coman al uerai glorios; 
Tonors, que^m fetz sotz lo pin eu T erbos 
• en aquel temps, quant elha me conquis, 
40 me fai uiure e me ten delechos, 

qu'ieu fora mortz, s'aqiiilh honors no fos 
ei bos respiegz, que mi reuerdezis. 

Aquest chantars pogra ben esser bos, 
quW Monruelh comensa flaa chansos 
45 et en mon ioi, de cui ieu sui, fenis. 

IV. 
*Gr. 225, 11. 

Das Gedicht wird uns in C 263 und in einem von Stengel in 
der Rivista di filologia romanza I, 25 ff. beschriebenen Manuscript - 
776 F 4 der Bibliot. nazion. di Firenze (von mir als h bezeichnet)' 
überliefert. Nach letzterem' findet es sich gedruckt 1. c. p. 34, 35. 
Ausserdem ist die erste Strophe* des Liedes in der Handschrift P 
enthalten (f. 64) und darnach Arch. 50,28i veröffentlicht, die erste 
ujid die dritte iih Breviari d'amor (v. 33262 ff. und v. 32073 ff.). 

Die Handschriften Ch weisen das Lied Guilhem von Montanh- 
agout oder Montanhagol de tholoza wi, in P ist der Name des 
Verfassers nicht beigefügt, das erste Register von C bezeichnet als . 
Variante zu Guilhem Peire Rogier als Verfasser. Wir haben keinen 
Grund an der Autorschaft Guilhem's zu zweifeln. 

Guilhem von Montagnagout gehört der Mitte des dreizehnten 
Jahrhunderts an (s. Diez L. u, W. 575 ff., Mila 173 ff.). Wir 
treffen den Trobador mehrfach in Beziehungen zu Spanien; eins 
seiner Lieder ist an Jaime von Aragon gerichtet, mehrere an Alfons 
von Castilien. Den letzten dieser beiden Fürsten werden wir auch 
im emperaire der zweiten Torriada zu erkennen haben; Alfons 
wurde 1257 zum Kaiser gewählt, so dass das Lied dann nach 
diesem Jahr gedichtet sein wird. 

Graf von Cominges war in jener Zeit Bemard VH. (1241 — 94). 
An ihn scheint also das Gedicht in erster Linie gerichtet zu sein. 



37—45/ C^PRSc. ' • - 

37. gloriors E. — 38. Lonor C»E. ~ 41. onor E. — 43. bon C^K. — 
respieg C^ respeit E. • ' 

43. chantar C». cantar E. — poiria C^E. — 44. Que E. — 45. Et/. E. 



95 . 

Ueber den Namen in der letzten Tomada kann ich um so 
weniger sagen, als die Handschriften ia seiner Lesart von einander 
abweichen. 

Die Form unseres Gedichts stimmt mit der des vierzehnten 
Liedes des Mönchs von Montaudon überein, und die Reime hier sind 
dieselben wie in der ersten Strophe jenes Liedes. Abweichend 
aber ist des Mönchs. Form darin, dasser in jeder Strophe neue 
Reime wählt und dass er in der ersten Zeile jeder Strophe den 
Inhalt des letzten Verses der vorhergehenden wieder aulnimmt. 
Da aber des Mönchs Gedicht erotischen, Guilhem's moralisirenden 
Inhalts ist, werden wir auch schon abgesehen von der Chronologie; 
dieses als jenem nachgedichtet bezeichnen müssen. 

On mais^'a hom de ualensa, ' 

mielhs si deuria chauzir, - 
no fezes desconoyssensa; * * 

quar hom pros pot leu falhir, 

e'l maluatz al mieu albir . . 5 

no falb, quan fai fallimen, 

quar per deuer yssamen 

fan 11 maluat malestan, 

quon fan bosfagz li prezan. 

• . • ' 

Ges del segle no m'agensa, - * * 10 

quan.n'aug als maluatz mal dir, 
qu'ilh cujon la lur falhensa 

ab lo lur mal dig cubrir; 

e dona lur dieus culhir 

quadan pro ui e fromen, 15 

et an pro aur j3t argen, 

e ia ren be no metran, . . 

ans ualon meyns, on mais an. ^ 



• 1. Quant hom ai mala d. u. P. — 2. meilhs nach deuria h. — Miel se 
deuriaz ausir P. — 3. / h. — Car n. f. d. P. Que n. f. d.. a, — 4. bos C. — 
poit P. — leu vor pot C. leuzieremen P. -r 7. d.] uer P. — 8. maluatz h. 
maluatz fah a. — Fai lo maluaz malestans P. — mal'estans a (Hds. C). — 
9. b.] ricx h. — i). f.] proeza a. -^ Com fai bon fait los prisans P. Qu(^ li 
pros fan fag prezan a (Hds.. C). 

10. dels ualenz C. — 11. al C. — 12. Quelh C. — 13. los sieus mals 
digz h. — 14. da h. — acuilhir h. — 15. Quaran h. 

. ■ • -7* 



• 96 : 

Dieus, quon pot auer sufrensa 
20 ricx hom de gent aculhir . 

ni de far guaya paruensa, 
ni quo's pot de dar tenir, 
quan ben o pot mantenir! 
mout hi fetz dieus son taleti, 
25 quar non donet largamen 

a selhs que larguamen dan, 
e pai}C a selhs que pauc fan. 

Mas ia melhur^om q gensa 
en raubas et eu guarnir 
30 et en manhta captenensa, 

e*s uol hom trop gent tenir; 
* mas en dar et en seruir 
no uey far melhurambn. 
e doncx, que'us faretz, manea?! 
35 ia morretz uos quan que quan, 

gardatz que'l temps no'us enjan! 

Coms Cumenges, ses temensa 

poiri'om a uos uenir, 
que'l sobrenoms es guirensa 
40 de uos, qui'l sap deuezir, 

don paubres. deu enriquir; 
qu'aissi quon crezon crezen 
en cumenjar saluamen, 
deu Cum'enges ualer tan, 
45 que salu aquels que'l creiran. 

Emperaire, pretz ualen 

auetz e ualor e sen, 

e quar sabetz ualer tan, 

en uos uuelh daurar mon chan. 

50 Na Guiza', ges no*m repen 

de uos lauzar, quar m^es gen; • 

mas dels uostres tan ni quan 

no*m laus, s'enquer mielhs no*m fan. 



23. no C. ho h. — 27. f.] dan h. 

28. E h. — 32. ni b. — 33. melhuiramen C. — 34. Ha doncx H. 

43. cümergar h. — 44. cumergues h. — 45. queiran h. 

47. ualer h. — 49. A h. 

50. giiizasC. guias h. — 51. quans h. — 53. no h. 



97 



V. 

Gr. 323, 1. 

Das Gedicht steht in den Handschriften A 9, B-34, C 28, D 1, 
E 47, J 1, K 1, N 254, Q 82, R 9, T 153, a 61, und D% welche 
letztere ich nicht benutzen konnte. 

Für die Gruppirung bieten sich vor allem die Abweichungen 
in V. 13, durch welche I. ABDEJKNT von IL CQRa als zu- 
sammengehörig geschieden werdön. Woniger Gewicht "hat v. 35. 
Bestätigt wird diese Scheidung durch den Umstand, dass CQRa 
das Gedicht Guiraut von Bornelh, die anderen Peire d'Alvernhe 
zuschreiben, während D*^, welches Peire Regier als Verfasser nennt, 
nur mit einer Variante im Register von C übereinstimmt. 

Ifl, Gruppe I dürfen wir auf Grund der Verse 19, 24, 31 ABN 
und DEJKT einander gegenüberstellen. AB beweisen ihre enge 
Zusammengehörigkeit durch viele gemeinsame Varianten: v. 8, 9, 
13, 19, 24, 34, 52, 56, V. 13 räumt .T Sonderstelking gegenüber 
DEJK ein (und T steht hier bemerkenswerther Weise dem Ur- 
sprünglichen . näher als ABN). 

DJK haben gemeinsame Abweichungen v. 15, 48; JK in 8, 
12, 29, 40, 42. • , 

Unklarer ist das Verhältniss in Gruppe U. Mehrmals trennen 
sich QRa durch gemeinsame Fehler von C: v. 12, 25 (/w?), 56 
{viron in R ist doch mit vi ren gleichen Ursprungs). Andrerseits 
treten sich Qa und CR gegenüber : v. 8,- 15. 

Erwähnt ist bereits, wie sich die Handschriften auch in An- 
gabe des Autors in die gleichen Hauptgruppen theilen. D<^ ist ohne 
Gewicht; dagegen haben Guiraut de Bornelh und Peire d'Alvernhe 
gleich begründete Ansprüche auf die Urheberschaft, und es wird 
nicht leicht sein zwischen ihnen zu entscheiden^ denn die Tornada, 
die uns am ersten Auskunft in geben pflegt, fehlt. In Form und 
Inhalt hat das Gedicht kaum etwas, was einem der beiden Dichter 
eigenthümlich wäre oder d§r Gewohnheit eines widerspräche. Beiden 
ist das Suchen nach schweren Reimen gemein. 

Ein Gedicht von gleicher Form ist mir nicht bekannt, aber es 
bestehen offenbar Beziehungen zwischen unserem Liedeund einem 
Alegret's: Ära pareissqn Varbre sec. In der Form gemeinsam ist 
ihnen Anwendung des- Refrains in der ersten Zeile, und zwar wählte 



• -98 

Alegret das dem vert eatgegengesetzte secy dem er ähnlich seine 
moralischen Betrachtungen anknüpft, wie der Dichter unseres Liedes 
an vert Nicht zufallig ist wohl auch, dass der. Reim -ec aus 
unserem Gedicht bei Alegret wiederkehrt und man darf ausserdem 
. den Reim -umcu ber ihm mit hier -ima vergleichen. 

Gedruckt ist das Lied nach J Ged. 1, nach C ib. 812, nach 
E 813, nach A Arch. 51,2. 

Abans que'l blaue pueg sion uert, 

ni ueiam flbr en la sima, 
quan rauzel- sQn de chantar nee, 

q'us contra'l freg non s'esperta, 
s adoQCS uuelh nouelhs motz lassar 

d'un uers, qu'entendan 11 melhor, 
que'l bes entre'ls bos ereis e par. 

Per sö'm plai qu'en lo temps no uert 

mostre's uers de razon prima 
10 als ualens, cui sabers eossec, 

quar esta g^ns mal aperta 
non sabon ren, que'is uol leuar,, 
que sens per nulh doetrinador 
ses bon eor no pot melhurar. 

15 Dins es poirida e sembla uert ' 

un'aaols gens, que blastima 

In N sind die Initialen der Strophen nicht ausgefuI.U. 

1. q pueg blanc R. — blanc /. T. — puois T. '— sia Q. — 2. ueian D. 
veia R. — elasima T. — 3. liausel T. — del Q. — derhantar (?) a. — net 
N a^ — 4. Cü Q. — c] plus contra a, — fret Q. — sesperra N. sisporta 
T. — 5. nouelh C. cortes R. — laissar Da. lasdar Q. *^— 6. quemtendan N. 
qntedö R. qentendam a. — 7. Queils JK. — ben DN. — pros E. — Geis bens 
«trels bens T. ■ 

8. Per som plai qiian uei lo temps uert AB. Persom plagra quen lo temps 
uert CR. Persom plaz (plai E) temps qan lo pre (1. p. /. E) non uei uert D.E. 
Persom (Init. /. J) plai (plais T) quan lo «(qanl T) temps non uei uert JKT. 
Persom (.er son N) plai (par a) cant lo temps nö uert NQa. — 9.. Mostrar 
AB. mostreis T. — 10. saber QT. — conset N. ^— 11. estat a. — gen NR. 
gent Q. — 12. sap sol QRa. — res NR. — qe Qa. quieu T. -^ uoglT. — 
leual JK. — 13. Qui DE JKT. — sen E. — n.] mil (J. bö R. — n. d.] mot 
dun amador AB. mot duet amador (bamador (?) D. hamador N) DEJKN. 
nul drut^ trinador T. — 14. nom N. — meilbarar T. 

15. Den^ T. — poirit R. — e /. Qa. — semblam DE. semblan JK. 
semblät Q. seblam T. sembläu a. — auert DJK. uertz R. — 16. auol QR. 
aol T. — ge R. — blastuma E. — • . 



99 

tot so qu'anc dreitara amec; 

e pus negus no s'acerta; 
dieus, quant pot hom en eis blasmar, 
qu'anc no i agron Tartelh" menor 20 

manht home, a cui augh pretz dar. 

• 

Nuls hom del mon non a pretz uert, 

qüan uol daiirar .e pueys lima, 
per qu'es fols sei que's n'aüzec, 

pos ue que bes no i reuerta ; 25 

iqu'a la cocha pot bom proar 
amic de boca ses amor, 
mas don no ues, lion esperar. 

Qui anc*ui fresc iouen ni uert, 

. ar es mortz per gent cayma, 30 

que cuja far tot lo mon sec, 

qu'ieu non uey fol ni mamberta, 
q'us non fassa soften son par; 
per so. frutz torna en peior : 
dous semblan ab sabor d'amar. • 35 

Ben sap far paisser herba uert 

femna, que'l* marit encrima 
per son auol fag teuer nee; 

17. Qot Q. To a. — so/. E. — amet R. — 18. poQ. — negun ä. -^ 
19. De AB. Des N, — q.] cant qeis AB. cö R. — hom/. ABJN. — eis] 
lieis E. — 20. Quan C. — non R. — agren C.'— larceill D. larceil (?) Q. -^ 
21. cm a. — aut Q. aues a. — prezar E. 

22. Init. / J. — N. homs non pet auer p. u» R. — 23. Qui R. — 
24. Perqu'es] E fo DEJKT..— fols/. a. — sels C. aicel DEJK. icell T. — 
qeis nazec AB. que (qui C) si assec CRa. qe 90 percec Q. — 25. uei E. — 
que T. ^ ben E. res R. be a. — no Q. non Ra. — reuerra a. — 26. Ga 
a. — cocia T. coua a. — ohm T. — 27. boeta (?) T. — so's K. — 28. 1. no 
/'. T. — ue N. — espera T. 

29, Quanc JK. — vi Unc R. — f. ni i. ni u..a. — 30. mort Ea. mori^ 
N. mo9 Q. — caina DQ. canina E. — 31. Qi DJKTa. — cuian DJK. 
cuion E. cugian T. — 32. noi C. — ^^ fuelh R.* — mainberta ABRa* manberta 
DJKNT. — 33. Cum D. Cun EJKT. Cui QRa. — 34. Perquel AB/ Pero 
Q^Perol R. Person T. — enfrus E. fruich Q. frug R. — tornar E. /. T. — 
35. Donc (?) a. Dos R. — semblans R. - ab] en C. a a. — E (ßl AB) doutz 
(dols T) semblan (seblant T) sabor (sabors JK) damar (damor D) AB DEJKT. — 
E dous semblan ab s. d'a. N. 

36. JK beginnen hier kein Alinea. — s. f.] li fay R. — passer Q. — 
37. q R. — 38. a. f.] viol fai a. — 



100 

. d'aqni nays la gens dezerta . 
40 de pretz, q'us no'n auza parlar 

mas: de mal frug mala sabor; 
e'lh filh non uolon sordeiar. 

■ • 

Aissi naisson sec 6 non uert, 

q'us d'enjan non repayma; 
45 ni anc, pos dieus Adam formec, 

non ten& tant sa pprt' uberta 
bauzia, qu'en fai manhs intrar; 
que lop sontornat li pastor, 
qui degron las fedas gardar. 

50 Cobeeza a mort pretz uert, 

qu'ensenha'ls baros d'escrima;* 
e cobezetatz s'abrazec, 

un'arsors, que es uberta, 
don uezem manht ric abrazar; 
55 pretz tuion traire d'aul labor, 

mas anc ses dieu^no ui pretz car« 

VI. 

Gr. 375, 12. 

Das sechste der gelegentlich Peire Rogier zugeschriebenen Ge- 
dichte anderer Trobadors: Uadregz solatz e Vauinens companha ist 

39. gen NR. gent Q. get^ T. — 40. cim JKN. — lauza a. — 41. Ma T. — 
frui9 Q. . — 42. E eil f. a. — u.] uol JK. uöl hom T. — forlinhar C. sordellar 
Q. sordillar a. 

43. Init. /. J. — naission N. — e /. Q. — .44. degian T. — nosR. — 
repazima E. — 45. dieus /. R. — formet DJKTa. — 46. tant /. Q. anc R. — 
sa porid berta N. so port ubuerta T. — 47. quem T. — nainz D. — 48. Qui 
D JK. Car R. — lops fan tornar R. — pascor R. — 49. Que AB JKN Q'. — 
la Na. — fidas E. 

50. Gobedesan Q. — 51. Qensemsals R. — baron Q. — sescrima R. des- 
cirma T. — 52. Pols AB. Don CDEJKT. - cobeitatz ABCDEJKT. co- 
beitat N. cobeseta^'Q. cobezeza R. cobezeitatz a. — los abrasec AB. abrasec 
Qa. abrasset R. — 53. arsons Q. asor R. — qüe ses C. quezes E. ques N. 
qes Ra. — cuberta Q. ubema N. — Qe es un ardor^ coberta AB. — 54. "ve- 
zom a. — Dö e u. R. — mains E Q. majntz a. — ricx E a. riens Q. /. B. — 
abramar D. abrassar E. abaissar Q. abaisar T. — 55. cuidam Q. — trair 
ABDJKN. triarE. tria T. — dauol ABDEQRa. daol JK. dol T. — laor Q. 
lauzor a. — 56. fes deus Q. — uimABE. — pr.] ren Q. re a. — u. pj 
uiron R. 



101 

erst kürzlich von Herrn von Napolsti in seiner Ausgabe des Ponz 
de Capduoill mit den Lesarten aller drei Handschriften abgedruckt 
(Leben und Werke des Tröbadors Ponz de Capduoill. Halle 1880. 
8^ p. 78ff. 132 — 33). Ich unterlasse einen Neudruck, da die 
Abweichungen des Textes nicht zahlreich und meist geringfügiger 
Natur wären. So hätte ich v. .2 eUi gent parlar aus C R gegen el 
gens parlars in f aufgenommen; v. 8 mit Rücksicht auf das erst 
z. 7 stehende gens, mielher aus Rf gegen gensm* C; v. 17 Res aus 
Gf gegen Bes R; v. 33 Ancar aus f für Aqui aus C; v. 3T -leys 
f für lui C (die Variante ist nicht angeführt, leys steht aber in der 
Handschrift). V 

Gleiche Strophenform mit diesem Gedicht hat Joan Esteve's: 
Aissi cum seih qu'es vengutz en inqiceza, doch nicht darin, dass die 
Stellung der Reime in je zwei Strophen vertauscht wird. Bei Joan 
Esteve bleiben sie an ihrer Stelle. Da die Reime nicht dieselben 
sind, wäre bei der Einfachheit der Form ünnöthig Beziehungen 
zwischen beiden Liedern anzunehmen, erschienen nicht die Reime 
bei ihrer Ungleichheit doch verwandt: 

Joan Esteve b: anh Pons: a: anha 

c: ensa . d: ens 

d: OS • b: OS 

So wird die Nachdichtung eines Liedes durch das andere imixierhin 
wahrscheinlich. 



VH. 

Gr. 392, 8. 

Das Gedicht- wird uns nur von E 188 und T 189 überliefert 
und zwar in sehr mangelhafter Weise. Die ganz nahe Verwandt- 
schaft beider Handschriften beschränkt zudem die Möglichkeit die 
Lücken auszufüllen. Ich folge wesentlich E, dessen Orthographie 
ich auch annehme. 

Das Gedicht wird von E Raimbaut de Vaqueiras, von T Peire 
Regier zugeschrieben. An Peire Regier darf nach Form, StyJ und 
Inhalt schwerlich gedacht werden. Diez (L. u. W. p. 292) erkennt 
denn auch Raimbaut als Verfasser an und hält das Lied mit zwei 
Stellen aus dessen anderen Dichtungen zusammen, in denen er 
seiner Unschlüssigkeit oder Abgeneigtheit* am Kreuzzug Bonifaz' 



102 

von Monferrat Theil zu nehmeu- Ausdruck giebt. Gegen die Ab- 
fassung des Gedichts um die Zeit dieses Kreuzzuges aber spricht 
V. 50: qn^ieu am mais estar en Fransa. 'Vom Jahre 1194 an weilte 
Raimbaut am Hof von Monferrat (L. u. W. p. 272), also in Italien, 
und so vsrill denn auch Diez das Lied einer früheren . Zeit zu- 
schreiben, als Raimbaut noch in Frankrieich war. 

- Wir haben drei Gedichte mit gleicher Form und gleichen 
Reimen: Raimon von Miraval No. 14 und 30, und Uc von Mata- 
plana No. 1. Die zwei letztgenannten sind die bekannten Sirventese 
über die Verstossung Gaudairenca's, der Gattin Raimon's. Die 
Reihenfolge der drei Gedichte ist jedenfalls die, dass Raimon zuerst 
die Canzone 14 dichtete, dass Uc diese Form zu seinem Sirventes 
benutzte, xmA Raimon wie üblich im gleichen iTon antwortete. 

Ist nun die Chronologie in Raimon's provenzalischer Biographie 
richtig, so müssen diese Lie4er gedichtet sein, während Peire König 
von Aragon war, also 1196 — 1213, und wir haben dann einen Be- 
weis, dass unser Gedicht (welches als Sirventes der Canzone Rai- 
mon's folgt) erst in die Zeit von Raimbaut's Aufenthalt in Mon- 
ferrat fallen kann. Da- wir nun wissen, dass des Dichters Liebes- 
. verhältniss mit Beatrix von Monferrat bis zu seinem Aufbruch nach 
dem Orient andauerte, ist mit Rücksicht auf v. .50 nicht anzu- 
nehmen, dass Raimbaut der Verfasser unseres Liedes ist. Wenn 
^zwei einander so* nahe stehende Handschriften, wie hier ET, in der 
Angabe des Dichters abweichen, ist die Glaubwürdigkeit einer jeden 
nur gering. •' • 

Ob das Gedicht, wie Diez annimrmt, sich auf eine Kreuzfahrt 
bezieht, scheint mir fraglich. Der Ton wäre für einen solchen 
Gegenstand recht leichtfertig, und eine Nöthwendigkeit zu dieser 
Beziehung flnde ich nicht im Liede, auch nicht in v, 38. 

Einen ziemlich vollständigen Abdruck des Gedichts iSndet man 
bei Rayn V, 420. und darnach W I, 384. - 

Ben. sai e conosc ueramen 
que uers es so que'l mlas dl, 
que nuils hom, qu'es dins son aizi, 
* • trobe tot so que uai queren; 

5 e s'anc non ac malanansa, 

2. uere ^oce uilan T. — 3. ques] ce T. — 4. q. u.] cira T. — 5. anc E. 
cianc T, — ' * 



103 

no sap que s'es benestansa; 
mas adonx Fes totz sos deleitz doblatz, 

quan sap Taize saluatge, 
e n'ama mais tot so dins sQii estatge. 

Mas d'ome'm merauill fortmen, lo 

que sap inals e bes autressi 
e saj) com ua'l cars. al moli, . ^ 

e pot uiure onradamen, 

com pot far tan gran effansa 
que suefra tal malestansa, is 

que an per mar; mas als desampal*atz, 

que non an peins ni gatge, 
lais tot aquo e fass^ autre uiatge. 

Que'ill merme . ; «on co^en, 

. e r. . . . . d'autrui e de si ' 20 

a gran regart ser e mati 
emrpoder d'aigua e^de uen, • 



et. es tot iom en balansa 
et a*ls uestirs rouillos e moillatz,' 25 

e gens d'auol linhatge - 

dir-l'aun enueg e faraun li oltratge. 

E qui mal tra, e peitz aten; 
• ia de be no*l fassa bom fi, 
ans ba regart per tot aqui * 30 

on uai, no perdC al ribamen, 
"" e ia no'ill tengron fiansa 
ni sagramen ni fermansa, 
ans si podon, sera lo sieus panatz; 

. ges ieu no tenc per sage 35 

ric c'o persec, ans fai doble folatge. 



6. malestansa E. — 7. tot son deleit doblat E. — 9. dint T. — ostagie T» 
10. dome maraugll T. — 11. mall e be T. — 12. couai cares a- muli T. — 

13. önrada ment^ T. — 14. ufana ET. — 15. malestansa T. — 17. pegnorä T. 
19. m.] mes E. mermes T. — correh E. — 20. El anar daut de fi 

E. -: . . .] lonor T. — 21. m.] ma . . E. — 22. Em . . . gua E. En podor daiga 
.T. — u.] ui T. — 23. J, ET. — 25. al uestire E. ai uestir T. — 26. gien 

T. — 27. Dirlau T. — eueg T. — farali E. — omenatge E. 

28. t.] ira'E. — 29. noill E. nolg T. — 30. Anseregart- seremati T. — 

31. no] ni ET. — perte E. aperte T. — a T. — 32. tengonT.' — ' 34, li 

sera ET. — 35. nol T. — 36. Sei E, 



40 



104- 

Qu'ieu pretz mais iazer nutz e gen 

que uestitz iosta peleri,. 

e mais aigua fresca ab bon ui 



.......... que ransa 

e mais. iola que pezansa, 
e bes maniars e palafres assatz 
• ' * que bescueitz ab auratge, 

45 • e bels o§tals mais que port ni ribatge. 

Perqu'ieu m'en part, s'anc n'aic talen 
de i'anar ni anc m'abeli; 
e qui's uol, segua aquest trai* 
e gard e leuau e ponen, 
50 qu'ieu am mais estar en Fransa, 

• on ha maia ioi et onransa, 
et ab totz uens ieu penrai uas totz latz 

.en luec ferm alberguatge, 
e cui plaira, segua aquest uiatge.« 
• • • ■ 

' : ■ — • ; ■ 

37. preis T. — 38. uestit T. — 40. 41. bis que ransa /ET. — 42. gioio 
T. — 43. mangiar T: — palafre aisit^ T. — 45. bei ostal T. 

46*. me E. — nac T. — 48. trag E. — 52. Gab (?) T. — latzf, ET. — 
53. f. et a. E. 



Anmerkungen. 



I. 

V. 11. Die Verschiedenheit der Zahlenangabe in den Handschriften 
erklärt sich leicht durch Verlesen der römischen Ziffer. 

V. 31. Vielleicht hat sich der Dichter des Hiatus escriure en nicht 
schuldig gemacht, sondern escriur'en uns brieus gesagt, wie T en un 
schreibt. Wie man unäs letras gebrauchte, kiinnte inan leicht den Plural 
uns brieus bilden, wie denn auch afrz. li brief ven einem Brief gesagt 
wurde. 

V. 33. endomengers in L. Raynouard kennt nur das in T ste- 
hende domengers und andrerseits endomenjat. 

V. 37. c.h gilt in L für chz s. v. 3 maltraich, v. 53 franch. 

V. 39. en brieus wohl wie a lorigas, de primas, s. Diez Gram. II*, 
p. 463, 464. . 

y. 48. Das muor uos autres tieus der Handschrift ist mir unver- 
ständlich. • 

V. 54. Pie Handschrift hat uej. Dem Verse fehlt eine Sylbe. Die 
Grammatik verlangt den Conjunctiv von yezer; nur kann seine Einführung 
dadurch Bedenken erregen, dass dann das Cäsurgesetz in nicht ganz ge- 
wöhnlicher Weise verletzt wird. Beispiele der Cäsur nach unbetonter 
fünfter. Sylbe unter Verkürzung des zweiten Verstheiles um eine Sylbe 
findet man fürs Afrz. bei Tobler, Versbau p. 73, fürs Prov. bei Bartsch, 
Peire Vidal p. LXXII — III und Napolski, Ponz de Capduoill p. 33. 

II. 

V. 6. sobransaria ist nicht Prädikat zu sia, sondern der Inhält des 
v. 1 — 4 ausgesprochenen Wunsches ist das Subject nach dessen Existenz 
gefragt wird. 

V. 8. se amendicar „sich zum Bettler machen" fehlt bei Ray- 
nouard. 

V. 11. lo als Nominativ belegt Bartsch in der Chrestomathie. 



106 . 

V. ZU. cambicx setzt ein Verbum cambigar voraus. Wollte. man die 
Fonn von cambiare ableiten, so müs$te man also Analogiebildung, etwa 
nach chasticx annehmen. Aber auch die Bedeutung von cambiare will 
hier nicht besonders passen; sie brächte zuin Inhalt des vorigen Verses 
Neues nicht hinzu. Peire d'Alvernhe 15,6 (W. I, p. 94) steht das ähnlich 
aussehende camicx, wie es scheint, etwa im Sinn von „tadeln**. Diese 
dem chastici in M entsprechende Bedeutung würde hier ganz wohl ange- 
bracht sein. , Doch ist das camicx dort selbst noch nicht gesichert. Die 
Handschrift V liest cani^ics, vielleicht kommt das can^ics increpatio der 
Reim Verzeichnisse (Stengel 51,9) hier wieder zum Vorschein. 

V. 50. ten uia oder t'enuia? 

III. ' 

V. 5 — 6. Ich ändere die Stellung, die Raynouard den Worten dieser 
Zeilen gegeben hat; vos darf nicht zweimal m derselben Strophe Reim-^^ 
wort sein. Die Trennung des Substantivs von der zugehörigen attributiven 
Bestimmung mit de ist provenzalisch häufig. Beispiele s. Stimming Ber- 
tran de Born Anmk'g zu '42, 18. Mit Berufong auf die, freie Handhabung 
der Cäsur in unserem Gedicht und unter Hinweis. auf v. 13 könnte man 
aber auch schreiben: dels companhos De midons plus que negus. 

V. 16. tracios, die Lesart der meisten Handschriften, ist v. 28 Reim- 
wört; ich nehme daher mespreyzos aus C auf, wenngleich auch R tracios hat. 
R steht, übrigens aus der anderen Gruppe E init mespreyzos gd^enüber. 

V. 17. Die in beiden anderen Gruppen stehende Lesart los quaranta 
perdos (resp. lo cärantal), welche vielleicht aufzunehmen ist, zeigt den 
Artikel in einer selteneren Verwendung. Raimbaut de Vaqueiras 6,2: 
E s'intre las mil cansos, Domna', 1 puesc endeuenir En un bo mot en 
dos Quem uoillatz sol obezir. Vgl. Dante Parad. 16, 72 : molte volte taglia 

_ • ■ • 

Piü e meglio una che le cinque spade. Der Artikel dient hier die Zahl 
als die im gegebenen Fall höchste denkbare und als solche bekannte zu 
.bezeichnen; Inferno 25, 33 ist es die niedrigste denkbare Zahl, welche 
in gleicher Weise den Artikel erhält. 

V. 19. ZOi Die Wendung kommt öfters vor: Bernart von Vefttadorn 
23,4: Una falsa deschäuzida ... ctidh lo ram ab que's fier. Ders. 42,5: 
E ia non er qu'ieu eys Zo ram no cuelha^ Que'm bat e*m-^er. Peire 
yidal- 36,6: Be*m bat amors ab las uergas quHeu cuelh, 

IV. 

v.l. Vergl. Bertran Carbonel 70: On hom a mais d'entendemen E 
pus ual, mais se deu gardar Com non lo puesca encolpar Ni dir qu'el 
fassa falhimen. s. auch oben No. 8 v. 17. 

V. 7. Bertran Carbonel 54 : per deuer eyssamen Li fol deuon far 
folor E dir, co'l ualen ualor. • 



■ 107 

V. 34. talen „Willkür, Wollen ohne Rücksicht auf Vernunft" steht 
sen gegenüber. Aimeric de. Pegulhan 50,2: E non es bon c'om sia trop 
senatz, Que a- sazos non sega son talen. Bertran Carbonel 83: Car 
fin'amor.s non obra segon sen En nulha ren tan com segon talen. 

Für den Inhalt der Verse 24—28 vergl. B. Gr. 461, 130: Et a per 
pauc no lo blasme a- *deu, Car il dona manentia ni fieu Ad aul home ni 
a desconoisen, Que sofrainha al bon ni al nalen. 

V. 37 ff. Eine ähnliche Namensspielerei findet sich bei Guillem im 
fünften Gedicht mit Pro-ensa und Falhensä. 

V. 50. Ist na Guiza ^Frau Guise" oder na Gujas „Herr Guienner** 
zu lesen? . *. 

.V. . ■ • .' 

V. 4. -ert und -erta sind nicht eigentlich verwandte Reime, denn 
in jenem ist e geschlossen, in diesem offen. 

V. 34. Das Verbum aüzar steht nicht bei Raynou^rd (wohl aber- 
ein Subst.* adusari), doch ist das afrz. aüser wohlbekannt. 

V. 30. Caym ist die gewöhnliche Form des Namens, s. Arnaut 
Daniel 6,5; Guillem Räinol d'At 3,3; Peire Cardenal 65, Raimbaut de 
Vaqueiras 5,5 etc.; aber Marcabrun 35,5 reimt ihn auch auf i, lässt ihn 
also auf bewegliches n ausgehen. 

V. 31. sec ist caecus, nicht siccus. . 

V. 32. mamberta oder mainberta. Eine zweite Belegstelle für 
dieses Wort verdanke ich Prof. Tobler. Es ist Daude de Pradas, Vertutz 
cardenals 872: E qui razo per beure.pert, Malastruch sembla e maynbert. 

V. 44. repayma ist mir nur von dieser Stelle her iJekannt. 

Vi 5ä. cobezötatz findet sich nicht bei Raynouard, es steht auch 
nur in den Hdss. Qa; der Vers verlangt aber eine viersylbige Form an 
Stelle des dreisylbigen cobeitatz. 

V. 53. uberta. Es ist nicht wahrscheinlich, dass hier dasselbe 
uberta im Reime steht, welches wir erst v. 46 gehabt haben, auch würde 
der Dichter das Wort schwerlich von einer Gluth gebrauchen können; 
aber auch cuberta aus ABQ ist nicht anzunehmen, erstens des Hand- 
schriftenverhältnisses wegen, zweitens weil der Dichter dann nicht wohl 
fortfahren könnte don uezem. 

VII. 

V. 31. i-ibamen fehlt bei Raynouard, aber ribar ist belegt. 
V. 3a, tengron = tengran.